Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     Siemens  n-tv 
Datenbankrecherche:

Fachgebiet (optional):

 

Ionenantrieb: Hoffnung auf Marsflug in 39 Tagen

23.07.2009
Radiofrequenz-Generator verstärkt bisherige Technik um das Hundertfache

Anzeige

Eine Antriebsform für Raketen, die auf die Plasmabildung von Ionen setzt, könnte die Reise zum Mars eines Tages auf 39 Tage verkürzen. Das behaupten Wissenschaftler der Ad Astra Rocket Company, einer 2005 vom ehemalige Space-Shuttle-Astronaut und Plasmaphysiker Franklin Chang-Diaz gegründeten Firma, im Online-Magazin New Scientist. In Laborversuchen testen sie derzeit eine Verbesserung des Ionenantriebs, der bereits bei mehreren unbemannten Raumfahrts-Missionen wie bei der NASA-Sonde Dawn oder der japanischen Sonde Hayabusa eingesetzt wurde.


Herkömmliche Raketen erzeugen Schub durch Verbrennung chemischen Treibstoffs, benötigen jedoch den Großteil davon für Überwinden der Schwerkraft der Erde. Ein auf Ionenenergie basierender Antrieb stößt elektrisch geladene Atome oder Ionen durch ein elektrisches Feld aus und bewegt dadurch das Raumschiff in die entgegengesetzte Richtung. Dabei entsteht weit weniger Schub als bei Treibstoff-betriebenen Raketen, wodurch sich ein Ionenantrieb allein nicht für das Verlassen der Erde eignet. Sobald sich eine Rakete jedoch im All befindet, eignet sich der Ionenantrieb jedoch sogar zum jahrelangen Antrieb. Die Beschleunigung geschieht dabei graduell, bis sich das angetriebene Objekt deutlich schneller als Treibstoff-betriebene Raketen bewegen.

Bisherige Ionenantriebe scheiterten daran, dass ihre Beschleunigung auf die Hinausleitung von erhitztem Plasma durch Metallgitter mit unterschiedlicher Spannungen basiert. Bei dieser Form des Antriebs drohen die Ionen das Gitter beim Auftreffen jedoch zu zerstören, was die Kraft und Lebensdauer der Rakete entscheidend verringert. Die Ad Astra-Forscher verbesserten diese Technik durch einen Antrieb namens VASIMR (Variable Specific Impulse Magnetoplasma Rocket). Er basiert auf einem Generator für Radiofrequenzen, der die mitgeführten Plasma-Partikel erhitzt, zugleich jedoch nie mit den Ionen in Berührung kommt. Eine hundertfach stärkere Leistung als bisherige Raumfahrtsobjekte mit Ionenantrieb ist dadurch laut den Forschern in greifbarer Nähe.

Ähnlich der Funktion einer Dampfturbine, erhitzt VASIMR in der ersten Stufe ein Gas von Argon-Atomen bis zu einer Temperatur, an denen die Elektronen Plasma bilden. Wird das Plasma in dieser Form aus der Rakete geschossen, könnte es selbst Schubkraft erzeugen - allerdings mit geringem Wirkungsgrad. Um diesen zu optimieren, heizt eine zweite Stufe der Rakete die Ionen auf etwa eine Mio. Grad Celsius auf, was der Temperatur im Zentrum der Sonne entspricht. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass sich Ionen in starken Magnetfeldern wie etwa bei supraleitenden Magneten, mit einer fixen Frequenz drehen. Der Radiofrequenz-Generator wird auf dieselbe Frequenz eingestellt und speist noch zusätzlich Energie in die Ionen ein. Starke Magnetfelder leiten das Plasma aus dem hinteren Teil des Antriebs und treiben die Rakete in die entgegengesetzte Richtung fort.

"Es handelt sich um den leistungsstärksten Antrieb mit supraleitendem Plasma, der jemals hergestellt wurde", betont Jared Squire, Forschungsdirektor bei Ad-Astra, gegenüber New Scientist. Während die erste Stufe erstmals am 2. Juli erfolgreich getestet wurde, startete in der vergangenen Woche der Test der zweiten Stufe der Plasma-Erhitzung. Die erforderliche Energie könnte VASIMR grundsätzlich aus Sonnenenergie erhalten. Für eine 39-tägige Marsreise würde dies jedoch nicht ausreichen, sondern man wäre auf einen mitgeführten Atomreaktor angewiesen.

Johannes Pernsteiner | Quelle: pressetext.austria
Weitere Informationen: www.adastrarocket.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht NASA's Chandra finds Milky Way's black hole grazing on asteroids
09.02.2012 | Chandra X-ray Center

nachricht New images capture 'stealth merger' of dwarf galaxies
09.02.2012 | University of California - Santa Cruz

Alle Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>


Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler machen Eisen durchsichtig


Erstmals gezeigt, dass Atomkerne transparent werden

Einem Team von DESY-Wissenschaftlern um Dr. Ralf Röhlsberger gelang es an der hochbrillanten Synchrotronlichtquelle PETRA III, Atomkerne mit Hilfe von Röntgenlicht transparent zu machen. Sie entdeckten dabei gleichzeitig ein neues Prinzip, um einen optisch gesteuerten Schalter für Licht herzustellen, also Licht mit Licht zu beeinflussen, ein wichtiger Baustein auf dem ...

Im Focus: Anti-Angst-Hormon Oxytocin wird gezielt an seine Wirkorte im Gehirn transportiert


Wissenschaftler beobachten, wie Oxytocin zentrale Schaltstellen im Gehirn erreicht und das Verhalten beeinflusst

Kuschelhormon, Treuehormon, Angstlöser – häufig gebrauchte Schlagwörter für das Neuropeptid Oxytocin, das sich in den letzten Jahren als ein Stoff erwiesen hat, der unser Verhalten in zentralen Regionen des Gehirns positiv beeinflussen kann. Was jedoch bisher völlig unklar war: Wie gelangt dieser Botenstoff aus dem Hypothalamus in die Hirnbereiche, die ...

Im Focus: Datenspeicher mit Lachs-DNA und Nano-Silber


Ein neuartiger Biopolymer-Film aus Lachs-DNA mit Silber-Nanopartikeln speichert Informationen kostengünstig und umweltverträglich.

Entstanden ist das organische System in fächer- und länderübergreifender Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des DFG-Centers for Functional Nanostructures (CFN) am KIT und des Institute of Photonics Technologies an der National Tsing Hua University in Taiwan. Der DNA-Datenspeicher eignet sich unter anderem für biotechnische Anwendungen, etwa als Bauteil in Biosensoren.

Das System ...

Im Focus: VLT liefert detailreichstes Infrarotbild des Carinanebels


Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Mit dem Very Large Telescope (VLT) der ESO haben das bislang detailreichste Infrarotbild der Sternkinderstube des Carinanebels aufgenommen. Es zeigt vor dem spektakulären Hintergrund einer himmlischen Landschaft auf Gas, Staub und jungen Sterne zahlreiche nie gesehene Details und zählt zu den atemberaubendsten VLT-Bildern überhaupt.

Im Herzen der südlichen Milchstraße, im Sternbild Carina (Der Schiffskiel, [1]), befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren die Sternkinderstube des Carinanebels. Diese ausgedehnte Wolke aus leuchtendem Gas und Staub ist von der Erde aus gesehen eine der nächstgelegenen Geburtsstätten massereicher Sterne.

Der Nebel beinhaltet einige der hellsten und ...

Im Focus: Automatisch Lücken im Funkspektrum erkennen


Auf der embedded world identifizieren Wissenschaftler der Fraunhofer ESK Lücken im Funkspektrum, um diese für zusätzliche Übertragungen zu nutzen.

Der in Halle 5, Stand 5-228, vorgestellte Prototyp zeigt das Funkspektrum in einem 3D-Spektrogramm, markiert die prognostizierten Lücken und prüft deren Eintreffen. Diese Methode, Cognitive Radio, verbessert die Übertragungsqualität in einem bereits vollen Funkspektrum ohne aufwändiges, statisches Koexistenzmanagement. Ziel ist eine höhere Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit von Funk für die Automatisierung.
...

Alle Focus-News des innovations-reports >>>

Anzeige

B2B Suche
Produkt / Dienstleistung
Firma / Organisation

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Aktuell

Kaltwasserkorallen als Anpassungskünstler?

09.02.2012 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Wandel der Hochschulbildung in Deutschland und Professionalisierung

09.02.2012 | Studien Analysen

Ocean warming causes elephant seals to dive deeper

09.02.2012 | Biowissenschaften Chemie

VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Veranstaltungen

7. Mannheimer Arbeitsrechtstag am 14. März mit Experten aus Theorie und Praxis

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

International Forum on Terahertz Spectroscopy and Imaging

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

Teams aus neun Ländern treffen sich an der Leibniz Universität zum 6th Hanover PreMoot

09.02.2012 | Veranstaltungsnachrichten

FindAndHelp