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VISTAs tiefer Blick in die blaue Lagune

05.01.2011
Im Rahmen einer auf fünf Jahre angelegten Studie hat das VISTA-Teleskop am Paranal-Observatorium der ESO in Chile ein faszinierendes Infrarot-Bild des Lagunennebels aufgenommen.

Es zeigt einen kleinen Teil der Himmelsregion rund um den Nebel, der wiederum nur ein Teil einer großen Himmelsdurchmusterung ist.

Derzeit durchkämmen Astronomen mit dem Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy (VISTA) den Zentralbereich der Milchstraße nach veränderlichen Objekten und kartieren die Struktur dieser Himmelsregion genauer als je zuvor. Diese große Himmelsdurchmusterung trägt den Namen „VISTA Variables in the Via Lactea“ (abgekürzt VVV) [1]. Die hier gezeigte Infrarotaufnahme entstand im Rahmen dieser Studie. Sie zeigt Lagunennebel Messier 8, eine bekannte Sternkinderstube (siehe auch eso0936), die sich in einer Entfernung von ungefähr 4000–5000 Lichtjahren im Sternbild Schütze befindet.

Infrarotaufnahmen ermöglichen es Astronomen, hinter den Schleier aus dunklem Staub zu schauen, der im sichtbaren Licht den Blick auf dahinter liegende Himmelsobjekte versperrt. Das sichtbare Licht wird dabei von Staubteilchen gestreut, deren Größe in etwa der Wellenlänge des Lichts entspricht. Das langwelligere Infrarotlicht dagegen kann kosmische Staubwolken nahezu ungehindert passieren.

Das VISTA-Teleskop, mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 4,1 Metern das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, wurde gebaut, um große Himmelsbereiche im nahen Infrarot schnell und gründlich zu untersuchen und ist daher hervorragend dafür geeignet, um die Entstehung von Sternen zu beobachten, die sich typischer Weise in ausgedehnten Gas- und Staubwolken abspielt – so genannten Molekülwolken, die durch ihre eigene Schwerkraft in sich zusammenfallen. Der Lagunennebel ist eine solche Sternentstehungsregion. In seinem Inneren befinden sich eine größere Anzahl kompakterer Gebiete aus Gas und Staub, die sich weiter zusammenziehen, so genannte Bok-Globulen [2]. Diese dunklen Wolken sind so dicht, dass sie sogar im Infraroten das Licht dahinter liegender Sterne verschlucken. Der Nebel erhielt seinen Namen von einem dunklen, lagunenförmigen Streifen aus Staub, der sich durch die leuchtenden Gaswolken windet.

Heiße, junge Sterne, die intensives ultraviolettes Licht abstrahlen, lassen den Nebel hell aufleuchten. Der Lagunennebel ist aber auch die Heimat von Sternen, die gerade erst entstehen. In seinem Inneren hat man Sterne entdeckt, die so jung sind, dass sie noch in so genannte Akkretionsscheiben eingebettet sind, aus denen Material auf die neu geborenen Sterne fällt. Solche Sterne bilden manchmal so genannte Jets aus, eng gebündelte Ausflüsse von Materie entlang der Polachse des Sterns. Trifft das ausgestoßene Material auf das umgebende Gas, dann bilden sich kurzlebige, hell aufleuchtende Streifen, die Herbig–Haro-Objekte heißen [3] und mit deren Hilfe sich die neu geborenen Sterne leicht auffinden lassen. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurden im Lagunennebel mehrere solcher Herbig-Haro-Objekte gefunden. Dort entstehen demnach weiterhin jede Menge Sterne.

Endnoten

[1] Das Programm VISTA Variables-in the-Via Lactea (VVV, wörtlich etwa “Suche nach Veränderlichen in der Milchstraße”) ist eine von sechs Himmelsdurchmusterungen, die derzeit mit dem VISTA-Teleskop durchgeführt werden. Im Rahmen von VVV wird der Zentralbereich der Milchstraße über einen Zeitraum von fünf Jahren mehrfach beobachtet. Dabei werden voraussichtlich große Mengen an bisher unbekannten veränderlichen Objekten entdeckt werden.

[2] Bart Bok war ein niederländisch-amerikanischer Astronom, der den Großteil seiner langen Karriere in den USA und Australien verbrachte. Er bemerkte als erster die nach ihm benannten dunklen Gebiete in Sternentstehungsregionen und mutmaßte, dass sie mit den frühesten Stadien der Sternentstehung zusammenhängen. Die darin verborgenen, gerade geborenen Sterne konnten erst Jahrzehnte später mithilfe von Infrarotaufnahmen direkt beobachtet werden.

[3] Die beiden Astronomen George Herbig und Guillermo Haro waren zwar nicht die Entdecker der nach ihnen benannten Herbig-Haro-Objekte, haben aber als erste die Spektren dieser seltsamen Erscheinungen untersucht. So konnten sie feststellen, dass es sich dabei nicht nur um Ansammlungen von Gas und Staub handelt, die Licht reflektieren, sondern um eine völlig neue Klasse von Objekten, die in Zusammenhang mit der Entstehung von Sternen stehen.

Zusatzinformationen

Das VVV-Wissenschaftlerteam besteht aus Dante Minniti (Universidad Católica, Chile), Phil Lucas (University of Hertfordshire, Großbritannien), Ignacio Toledo und Maren Hempel (beide Universidad Católica).

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

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Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1101.

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
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