Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankenversicherungen für arme Bevölkerungsgruppen in Afrika

14.01.2008
Seminar für Genossenschaftswesen startet Kooperation mit den Universitäten in Ghana, Malawi und Botswana

Ein neues Forschungsprojekt der Universität zu Köln untersucht Möglichkeiten, den Teufelskreis von Armut und Krankheit zu durchbrechen. Ähnlich wie arme Bevölkerungsgruppen ihre Lebens¬bedingungen durch den Zugang zu so genannten Mikrokrediten verbessern konnten, können bezahlbare Kranken¬versicherungen helfen Krankheitskosten aufzu¬fangen. Wie das am besten geht, wollen die Beteiligten im Rahmen des neuen Projektes erforschen.

Private Versicherungsprodukte sind für die arme Bevölkerung auf dem Land oder in städtischen Slums kaum vorhanden oder nicht erschwinglich. Ebenso sind staatliche Sozialversicherungsleistungen unzureichend. So haben neun von zehn Menschen in Afrika südlich der Sahara keinen Zugang zu einer Kranken- oder Unfallversicherung. Sie müssen die oft hohen Kosten für ihre Behandlung, Medikamente und Krankenhausaufenthalte aus eigener Tasche bezahlen. Gerade Menschen, die unter der Armutsgrenze leben (über 40% der Bevölkerung im südlichen Afrika) müssen zur Bezahlung der Behandlung Kredite aufnehmen, ihr Erspartes opfern oder essentiell wichtige Pro¬duktions¬mittel verkaufen, damit sie die benötigten Leistungen überhaupt in Anspruch nehmen können. Viele Menschen geraten infolgedessen erst durch Krankheit und Behandlungskosten in Armut.

Das Seminar für Genossenschaftswesen an der Uni Köln startet nun zu diesem Thema das von der Europäischen Union geförderte Forschungs¬projekt "Pro MHI Africa" - EU-African university network to strengthen community-based micro health insurance".

In Zusammenarbeit mit Universitäten in Ghana, Malawi und Botswana werden die Beteiligten in den kommenden zwei Jahren Mikrokrankenversicherungen (s.u.) in den drei Partnerländern analysieren und wissenschaftlich begleiten. Mit Hilfe der gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse planen die Partneruniversitäten die Einführung eines gemeinsamen Mikroversicherungszertifikates, um so die Studenten als Entscheidungsträger der Zukunft auf die expandierenden (Mikro-) Versicherungsmärkten in ihren Ländern vorzubereiten und sie zu Experten auf diesem Gebiet auszubilden.

Hans Jürgen Rösner, Professor für Sozialpolitik, Genossenschaftswesen und Gesundheitsökonomie an der Universität zu Köln, begrüßte das neue Forschungsvorhaben: "Mikrokrankenversicherungen sind ein wichtiges Element zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsgesellschaften. Sie fördern gezielt Selbsthilfepotentiale der Zielgruppen und können so solidarisch dringende Missstände im Gesundheitsbereich beseitigen."

Hintergrund "Mikroversicherung":
Bei Mikroversicherungen handelt es sich um Kleinstversicherungen für arme Bevölkerungsschichten in Entwicklungsgesellschaften, die, verwurzelt in der sozialen Gemeinschaft (Dorf, Vorstadt, Slumgebiet), grundlegende Versicherungs¬dienstleistungen für geringe (für arme Bevölkerungsschichten bezahlbare) Beitrags¬zahlungen anbieten. Durch die Verteilung der - im Falle von Mikrokranken¬versicherungen - Kosten infolge von Krankheitsrisiken auf viele Mitglieder (Risiko-Pooling) können Mikrokrankenversicherungen Individuen und Familien davor bewahren aufgrund von Krankheit unter die Armutsgrenze zu fallen. Darüber hinaus nehmen die Organisationen in der Regel weitere wichtige gesellschaftliche Aufgaben wahr wie z.B. Hygiene- und Krankheitsschulungen, Kontrolle des Marktes für Gesundheitsdienstleistungen (hinsichtlich Verbesserung des Zugangs, Qualität und Vermeidung von Wucherpreisen).
Hintergrund: Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln:
Das 1926 gegründete Kölner Seminar ist eines der ältesten Seminare für Genossenschaftswesen in Deutschland. Sein breit angelegtes Lehr- und Forschungsprogramm umfasst neben betriebs- und volkswirtschaftlichen Perspektiven auch die sozialwissenschaftliche Sicht auf kooperatives Wirtschaften und somit genossenschaftliche und genossenschaftsartige Unternehmen. Unter der Leitung von Prof. Hans Jürgen Rösner stellt dabei die Forschung zu Genossenschaften im Entwicklungszusammenhang einen Schwerpunkt des Seminars dar. Seit vielen Jahren arbeitet das Seminar in diesem Rahmen an Konzepten um den Zugang zu bezahlbaren und dennoch qualitativ hochwertigen Gesundheitsdienstleistungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Mikroversicherungen und ihr Beitrag zu sozialen Sicherungssystemen für arme Bevölkerungsgruppen rückten dabei in den letzten Jahren in den Mittelpunkt. So entwickelte das in Köln koordinierte internationale Projekt "Strengthening Micro Health Insurance Units for the Poor in India" ein auf Rückversicherung basierendes Konzept einer finanziell nachhaltigen Krankenversicherung. Ein weiteres Forschungsprojekt des Seminars befasste sich mit der Reform der genossenschaftlichen Gesundheitsversorgung für die ländliche Bevölkerung in China. Durch eine Reihe solcher Forschungsvorhaben entwickelte sich der Lehrstuhl von Hans Jürgen Rösner zu einer international anerkannten Institution im entwicklungspolitischen Bereich nachhaltiger "Mikroversicherung".
Bei Rückfragen: Gerald Leppert, Seminar für Genossenschaftswesen, Tel.: 0221-470-2645

E-Mail: gerald.leppert@uni-koeln.de

Internet: www.genosem.uni-koeln.de

Verantwortlich: Dr. Patrick Honecker

Press Release (English):
www.pressoffice.uni-koeln.de/1651+M5783424c14a.html

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Seminare Workshops:

nachricht Seminar zu Einblicken in die unterschiedlichen Ebenen des 3D-Druckens und wirtschaftlichen Nutzungsmöglichkeiten - 2017
26.04.2017 | Haus der Technik e.V.

nachricht Praxisworkshop Mikrooptische Beleuchtungsanwendungen, 12.09.17 in Göttingen
24.04.2017 | PhotonicNet GmbH Kompetenznetz Optische Technologien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Seminare Workshops >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie