Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wissenschaftliche Marsnahme: 1000 Tage Neugier auf Rotem Planeten

29.05.2015

Am Samstag, 30. Mai, befindet sich der Rover „Curiosity“ (deutsch „Neugier“) genau 1000 Mars-Tage (und damit 1058 Erdentage) auf dem Mars. Seit seiner Landung am 6. August 2012 hat der 900 Kilogramm schwere, fahrende Rover etwa zehn Kilometer zurückgelegt.

Ein wichtiges Hilfsmittel bei der Suche nach ehemaligem Leben oder zukünftigen Lebensräumen auf dem Roten Planeten ist der Radiation Assessment Detector (RAD), der sich an Bord des Rovers befindet. Er wurde vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) in Zusammenarbeit mit dem Southwest Research Institute in Boulder, Colorado, entwickelt und durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gefördert.


Übersicht über alle in Curiosity verbauten, wissenschaftlichen Instrumente. Der aus Kiel stammende RAD ist in der Mitte der Grafik abgebildet.

Foto: NASA, John P. Grotzinger

„Die Hauptaufgabe des RAD ist die Vermessung der Strahlungsumgebung auf dem Mars“, sagt Dr. Jan Köhler. Köhler arbeitet an der CAU in der Abteilung „Extraterrestrische Physik“ und wertet gemeinsam mit Professor Robert Wimmer und dem Team die Daten des RAD aus.

Dazu Köhler: „Da der Mars im Gegensatz zur Erde kein Magnetfeld und keine dichte Atmosphäre hat, die ihn vor den Einflüssen der kosmischen Strahlung schützen, erreichen Teilchen der kosmischen Strahlung oder von Sonneneruptionen nahezu ungehindert seine Oberfläche.“ Damit kann die Strahlung ein Problem für das Leben auf dem Mars darstellen – und auch für künftige bemannte Missionen.

Die Ergebnisse:

Eines der zentralen Ergebnisse der RAD-Untersuchungen ist die genaue Vermessung der Strahlendosis, erklärt Professor Robert Wimmer: „Mit 0.64 (+/- 0.12) Mikrosievert pro Tag ergibt sich für eine bemannte Marsmission, bestehend aus 180 Tagen Hinflug, 500 Tagen Aufenthalt und 180 Tagen Rückflug eine Strahlendosis von knapp einem Sievert.“

Damit liegt die Gesamtbelastung etwas über der Grenze von ungefähr 0,8 Sievert, der Astronautinnen und Astronauten in ihrer gesamten Laufbahn ausgesetzt sein dürfen. Insgesamt führt diese Strahlenbelastung zu einer Erhöhung des Krebsrisikos um zirka 5 Prozent. „Dieses Risiko ist aber immer noch unvergleichlich kleiner, als das, welches Raucherinnen und Raucher eingehen: Rauchen erhöht zum Beispiel das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, um etwa 1500 Prozent“, ordnet Wimmer die Zahlen ein.

Weitere Datensätze zeigen, dass die Hintergrundstrahlung sowohl mit der Jahreszeit als auch mit dem 11-Jahreszyklus der Sonne variiert. So besitzt die Sonne in aktiveren Phasen ein turbulentes Magnetfeld, welches die kosmische Strahlung abschwächt und zu weniger Strahlenbelastung auf dem Mars führt. Und auch Jahreszeiten haben einen Einfluss: Veränderungen in der Atmosphäre im Marswinter führen ebenfalls zu einer geringeren Strahlenbelastung.

Ausblick:

Die gewonnen Daten können nun helfen, Astronautinnen und Astronauten auf zukünftigen Marsmissionen besser zu schützen, beispielsweise durch eine spezielle Abschirmung des Raumschiffs oder durch eine sichere Behausung.

In Zukunft wird das Kieler Team die Gefahr von Sonneneruptionen auf den Mars untersuchen. Im bisherigen Missionsverlauf gab es insgesamt vier Sonneneruptionen, die den Mars getroffen und die Strahlung kurzfristig deutlich erhöht haben.

Weitere Informationen:
Das Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der CAU:
www.ieap.uni-kiel.de/et/

Die NASA-Websites mit Infos zum Curiosity Rover:
www.nasa.gov/mission_pages/msl/index.html 
http://mars.nasa.gov/msl/ 

Vorherige Pressemeldungen der Kieler Uni zum RAD:
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2011/2011-201-mars.shtml  
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2013/2013-149-mars-messung.shtml
www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2012/2012-338-marsmessungen.shtml

Bilder stehen zum Download bereit:
1. www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-186-1.jpg 
„Selfie“ des Marsrovers Curiosity aus dem Januar 2015. (Ultrahochauflösend, 30 MB)
Foto: NASA

2. www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-186-2.jpg 
„Selfie“ des Marsrovers Curiosity aus dem Januar 2015. (Hochauflösend, 11 MB)
Foto: NASA

3. www.uni-kiel.de/download/pm/2015/2015-186-3.jpg 
Bildunterschrift: Übersicht über alle in Curiosity verbauten, wissenschaftlichen Instrumente. Der aus Kiel stammende RAD ist in der Mitte der Grafik abgebildet.
Foto: NASA, John P. Grotzinger

Kontakte:
Professor Dr. Robert Wimmer
Leiter der Abteilung Extraterrestrische Physik
Tel.: 0173 951 3332
E-Mail: wimmer@physik.uni-kiel.de
(Erreichbar bis 5. Juni, dann wieder ab dem 15. Juni)

Dr. Jan Köhler
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Extraterrestrische Physik
Tel.: 0176 3880 1758
E-Mail: koehler@physik.uni-kiel.de
(Erreichbar bis 5. Juni, dann wieder ab dem 15. Juni)

Dr. Boris Pawlowski | Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen
17.02.2017 | Universität Konstanz

nachricht Zukunftsmusik: Neues Funktionsprinzip zur Erzeugung der „Dritten Harmonischen“
17.02.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung