Anzeige
Das macht Safran sehr teuer und die Verlockung, ihn zu verfälschen, ist groß. Katharina Waldbauer, Doktorandin des neuen Initiativkollegs "BioPromotion" der Universität Wien, hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit ein Verfahren entwickelt, mit dem Safran rasch auf seine Qualität überprüft werden kann. Dafür erhielt sie kürzlich den Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmakaforschung.
Safran setzen wir gerne mit Backen und Kochen in Verbindung – wir kennen ihn als teures, exklusives Gewürz. Er ist jedoch auch ein wichtiges Heilmittel: Die erste Überlieferung seiner Anwendung als Arzneidroge (lat. "Croci Flos" oder "Croci Stigma") reicht bereits in vorchristliche Zeit zurück, wie ein Fresko im minoischen Palast auf Kreta zeigt. Durch frühen, weltweiten Handel ist Safran in vielen traditionellen Medizinsystemen vertreten.
Heilwirkung und Zusammensetzung von Safran
Im Zuge der Erforschung der rationalen Phytotherapie – der Pflanzenheilkunde – konnten traditionelle Anwendungen bestätigt werden. So wurde die selektive Toxizität von Safran gegen Tumorzelllinien, die blutdrucksenkende und die aphrodisierende Wirkung nachgewiesen. Safran kann auch erfolgreich gegen leichte Depressionen eingesetzt werden. Hauptinhaltsstoffe des Safrans sind die Crocine, Picrocrocin und Safranal. "Die anti-kanzerogene Wirkung des Safrans wird auf die Crocine, die als toxikologisch unbedenklich eingestuft werden, zurückgeführt. Deshalb ist ein hoher Crocin-Gehalt im Safran wünschenswert. Für die anderen Hauptinhaltsstoffe des Safrans, den Bitterstoff Picrocrocin und den durch thermische und enzymatische Einflüsse entstehenden Geruchsträger Safranal, liegen noch keine eindeutigen Ergebnisse toxikologischer Prüfungen vor", erklärt Katharina Waldbauer, Doktorandin an der Universität Wien.
Extrem mühsame Ernte macht Safran teuer
Die Arzneidroge besteht aus den – meist durch ein kurzes Griffelstück zusammengehaltenen – dreiteiligen Narben der Blüte von "Crocus sativus" (L.), die auch heute noch händisch aus den Blüten gezupft werden. Es ist nicht möglich, die filigranen Blütenfäden maschinell zu ernten. Um ein Kilogramm Arzneidroge zu erhalten, werden 150.000 bis 200.000 Blüten benötigt, die nur innerhalb der einmonatigen Blütezeit der Pflanze (Oktober bis November) gesammelt werden können. Hauptanbaugebiete sind der Iran, Griechenland, Indien und in den letzten Jahren vermehrt auch die Volksrepublik China.
Safran wird seit alters her auch verfälscht
Wenn auch die mühevolle Gewinnung den hohen Preis rechtfertigt, wird Safran gerade wegen seiner Kosten häufig verfälscht. Schon in alten Arzneikundebüchern wurden zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten beschrieben, die – wie aktuelle Untersuchungen des Departments für Pharmakognosie der Universität Wien ergaben – auch heute noch relevant sind. Viele der untersuchten Safran-Proben – vor allem aus China – konnten als Verfälschungen identifiziert werden.
Monographie "Flos Croci" überarbeitet
"Das DiplomandInnenkolleg wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit auch mit der Überarbeitung der Monographie 'Flos Croci' des Österreichischen Arzneibuches nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft betraut", freut sich Brigitte Kopp, Betreuerin der Diplomarbeit von Katharina Waldbauer und stellvertretende Leiterin des Departments für Pharmakognosie der Universität Wien. Dabei wurde in der überarbeiteten Monographie die mikroskopische und dünnschichtchromatographische (DC) Analyse neu ausgearbeitet. Dies ermöglicht nun die rasche Abgrenzung der Arzneidroge gegenüber häufigen Verfälschungen, wie z.B. "Carthamus tinctorius" (L.), der Färberdistel. Durch die nun eindeutige Beschreibung der mikroskopischen Merkmale des Safrans und die rasche chemische Untersuchung mittels DC ist die Wareneingangskontrolle in Apotheken auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft möglich. Darüber hinaus wurde die Prüfung auf Reinheit, die z.B. den Gehalt an oft beigemengten anorganischen Salzen bestimmt, überarbeitet.
Brigitte Kopp erklärt weiters: "In der 'veralteten' früheren Monographie wurde die Arzneidroge Safran ausschließlich auf ihr Färbevermögen getestet. Dadurch war eine Verfälschung mit anderen, ebenfalls färbenden Pflanzen, deren Inhaltstoffmuster jedoch unbekannt, nicht wirksam oder sogar gefährlich sein kann, möglich. Katharina Waldbauer hat den Punkt Gehaltsbestimmung der Monographie sehr erfolgreich überarbeitet." Erstmals ist nun in einem Arzneibuch des deutschsprachigen Raums – im Österreichischen Arzneibuch – die quantitative Analyse der wertbestimmenden Substanzen von Safran mittels High Performance Liquid Chromatography (HPLC) enthalten. "Durch dieses Verfahren können Muster einer Arzneidroge verschiedener Herkunft rasch und mit geringem Einsatz an Drogenmaterial analysiert werden. Bei Gehaltsbestimmungen in Arzneipflanzen-Monographien wird der Gehalt eines Wirkstoffes bzw. einer Wirkstoffgruppe der Pflanze gemessen, wodurch man Rückschlüsse auf Qualität und Lagerung des Pflanzenmaterials gewinnen kann", ergänzt die junge Pharmazeutin.
Katharina Waldbauer wurde für ihre Diplomarbeit "Erstellung der Monographien 'Safran' und 'Meisterwurz' für das Österreichische Arzneibuch" am 13. September 2011 mit dem "Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmakaforschung" ausgezeichnet. Derzeit ist sie Kollegiatin des neuen interfakultativen Initiativkollegs "BioPromotion: Bioaktivitätscharakterisierung und Metabolismus" der Universität Wien.
Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Katharina Waldbauer
Institut für Lebensmittelchemie und Toxikologie und
Department für Pharmakognosie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-552 62
katharina.waldbauer@univie.ac.at
Univ.-Prof. Mag. Dr. Brigitte Kopp
stv. Leiterin des Departments für Pharmakognosie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA II)
T +43-1-4277-552 55
T +43-1-4277-121 50
brigitte.kopp@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at
Veronika Schallhart | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.univie.ac.at
Weitere Berichte zu: Arzneibuch > Arzneibuch-Monografie > Arzneidroge > Blüte > CROCI > Hauptinhaltsstoffe > Heilmittel > Madaus-Preis > Monographie > Pflanze > Pharmakognosie > Picrocrocin > Safran > Verfälschung
Den Tumor fest im Visier
24.05.2012 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Fraunhofer IPT kürt fünf Unternehmen mit ausgezeichneter Einkaufsorganisation
24.05.2012 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten