Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der „Igel“-Signalweg ist ein Schlüssel beim Kampf gegen das Basalzellkarzinom

21.07.2014

Das Basalzellkarzinom (kurz: Basaliom) ist mit 70 bis über 800 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr sehr häufig und stellt mit etwa 80% den größten Anteil am hellen Hautkrebs dar.

Die Krebszellen dieses Typs streuen selten in andere Körperbereiche, wachsen jedoch ungehindert in die Fläche und auch in die Tiefe, wo sie anderes Gewebe und sogar Knochen zerstören können. Nach wie vor wird das Basalzellkarzinom in erster Linie operativ behandelt. Neue Möglichkeiten eröffnen Medikamente, die bestimmte Signalwege ins Zellinnere blockieren.

Eine zentrale Rolle spielt hierbei der Hedgehog-Signalweg, der nach Proteinen benannt ist, die diesen Signalweg aktivieren. Mutationen in dem Gen für Hedgehog (engl. für Igel) in Fliegenlarven führen zu einem „igelartigen“ Aussehen, was zu der Bezeichnung geführt hat Normalerweise ist der Hedgehog-Signalweg wichtig in der Embryonalentwicklung und im ausgewachsenen Körper weitgehend still gelegt. Durch Mutationen kann er aktiviert werden und Wachstum fördern, was in der Mehrzahl der Basalzellkarzinome der Fall ist.

Für die verschiedenen Basalzellkarzinom-Subtypen stehen unterschiedliche Therapieansätze zur Verfügung. Der Goldstandard ist die operative Entfernung. Für oberflächliche Basalzellkarzinome stehen zugelassene Wirkstoffe wie Imiquimod und 5-Fluorouracil sowie die photodynamische Therapie zur Verfügung.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Zellen mit Hitze oder Kälte zu entfernen. Dazu zählen die Kryochirurgie – Zerstörung über Kälte durch vereisen – oder die Laserbehandlung – Zerstörung durch Hitze. Dabei wird das Krebsgewebe gleichsam verkocht. In beiden Fällen können Pigmentierungsveränderungen oder Narben zurückbleiben.

Sind die Krebszellen bereits zu tief in andere Gewebebereiche eingewandert, steht die Strahlentherapie als Alternative zur Verfügung. In 89-96% der Fälle bleibt ein Wiederauftreten von Tumorzellen über einen Zeitraum von fünf Jahren aus. 

Seit kurzem stehen für lokal fortgeschrittene oder metastasierende Krebstypen Inhibitoren des über Mutationen aktivierten embryonalen Hedgehog-Signalwegs zur Verfügung. Diese Wirkstoffe können oral eingenommen werden.

Der Hedgehog-Inhibitor Vismodegib zeigte in klinischen Studien der Phase I und II objektive Ansprechraten von 30-55% und Tumorkontrollraten von 80-90%. Er ist seit Juli 2013 in Europa zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit symptomatischen metastasierenden oder lokal fortgeschrittenen Basalzellkarzinomen, die nicht für Chirurgie oder Strahlentherapie geeignet sind, zugelassen. Allerdings bedingt die relativ hohe Wirksamkeit auch ein umfangreiches Nebenwirkungsspektrum. Dieses umfasst Muskelkrämpfe (71%), Haarausfall (65%), Geschmacksstörungen (55%), Gewichtsverlust, Müdigkeit, Übelkeit und Störungen bei der Fertilität oder bei der Entwicklung von Embryonen. Dies kann die Lebensqualität der Patienten deutlich einschränken. Deswegen könnte eine Therapie mit festgelegten mehrwöchigen Einnahmepausen (on-off schedule) oder eine topische (oberflächliche) Anwendung bei entsprechend effektiver Formulierung die Akzeptanz erhöhen, was aktuell in Studien untersucht wird.

Zusammenfassend kann man sagen, dass neben den Standardtherapien die Hedgehog-Inhibitoren als neue medikamentöse Option für fortgeschrittene Basalzellkarzinome und eventuell auch für multiple Basalzellkarzinome (außerhalb des Zulassungsstatus) hinzugekommen sind.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Carola Berking
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
Klinikum der Universität München
Frauenlobstraße 9-11
80337 München
Tel: +49 (0)89 4400-56324
Fax: +49 (0)89 4400-56322
Email: carola.berking@med.uni-muenchen.de

Während der Fortbildungswoche: +49 (0)89/48098 97100

Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie

Die Fortbildungswoche fand erstmals 1951 statt, initiiert von der Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Seither wird sie alle zwei Jahre mit großem Erfolg durchgeführt. In diesem Jahr findet die Veranstaltung zwischen dem 19. und 25. Juli statt. Insgesamt werden 50 Kurse, 76 Plenarvorträge und 65 Industrieseminare und -symposien sowie eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen angeboten. Die Veranstalter erwarten mehr als 4.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland im Kulturzentrum Gasteig und im Holiday Inn-Munich City Center. Tagungsleiter ist Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Ruzicka, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU. Verantwortlich für das wissenschaftliche Programm ist Prof. Dr. Peter Thomas, unterstützt von Prof. Dr. Carola Berking und Prof. Dr. Jörg Prinz (alle LMU-Klinik).

Website: www.fortbildungswoche.de

Philipp Kressirer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Seminar zu Einblicken in die unterschiedlichen Ebenen des 3D-Druckens und wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten - 2017
26.04.2017 | Haus der Technik e.V.

nachricht Praxisworkshop Mikrooptische Beleuchtungsanwendungen, 12.09.17 in Göttingen
24.04.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie