Anzeige

Im All herrscht dichter Verkehr: Unzählige Satelliten umschwirren die Erde und ab und an schauen auch noch vagabundierende Asteroiden, Kometen und Meteoriten vorbei. Hinzu kommen Weltraumtrümmer wie ausgebrannte Raketenstufen und Bruchstücke von explodierten Raumfahrtobjekten, die den Orbit in einen Schrottplatz verwandeln.
Man schätzt, dass sich derzeit etwa 20 000 Objekte mit einer Mindestgröße von zehn Zentimetern in der Erdumlaufbahn befinden, davon 15 000 im erdnahen Orbit in einer Höhe von 200 bis 2000 Kilometern. Mit bis zu rund 28 000 Kilometern pro Stunde rast der Müll um die Erde, selbst nur zentimetergroße Teilchen können durch ihre enorme Geschwindigkeit aktive Satelliten beschädigen oder sogar völlig zerstören. Erst vor knapp zwei Jahren – im Februar 2009 – kollidierte ein ausgedienter Satellit mit einem Iridium-Kommunikationssatelliten. Die internationale Raumstation ISS muss jährlich vier bis fünf Ausweichmanöver starten.
Neues Weltraumlagesystem
Angesichts dieser Bedrohung sieht die Europäische Weltraumbehörde ESA dringenden Handlungsbedarf: Im Programm »Space Situational Awareness« (SSA) sollen von 2009 bis Ende 2011 die Grundlagen für ein neues, europäisches Weltraumlagesystem geschaffen werden. Die hierfür erforderlichen leistungsfähigen Radaranlagen zum vollständigen und regelmäßigen Erfassen der kleinen Schrottobjekte besitzt Europa derzeit nicht, die Experten müssen auf die Daten des amerikanischen Space Surveillance Network zurückgreifen. Von 2012 bis 2019 soll das neue System, dessen Standort noch nicht festgelegt ist, aufgebaut werden.
Radar spürt zentimetergroße Teilchen auf
Die ESA hat die spanische Firma Indra Espacio beauftragt, einen Radar-Demonstrator zu designen und zu entwickeln. Das Unternehmen baut den Demonstrator allerdings nicht im Alleingang: Für ein Auftragsvolumen von 1,4 Millionen Euro hat Indra das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg ins Boot geholt. Die Spanier entwickeln das Sendearray, die Wissenschaftler am FHR das Empfangssystem. Die FHR-Forscher sind erfahren im Aufbau von Radaranlagen: Mit TIRA (Tracking and Imaging Radar) betreiben sie bereits ein System, um Objekte im All aufzuklären. »TIRA ist ein mechanisch schwenkbares System, mit dem man einzelne Objekte hochaufgelöst darstellen kann. Bei dem neuen Überwachungssystem hingegen handelt es sich um eine elektronisch schwenkbare Antenne, die sich trägheitslos und schnell schwenken lässt. Anders als TIRA kann sie sehr viele Objekte gleichzeitig beobachten. Sie spürt diese mit höchster Genauigkeit und Empfindlichkeit auf«, sagt Dr. Andreas Brenner, Abteilungsleiter am FHR. Dies ist auch unabdingbar, Zielvorgabe ist schließlich, 15 000 bis 20 000 Objekte einmal pro Tag für mindestens zehn Sekunden auf dem Radar zu haben. »Unser Empfangssystem – mit einer Phased-Array-Antenne als Sensor – kann die von Satelliten und Weltraumtrümmern reflektierten Radarstrahlen aus bis zu acht Himmelsrichtungen zeitgleich empfangen«, erläutert Brenner. Das endgültige Überwachungsradar kann auch den geostationären Orbit in einer Höhe von rund 36 000 Kilometern über der Erde erreichen, seine Stärke wird es jedoch im Low Earth Orbit zwischen 200 und 2000 Kilometern ausspielen. Hier lassen sich damit selbst zentimetergroße Teilchen aufspüren. Das Interesse an den empfangenen Daten dürfte groß sein: Neben europäischen Regierungen und Weltraumorganisationen profitieren auch Satellitenbetreiber, Versicherungsgesellschaften, Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen davon.
Ende dieses Jahres soll der Demonstrator an die ESA übergeben werden. Im Anschluss folgt ein einjähriger Testbetrieb. Wer den Zuschlag für den Bau des finalen Systems erhält, bleibt abzuwarten. »Ich hoffe, dass die ESA auf die Expertise meiner Abteilung zurückgreift und unser Know-how auch in die endgültige Anlage einfließen wird«, sagt Brenner. Vielseitig sei ihr Empfangssystem allemal. Kernkomponenten ließen sich auch in anderen Bereichen einsetzen, etwa zur Luftraumüberwachung an Flughäfen.
Dr. Andreas Brenner | Quelle: Fraunhofer Mediendienst
Weitere Informationen:
www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/16/europaeischer-weltraumspaeher.jsp
Weitere Berichte zu: Demonstrator > Empfangssystem > ESA > Indra > Orbit > Radar > Radaranlagen > Raumstation ISS > satellites > Teilchen > TIRA
Trennung von Blutzellen im Mikrofluss
24.05.2012 | Universität Augsburg
Nomads of the Galaxy
24.05.2012 | Kavli Foundation
Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und bestimmte Krebsformen gehen auf eine fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen im Körper zurück.
Wissenschaftlern des Instituts für Photonische Technologien (IPHT) in Jena ist es erstmals gelungen, Proteinstrukturen auf sub-molekularer Ebene nachzuweisen und spektroskopisch zu analysieren. Ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Krankheitsursachen.
„Bis heute hat man nicht genau verstanden, was die fehlerhafte Faltung und Aggregation von Eiweißen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Alzheimer, ...
Die Quantenphysik beschreibt physikalische Vorgänge in Festkörpern und anderen Vielteilchensystemen auch mit Hilfe von Quasiteilchen.
Innsbrucker Physikern um Rudolf Grimm ist es nun erstmals gelungen, ein neues Quasiteilchen - ein repulsives Polaron - in einem Quantengas experimentell zu erzeugen. Die Forscher berichten darüber in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature.
Ultrakalte Quantengase sind ein ideales Experimentierfeld, um physikalische Phänomene in Festkörpern zu simulieren. Unter streng kontrollierten Bedingungen ...
Licht lässt die Partikel in der Atmosphäre wachsen. In einem Experiment hat ein internationales Forscherteam erstmals einen neuen Mechanismus nachweisen können, bei dem Partikel durch Licht größer werden und der damit Einfluss auf die Wolkenbildung und das Klima hat.
Photokatalytische Reaktionen können zu einer schnellen Bindung von nicht kondensierenden flüchtigen organischen Kohlenwasserstoffen (VOCs) auf der Oberfläche der Partikel führen. Unter solchen Bedingungen nehme die Größe und Masse der Partikel schnell zu, schreiben die Wissenschaftler im renommierten Fachblatt PNAS.
Die Ergebnisse des Laborexperimentes könnten Effekte erklären, die bisher schon bei Feldkampagnen ...
Ähnlich wie blutsaugende Insekten prüfen Pflanzenschädlinge ihren Wirt auf Abwehrsignale, bevor sie anfangen zu fressen
Pflanzen bilden wenige Minuten nach Angriff eines Fraßfeindes Jasmonsäure, ein Hormon, das die Verteidigung gegen Insekten in Gange setzt mit der Folge, dass giftige Stoffe wie Nikotin oder Verdauungshemmer in den Blättern akkumulieren.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie, Jena, haben jetzt herausgefunden, dass Zwergzikaden die Verteidigungsbereitschaft von Tabakpflanzen aufspüren können. ...
Wissenschaftlern vom Institut für Physikalische und Theoretische Chemie der Universität Bonn ist es erstmals gelungen, den Transport eines wichtigen Informationsträgers in biologischen Zellen praktisch unmodifiziert in Echtzeit zu filmen.
Die Studie zeigt, wie die so genannte Boten-RNA die Zellkernhülle überwindet und vom Zellkern in das Zytoplasma gelangt. Diese Arbeit ist nun in dem renommierten Journal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA“ (PNAS) publiziert.
Der Bauplan aller Lebewesen ist in ihrem Erbgut gespeichert. Dieses lagert bei höheren ...
Anzeige
Anzeige

Energieversorger vor dem Umbruch
24.05.2012 | Studien Analysen
Stem-cell-growing surface enables bone repair
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
Im wahrsten Sinne „Spitzenforschung“: IPHT-Forscher untersuchen Eiweißfasern mit größter Genauigkeit
24.05.2012 | Biowissenschaften Chemie
NieKE Themenforum: Ökonomie - Tierschutz - Lebensmittelsicherheit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Nachhaltigkeit in der Schifffahrt: Werte vs. Wertschöpfung
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten
Wissenschaft und Öffentlichkeit
24.05.2012 | Veranstaltungsnachrichten