Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VST-Schnappschuss der Dreiecksgalaxie

06.08.2014

Dem VLT Survey Telescope (VST) am Paranal-Observatorium der ESO in Chile ist es gelungen, ein wunderbar detailliertes Bild der Galaxie Messier 33 zu erstellen.

Diese nahgelegene Spiralgalaxie - die zweitnächste Nachbargalaxie unserer Milchstraße - ist mit hellen Sternhaufen und Gas- und Staubwolken durchsetzt. Das neue Bild ist eine der detailliertesten Weitfeldaufnahmen dieses Objekts, die jemals gemacht wurden, und zeigt die zahlreichen leuchtenden roten Gaswolken in den Spiralarmen besonders deutlich.


VST macht detailreichen Schnappschuss der Dreiecksgalaxie

Messier 33, die auch die Bezeichnung NGC 598 trägt, befindet sich etwa drei Millionen Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Triangulum (das Dreieck). Das daher auch als Dreiecksnebel oder genauer als Dreiecksgalaxie bekannte Objekt wurde vom französischen Kometenjäger Charles Messier im August 1764 beobachtet, der es als Nummer 33 in seine berühmte Liste markanter Nebel und Sternhaufen aufnahm. Er war  jedoch nicht der Erste, der diese Spiralgalaxie schriftlich festhielt, wahrscheinlich wurde sie vom sizilianischen Astronomen Giovanni Battista Hodierna etwa 100 Jahre zuvor bereits dokumentiert. 

Obwohl sich die Dreiecksgalaxie am Nordhimmel befindet, ist sie vom südlichen Aussichtspunkt des Paranal-Observatoriums der ESO in Chile gerade noch sichtbar. Sie steht jedoch nicht sehr hoch am Himmel. Dieses Bild wurde mit dem VLT Survey Telescope (VST) gemacht, einem modernen Durchmusterungsteleskop mit 2,6 Metern Spiegeldurchmesser und einem Gesichtsfeld von der zweifachen Ausdehnung des Vollmondes.

Das Bild wurde aus vielen einzelnen Aufnahmen erstellt, einschließlich einiger Aufnahmen mit Filtern, die nur das Licht keuchtenden Wasserstoffs passieren lassen. Dies führt dazu, dass die roten Gaswolken in den Spiralarmen der Galaxie ganz besonders hervorstechen.

Unter den zahlreichen Sternentstehungsgebieten in den Spiralarmen von Messier 33 fällt besonders der Nebel NGC 604 auf: Mit einem Durchmesser von fast 1500 Lichtjahren ist er einer der größten bekannten Emissionsnebel. Er erstreckt sich über eine Fläche, die 40 Mal so groß ist wie der sichtbare Teil des berühmten und viel nähergelegenen Orionnebels.

Die Dreiecksgalaxie ist das drittgrößte Mitglied der Lokalen Galaxiengruppe, zu der die Milchstraße, die Andromedagalaxie und etwa 50 weitere kleinere Galaxien zählen. An besonders sternklaren, dunklen Nächten ist diese Galaxie gerade eben noch mit dem bloßen Auge sichtbar und damit eines der am weitesten entfernten Himmelsobjekte, die noch ohne optische Hilfsmittel zu sehen sind. Die Beobachtungsbedingungen können sich für die ganz Geduldigen auf lange Zeit gesehen nur noch verbessern: Die Galaxie steuert mit etwa 100.000 Kilometern pro Stunde auf unsere Milchstraße zu.

Ein näherer Blick auf dieses beeindruckende neue Bild erlaubt nicht nur eine detaillierte Untersuchung der sternbildenden Spiralarme der Galaxie, sondern macht auch eine reichhaltige Landschaft weiter entfernter Galaxien sichtbar, die hinter Myriaden von Sternen verstreut sind. Hinzu kommen die leuchtenden Wolken von NGC 598.

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner bei den neuartigen Teleskopverbund ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO Public Information Officer
Garching bei München, Germany

Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1424.

Dr. Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1424/

Weitere Berichte zu: Durchmesser ESO Galaxie Galaxien Himmelsdurchmusterungen Licht Milchstraße NGC Observatory Telescope VLT VST

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Das anwachsende Ende der Ordnung
27.03.2017 | Universität Konstanz

nachricht In einem Quantenrennen ist jeder Gewinner und Verlierer zugleich
27.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE