Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Computer als Dolmetscher

27.03.2007
Abschluss-Workshop des europäischen Verbundprojektes TC-STAR zur maschinellen Simultanübersetzung an der RWTH Aachen

Manche Technik findet man durch Zufall. Stößt man bei einer Internetsuche auf fremdsprachige Webseiten, so erhält man gelegentlich das Angebot "Diese Seite übersetzen". Mit ein wenig Phantasie lässt sich aus der häufig nicht perfekten Übersetzung erahnen, was da wohl in fremder Sprache gestanden hat. So kann man sich schon heute mit maschineller Übersetzung schnell und billig einen Überblick verschaffen. Maschinelle Übersetzung bringt also Vorteile für die Wirtschaft, insbesondere für den Mittelstand, aber auch für das politische und kulturelle Zusammenwachsen Europas.

Im vereinigten Europa, in dem es mittlerweile 23 Amtssprachen gibt, aber nur etwa jeder zweite Einwohner eine Fremdsprache hinreichend gut spricht, gäbe es viele Einsatzmöglichkeiten für einen künstlichen Simultanübersetzer. Dazu müsste allerdings nicht Geschriebenes in Geschriebenes übersetzt werden, sondern Gesprochenes in Gesprochenes - eine noch höhere Herausforderung, da sich zur Schwierigkeit der Übersetzung nun noch die Unsicherheit bei der Umsetzung von Sprache in Text (der Spracherkennung) gesellt. Das europäische Forschungsprojekt TC-STAR (Technology and Corpora for Speech to Speech Translation), in dem zwölf internationale Partner kooperieren, arbeitet seit nun fast drei Jahren an diesem Thema.

TC-STAR forscht am Thema des maschinellen Simultandolmetschers, der das gesprochene Wort in eine andere Sprache übersetzt. Als Beispielaufgabe übersetzt der Computer Debatten im Europäischen Parlament vom Englischen ins Spanische und vom Spanischen ins Englische. Das Besondere dabei ist, so Professor Hermann Ney, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik 6 der RWTH Aachen, "TC-STAR ist das erste Verbundprojekt, das sich mit der Übersetzung gesprochener Sprache nicht in einer künstlichen kleinen Domäne beschäftigt, sondern in einer unbeschränkten Domäne." So reichen die Themen nicht nur von Fischereifragen zu Frauenrechten, sondern sie können sich auch aus aktuellem Anlass verschieben - etwa aus Anlass der Klimadebatte. Die Wissenschaftler bringen dem Computer dabei nur bei, wie er aus gegebenen Daten - Sprachaufnahmen, Aussprachewörterbüchern, vorliegenden übersetzten Texten - Wissen über die Sprache erwirbt, also lernt; aber was er lernt, das ergibt sich aus den vorliegenden Sprachdaten. So ist es denn auch möglich, ein System für die Übersetzung vom Englischen ins Spanische mit geringen Anpassungen und natürlich den geeigneten Daten für die Übersetzung vom Arabischen ins Englische fit zu machen.

... mehr zu:
»RWTH »Verbundprojekt

Zum Abschluss des Projektes treffen sich die Experten vom 28.-30. März noch einmal zu einem Workshop an der RWTH Aachen und besprechen unter Beteiligung externer Forschungsgruppen unter anderem aus USA, Japan und China die Ergebnisse der alljährlichen Evaluierung. Dabei werden die beteiligten Systeme und Verfahren systematisch und objektiv bewertet, Fehler gezählt und ausgewertet. Ein bisschen Wettkampfstimmung liegt auch in der Luft, aber das wesentliche Ziel der Evaluierung liegt darin, unter den vielen Ansätzen die erfolgreichsten zu identifizieren - die werden dann nämlich von den anderen Forschungsgruppen übernommen, um das Innovationstempo zu steigern. Die objektive Bewertung hat auch Vorteile für die Geldgeber des Projekts, an dem sich mit etwa 11 Millionen Euro die Europäische Union und mit etwa 7 Millionen Euro international führende Technologieunternehmen wie IBM, Siemens, Nokia und Sony beteiligt haben. Unter den wissenschaftlichen Institute und Universitäten sind in Deutschland die RWTH Aachen und die Universität Karlsruhe beteiligt. Der Gastgeber des Workshops, der Lehrstuhl für Informatik 6 der RWTH unter Leitung von Professor Hermann Ney, hat sich vor allem auf die Themenfelder Spracherkennung und maschinelle Übersetzung spezialisiert.

Trotz der deutlichen Fortschritte in der Sprachtechnologie brauchen professionelle Übersetzer übrigens keine Konkurrenz zu fürchten, zumindest für die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte. Sie arbeiten in Bereichen, in denen es auf genaues Übersetzen und auf sprachliche Feinheiten ankommt, eine Grobübersetzung also nicht ausreicht. Im Gegenzug werden sich maschinelle Übersetzungen in Bereichen etablieren, in denen man bislang auf eine Übersetzung aus Zeit- und Kostengründen schlicht verzichten musste.

Wer sich für diese Thematik interessiert, sei auf den über das Portal der Europäischen Union erhältlichen Report "Sprachtechnologien für Europa" hingewiesen, der die Fragestellung kurzweilig und kompetent abhandelt.

Weitere Informationen über das TC-STAR-Projekt gibt es unter www-i6.informatik.rwth-aachen.de und www.tc-star.org sowie bei Volker Steinbiß unter der Telefonnummer 0179-6679918 oder per E-Mail an steinbiss@informatik.rwth-aachen.de . Über ihn kann auch die Druckausgabe des Reports "Human Language Technologies for Europe" bestellt werden. Den Report gibt es im Internet unter http://europa.eu/languages/de/document/88.

Thomas von Salzen | idw
Weitere Informationen:
http://europa.eu/languages/de/document/88
http://www-i6.informatik.rwth-aachen.de
http://www.tc-star.org

Weitere Berichte zu: RWTH Verbundprojekt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Virtuelle Welten: Forschungstrends in der mobilen 3D-Datenerfassung
30.11.2016 | Fraunhofer IPM

nachricht Workshop Biodegradierbare Schichten für Verpackung und Medizin
24.11.2016 | Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie