Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VISTAs Infrarotblick enthüllt die Geheimnisse der Himmelskatze

21.04.2010
Der Katzenpfotennebel NGC 6334 ist eine gewaltige Sternkinderstube, in der Hunderte massereicher Sterne entstehen.

Eine fantastische neue Aufnahme des Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy der ESO (VISTA) am Paranal-Observatorium in Chile, blickt im Infrarotlicht hinter die leuchtenden Gas- und Staubwolken, die im sichtbaren Licht den Blick durch den Nebel versperren. So werden viele der in den Pfotenabdrücken der kosmischen Katze verborgenen jungen Sterne sichtbar.

Der Katzenpfotennebel liegt im Herzen der Milchstraße im Sternbild Schütze, in einer Entfernung von 5500 Lichtjahren von der Erde. Der Nebel erstreckt sich dort über einen Bereich von 50 Lichtjahren im Durchmesser. Seinen Namen verdankt der Nebel den ungewöhnlichen, tief orangeroten Strukturen, die an die Pfotenabdrücke einer Katze erinnern. Im sichtbaren Licht sieht man Gas- und Staubwolken, die von heißen, jungen Sternen zum Leuchten gebracht werden. Ein vor kurzem veröffentlichtes Bild des Wide Field Imagers (WFI) der ESO am La Silla Observatorium (eso1003) zeigt das Erscheinungsbild des Nebels im sichtbaren Licht mit hoher Detailschärfe. NGC 6334 ist eines der aktivsten Entstehungsgebiete massereicher Sterne in unserer Galaxis.

VISTA ist das größte Teleskop der Welt, das speziell für Himmelsdurchmusterungen eingesetzt wird, und der jüngste Neuzugang am Paranal-Observatorium der ESO in der chilenischen Atacamawüste (eso0949). Es arbeitet im Infrarotlicht und kann daher durch einen Großteil des Staubs, der ein sehr ästhetischer aber gleichzeitig auch störender Bestandteil des Nebels ist, einfach hindurchsehen und damit Dinge sichtbar machen, die einem auf sichtbares Licht spezialisierten Teleskop verborgen bleiben. Während sichtbares Licht leicht von interstellarem Staub gestreut oder absorbiert wird, ist der Staub für infrarotes Licht fast völlig durchlässig.

Der Hauptspiegel von VISTA hat einen Durchmesser von 4,1 Metern. Außerdem ist das Teleskop ist mit der größten Infrarotkamera ausgerüstet, die je in der Astronomie eingesetzt wurde. VISTA profitiert von denselben hervorragenden Beobachtungsbedingungen, die auch das Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem benachbarten Berggipfel nutzt. Die Astronomen waren beeindruckt, dass sie mit diesem leistungsstarken Instrument die "Geburtswehen" der massereichen jungen Sterne im Katzenpfotennebel direkt verfolgen können, von denen einige mehr als die zehnfache Masse der Sonne besitzen. Im Infraroten sieht der Nebel völlig anders aus als im sichtbaren Licht: Der Staub verdunkelt die Sicht viel weniger stark, so dass die Astronomen viel mehr darüber erfahren können, wie sich die Sterne im Inneren des Nebels bilden und während der ersten paar Millionen Jahren ihres Lebens entwickeln. Dank VISTAs großem Gesichtsfeld lässt sich das gesamte Sternentstehungsgebiet mit einer einzigen Aufnahme mit bislang unerreichter Schärfe abdecken.

Die VISTA-Aufnahme ist übersät mit unzähligen Sternen unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Ihnen überlagert sind eindrucksvolle rankenartige Strukturen aus dunklem Staub, die hier zum ersten Mal vollständig sichtbar werden. Dort ist der Staub so dicht, dass selbst das nahe Infrarotlicht blockiert wird, für das VISTAs Kamera empfindlich ist. In vielen der staubreichen Bereiche, zum Beispiel in der Nähe der Bildmitte sieht man orangefarbige Gebilde - ein Hinweis auf aktive junge Sterne mit sogenannten Jets, in denen Materie vom Stern weg strömt, do dass man sie leuchten sieht. Die Sterne selbst sind noch immer hinter dichtem Staub versteckt. Weiter draußen haben einige etwas ältere Sterne sich bereits vom Staub befreit und sind im Infrarotlicht sichtbar, so dass man verfolgen kann, wie sie sich in den ersten paar Millionen Jahren ihres Lebens weiterentwickeln: vom Einsetzen der Kernfusion in ihrem Inneren über eine unruhige Phase als Protostern bis zu einem ganz normalen, verhältnismäßig ruhigen Sterndasein ähnlich dem unserer Sonne.

Das VISTA-Teleskop macht sich zur Zeit zu mehreren großen Durchmusterungen des Südsternhimmels bereit, die auf eine Dauer von mehreren Jahren angelegt sind. Bei jeder dieser Durchmusterungen werden bestimmte Bereiche des Himmels eingehend untersucht. Für größere Gebiete wird dabei ein Gesamtbild des Himmels aus mehreren Einzelaufnahmen lückenlos zusammengesetzt. Der große Durchmesser des Teleskopspiegels und die empfindliche Kamera ermöglichen Aufnahmen höchster Qualität mit einem großen Blickfeld, und machen VISTA zu dem bei weitem leistungsfähigsten Infrarot-Durchmusterungs-Teleskop der Welt. Das eindrucksvolle Bild des Katzenpfotennebels macht deutlich, dass es mit der Auswertung der einzigartigen Durchmusterungs-Daten für die Astronomen viel zu tun geben wird. VISTA hat die Katze aus dem Sack gelassen.

Hintergrundinformationen:

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen:

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network
Haus der Astronomie
Tel.: (06221) 528 226
E-Mail: eson(at)
Richard Hook
PR-Beauftragter für die ESO-Durchmusterungsteleskope
ESO Garching
Tel.: (089) 3200 6655
E-Mail: rhook(at)eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/news/eso1017
http://www.eso.org/public/teles-instr/surveytelescopes/vista/
http://www.mpia.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Laser-Metronom ermöglicht Rekord-Synchronisation
12.01.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht VLT auf der Suche nach Planeten im Sternsystem Alpha Centauri
10.01.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik