Anzeige
Eine Kommission wählte aus 21 Nominierungen als ersten Preisträger Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock, aus. Der 48jährige Chemiker, der auch Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist, wird für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der homogenen Katalyse geehrt, mit denen er und sein Team am LIKAT vor allem die umweltverträgliche Umwandlung kleiner Moleküle in Wertstoffe erforscht.
Beller, im nordhessischen Gudensberg geboren, studierte Chemie an der Universität Göttingen. Nach weniger als sieben Jahren schloss er 1989 das Studium mit der Promotion ab. Nach einem Postdoktorandenaufenthalt am Massachussetts Institute of Technology in Cambridge/USA wurde er zunächst Laborleiter, später dann Gruppen- und Projektleiter „Metallorganische Chemie – Katalyse“ im Hauptlabor der Hoechst AG in Frankfurt. 1996 ernannte ihn die Technische Universität München zum C3-Professor, 1998 erfolgte die Ernennung zum Direktor des Instituts für Organische Katalyseforschung e.V. (IfOK), verbunden mit einer C4-Professur „Katalyse“ an der Universität Rostock. Seit 2005 ist er geschäftsführender Direktor am LIKAT, das aus dem IfOK nach dessen Restrukturierung erweitert hervorging. Das LIKAT ist das größte staatliche Forschungsinstitut für angewandte Katalyse in Europa. Es ist fokussiert auf den Transfer von Grundlagenforschung zu praktischen Anwendungen. Allein in den letzten zehn Jahren haben Beller und sein Team drei Katalysatorsysteme entwickelt, die mittlerweile in der Industrie zur Herstellung von Chemikalien im Tonnenmaßstab dienen. Unternehmen der Feinchemie und Katalysatorproduzenten vertreiben Katalysatoren, die am LIKAT entwickelt wurden.
Auch grundlegend neue katalytische Methoden hat Beller erforscht, die von einigen Arbeitsgruppen weltweit übernommen wurden. Und auch hier steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Denn, so formuliert es Beller: „Katalyse, das ist die Wissenschaft, die zu klären versucht, wie chemische Reaktionen beschleunigt und kontrolliert werden können, und es ist eine der Schlüsseltechnologien zur Schaffung einer nachhaltigen Chemie.“
Inhaltliche Schwerpunkte Bellers Forschung sind die Palladium-katalysierte Kupplungsreaktionen von Arylhalogeniden, die enantioselektive Oxidationskatalyse, Katalyseanwendungen im Wirkstoffbereich sowie katalytische Carbonylierungen.
Metallkomplexkatalysierte Oxidationsreaktionen sind mengenmäßig die bedeutendsten homogenkatalytischen Reaktionen in der chemischen Industrie. Die Arbeiten am LIKAT konzentrieren sich daher auf katalytische Oxidationsreaktionen mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel. Bei der Entwicklung von katalytischen Reaktionen zur Synthese neuer Wirkstoffe werden von Bellers Forschungsgruppe besonders die regioselektive Addition von Aminen an Doppelbindungen und Carbonylierungsreaktionen intensiver beforscht. In Kooperation mit Pharmafirmen werden hier neue Analgetika, Anti-Alzheimer-Wirkstoffe und Kinaseinhibitoren gezielt erforscht.
Carbonylierungsreaktionen, die in Kooperation mit Industrieunternehmen bearbeitet werden, sind u.a. Hydroformylierungen von großtechnisch hergestellten Olefinmischungen. Konzeptionell konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, technische Olefinmischungen selektiv zu einem Zielprodukt umzusetzen. Diese Arbeiten wurden im renommierten Wissenschaftsjournal Science publiziert und dort auch „gehighlighted“.
Beller hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In diesem Jahr wird er zudem noch mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung ausgezeichnet, die er im November in Italien halten wird. Er ist in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen, Beratergremien und Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften ehrenamtlich aktiv und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Akademie der Naturwissenschaften Leopoldina. Er kann über 420 Publikationen und über 90 Patentanmeldungen vorweisen.
Um die Nachhaltige Chemie stärker zu profilieren und auf diesem Gebiet Innovationen anzuregen und den Wettbewerb zu beleben, hat die European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) den European Sustainable Chemistry Award aus der Taufe gehoben. Die erstmalige Verleihung wurde dank Förderung durch die European Environment Agency, durch SusChem (European Platform for Sustainable Chemistry), durch CEFIC, dem europäischen Verband der Chemischen Industrie, und durch Unternehmen der chemischen Industrie möglich. Schirmherren sind die Chemie-Nobelpreisträger Professor Dr. Gerhard Ertl und Professor Dr. Jean-Marie Lehn. Als besondere Auszeichnungen sind auch die Namensvorlesungen zu verstehen, die die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) eingerichtet hat. Die traditionsreichste einer ganzen Reihe von Namensvorlesungen ist die August-Wilhelm-von-Hofmann-Vorlesung. Nach dem Vorbild dieser Vorlesung hat die GDCh in bilateralen Abkommen mit Partner-Gesellschaften in Europa Namensvorlesungen auf Gegenseitigkeit eingerichtet. Eine davon ist die Karl Ziegler - Giulio Natta-Vorlesung mit der Società Chimica Italiana, die Professor Dr. Matthias Beller in diesem Jahr zu Vorträgen nach Italien eingeladen hat.
Dr. Renate Hoer | Quelle: GDCh
Weitere Informationen: www.gdch.de
Weitere Berichte zu: Chemical > chemische Reaktion > CHEMISTRY > EuCheMS > GDCh > IfOK > Katalyse > LIKAT > Massenspektrometer > Merit Award > Molecular Target > Nachhaltige Chemie > Namensvorlesungen > Natta-Vorlesung > Olefinmischungen > Oxidationsreaktionen > Sustainable bioenergy
Den Tumor fest im Visier
24.05.2012 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Fraunhofer IPT kürt fünf Unternehmen mit ausgezeichneter Einkaufsorganisation
24.05.2012 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten