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Orion in neuem Licht: VISTA enthüllt aktive junge Sterne

10.02.2010
ESO 10-06, Bildveröffentlichung: Der Orionnebel gibt in einer neuen Aufnahme mit dem Durchmusterungsteleskop VISTA der ESO seine Geheimnisse preis. Dank des großen Blickfelds des Teleskops wird dabei die ganze Pracht des spektakulären Nebels sichtbar.

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VISTAs Infrarotblick auf den Orionnebel
Bild: ESO/J. Emerson/VISTA. Mit Dank an den Cambridge Astronomical Survey Unit


Da sich VISTAs Sehvermögen bis in den Bereich der Infrarotstrahlung erstreckt, offenbaren die Bilder Regionen im Inneren der Staubwolken des Nebels, die normalen Teleskopen unzugänglich sind - und die aktiven, jungen Sterne, die sich darin verbergen.

VISTA - das "Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy", wörtlich das "Astronomische Durchmusterungsteleskop für sichtbares und Infrarotlicht" - ist das neueste Teleskop am Paranal-Observatorium der ESO (vgl. http://www.eso.org/public/germany/press-rel/pr-2009/pr-49-09.html). VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, führt eine Bestandsaufnahme des Himmels bei Infrarot-Wellenlängen durch. Sein großer Spiegel (4,1 Meter Durchmesser), sein ausgedehntes Blickfeld und seine extrem empfindlichen Detektoren machen VISTA zu einem einzigartigen astronomischen Werkzeug, und die neuen Bilder des Orionnebels zeigen deutlich, was mit VISTA möglich ist.

Der Orionnebel [1] ist eine gigantische Sternen-Kinderstube, rund 1350 Lichtjahre von der Erde entfernt. Obwohl der Nebel bereits durch ein herkömmliches Teleskop einen beeindruckenden Anblick bietet, ist im Bereich des sichtbaren Lichts nur vergleichsweise wenig von den Gasgebieten zu sehen, in denen sich die neuen Sterne bilden. Dort, tief im Inneren von Staubwolken, spielt sich das eigentliche Geschehen ab - und es lässt sich nur mit Detektoren verfolgen, die Licht bei längeren Wellenlängen empfangen können, denn solches Licht ist in der Lage, Staub zu durchdringen. VISTA hat den Orionnebel bei Wellenlängen aufgenommen, die rund zwei Mal so groß sind wie die längsten Wellenlängen, die das menschliche Auge wahrnehmen kann.

Wie die vielen mit sichtbarem Licht aufgenommenen Bilder dieses Himmelsobjekts zeigt auch das neue VISTA-Bild die wohlbekannte Fledermausform des Nebels (Bildmitte). Zusätzlich wird seine faszinierende Umgebung sichtbar gemacht. Im Herzen dieser Region befinden sich die vier hellen Sterne, die das so genannte Trapez bilden: extrem heiße, junge Sterne, die ihre Umgebung mit Ultraviolettstrahlung überfluten, die darin enthaltene Materie auseinandertreiben und das Gas zum Leuchten anregen. VISTAs Infrarotbeobachtungen zeigen zusätzlich noch viele weitere junge Sterne in dieser Zentralregion, die sich mit sichtbarem Licht nicht nachweisen lassen.

Oberhalb der Bildmitte sind sonderbare rötlichen Strukturen zu sehen, die nur im Infrarotbereich nachweisbar sind. Die meisten davon gehen auf sehr junge Sterne zurück, die hier durch die Staubwolken hindurch zu sehen sind, aus denen sie sich gebildet haben. Diese jungen Sterne stoßen Gasströme aus, die typischerweise Geschwindigkeiten bis zu 700.000 Kilometer pro Stunde erreichen. Viele der rötlichen Strukturen zeigen an, wo diese Gasströme auf das umliegende Gas treffen; dabei werden die Atome und Moleküle zum Leuchten angeregt. Auch im unteren Teil des Bildes finden sich lichtschwache rötliche Strukturen, die anzeigen, dass es sich auch hier um Sternentstehungsgebiete handelt, wenngleich um deutlich weniger aktive.

Das neue Bild demonstriert das Können des VISTA-Teleskops, mit dem sich im nahen Infrarotbereich große Himmelsausschnitte schnell abbilden lassen, und dies unter Einschluss sehr lichtschwacher Objekte. Die Himmelsdurchmusterung mit VISTA hat gerade erst begonnen, und die Astronomen versprechen sich von diesem einzigartigen ESO-Instrument viele interessante neue Ergebnisse.

Endnote

[1] Der Orionnebel ist im Sternbild Orion ein Teil des Schwertes des berühmten Himmelsjägers, und ein beliebtes Beobachtungsobjekt sowohl für Amateur- wie auch für professionelle Astronomen. Der Nebel ist bereits mit dem bloßen Auge als schwacher Schimmer wahrnehmbar und erschien bei frühen Teleskopbeobachtungen als kleiner Haufen bläulich-weißer Sterne, umgeben von mysteriösem grau-grünen Dunst. Er wurde erstmals im frühen 17. Jahrhundert beschrieben, dürfte allerdings bereits vorher beobachtet worden sein. Der französische Kometenjäger Messier fertigte eine Skizze des Orionnebels an und gab ihm in dem berühmten, nach ihm benannten Katalog die Nummer 42. Eine kleinere, etwas abgesetzte Region des Nebels erhielt die Nummer 43. Bereits William Herschel spekulierte, dass es sich um "die ungeordnete Materie künftiger Sonnen" ("the chaotic material of future suns") handeln könnte, und in der Tat handelt es sich bei dem leuchtenden Fleck um Gas, das unter dem Einfluss des Ultraviolettlichts frisch entstandener, heißer Sterne zu Leuchten begonnen hat.

Hintergrundinformationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, und VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontakt

Markus Pössel (ESO Science Outreach Network)
Haus der Astronomie/Max-Planck-Institut für Astronomie
Tel.: (06221) 528-261
E-Mail: eson@mpia.de

Richard Hook
Survey Telescopes PIO
ESO
Garching, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Email: rhook@eso.org

Dr. Markus Pössel | Quelle: ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen: www.eso.org
www.eso.org/public/germany/press-rel/pr-2010/pr-06-10.html

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