Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

VISTA blickt durch den staubigen Schleier der Kleinen Magellanschen Wolke

03.05.2017

Selbst mit bloßem Auge ist die Kleine Magellansche Wolke ein markantes Merkmal des südlichen Sternhimmels. Wolken aus interstellarem Staub blockieren jedoch einen Teil des sichtbaren Lichts, sodass nur Infrarot-Teleskope wie VISTA überhaupt eine Chance haben, einen klaren Blick auf das zu erhaschen, was innerhalb dieser kleinen Galaxie verborgen ist. Mit VISTA gelang es Astronomen nun, die unzähligen Sterne in der Nachbargalaxie so klar aufzulösen wie nie zuvor. Herausgekommen ist das größte Infrarotbild, das je von der Kleinen Magellanschen Wolke aufgenommen wurde.

Die Kleine Magellansche Wolke (engl. Small Magellanic Cloud, kurz SMC) ist eine Zwerggalaxie und der kleinere Zwilling der Großen Magellanschen Wolke (engl. Large Magellanic Cloud, kurz LMC). Sie gehören beide zu den uns nächstgelegenen Nachbargalaxien im Weltraum — die SMC ist etwa 200.000 Lichtjahre von uns entfernt, was nur einem Zwölftel der Entfernung zur viel bekannteren Andromedagalaxie entspricht. Infolge von Wechselwirkungen untereinander sowie mit der Milchstraße selbst haben beide eine eher ungewöhnliche Form erhalten.


Selbst mit bloßem Auge ist die Kleine Magellansche Wolke ein markantes Merkmal des südlichen Sternhimmels. Wolken aus interstellarem Staub blockieren jedoch einen Teil des sichtbaren Lichts, sodass nur Infrarot-Teleskope wie VISTA überhaupt eine Chance haben, einen klaren Blick auf das zu erhaschen, was innerhalb dieser kleinen Galaxie verborgen ist. Mit VISTA gelang es Astronomen nun, die unzähligen Sterne in der Nachbargalaxie so klar aufzulösen wie nie zuvor. Herausgekommen ist das größte Infrarotbild, das je von der Kleinen Magellanschen Wolke aufgenommen wurde.

Außer der Kleinen Magellanschen Wolke selbst zeigt diese Weitwinkelaufnahme viele Hintergrundgalaxien und mehrere Sternhaufen, einschließlich des hellen Kugelsternhaufens 47 Tucanae rechts im Bild.

Herkunftsnachweis: ESO/VISTA VMC

Die vergleichsweise große Nähe zur Erde macht die Magellanschen Wolken zu idealen Kandidaten, um zu erforschen, wie Sterne entstehen und sich entwickeln. Zwar hat sich die Verteilung und Geschichte der Sternentstehung in solchen Zwerggalaxien als komplex herausgestellt, das größte Hindernis bei der Beobachtung der Sternentstehung in Galaxien ist jedoch der interstellare Staub. Riesige Wolken aus winzigen Staubkörnern streuen und absorbieren einen Teil der Strahlung, die von den Sternen innerhalb der Galaxien abgegeben wird – besonders das sichtbare Licht – so dass Teleskope auf der Erde nicht alles beobachten können. Diesen Effekt nennt man Staubextinktion.

Die SMC enthält reichlich Staub, so dass das sichtbare Licht der in ihr enthaltenen Sterne zu einem nicht unerheblichen Teil der Extinktion zum Opfer fällt. Glücklicherweise wird aber nicht sämtliche elektromagnetische Strahlung in gleicher Weise vom Staub beeinflusst. Infrarotstrahlung kann den interstellaren Staub deutlich leichter durchqueren als das sichtbare Licht, sodass wir viel über die neu entstandenen Sterne innerhalb der Staub- und Gaswolken lernen können, wenn wir die Galaxie im Infraroten untersuchen.

VISTA, das Visible and Infrared Survey Telescope, ist so konzipiert, dass es Infrarotstrahlung abbilden kann. Der VISTA Survey of the Magellanic Clouds (VMC) konzentriert sich auf die Kartierung der Sternentstehungsgeschichte der SMC und der LMC, sowie ihrer dreidimensionalen Struktur. Im Rahmen des VMC gelangen den Forschern bereits einmalige Aufnahmen von Millionen von Sternen, die im sichtbaren Licht nicht möglich gewesen wären.

Alle Sterne, die in diesem gewaltigen Bild zu sehen sind, gehören zur Kleinen Magellanschen Wolke. Es enthält auch tausende Hintergrundgalaxien und mehrere helle Sternhaufen, einschließlich des Kugelsternhaufens 47 Tucanae, rechts im Bild, der der Erde deutlich näher ist als die SMC. Da man in das hochauflösende Bild hineinzoomen kann, lässt sich so die SMC besser erkunden als je zuvor!

Die Fülle an neuen Informationen in diesem 1,6 Gigapixel (43.223 x 38.236 Pixel) großen Bild wurde von einem internationalen Team unter der Leitung von Stefano Rubele von der Universitätf Padua in Italien ausgewertet. Mithilfe innovativer stellarer Modelle erhielten sie überraschende Ergebnisse.

Die VMC hat gezeigt, dass die meisten Sterne innerhalb der SMC jünger sind als die der größeren Nachbargalaxien. Diese ersten Ergebnisse sind nur ein Vorgeschmack auf die neuen Entdeckungen, die noch kommen werden, da der VMC noch weitere blinde Flecken der Magellanschen Wolke unter die Lupe nehmen wird.

Weitere Informationen

Die hier vorgestellten Ergebnisse sind Inhalt des Fachartikels „The VMC survey – XIV. First results on the look-back time star formation rate tomography of the Small Magellanic Cloud” aus der Fachzeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.

Die Europäische Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch 16 Länder: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz und die Tschechische Republik. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO verfügt über drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Chile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist einer der Hauptpartner bei ALMA, dem größten astronomischen Projekt überhaupt. Auf dem Cerro Armazones unweit des Paranal errichtet die ESO zur Zeit das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit 39 Metern Durchmesser, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsländern (und einigen weiteren Staaten) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Links

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Maria-Rosa Cioni
Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP)
Potsdam, Germany
Tel: +49 331 7499 651
E-Mail: mcioni@aip.de

Richard Hook
ESO Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Mobil: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Connect with ESO on social media

Dies ist eine Übersetzung der ESO-Pressemitteilung eso1714.

Dr. Carolin Liefke | ESO-Media-Newsletter

Weitere Berichte zu: Astronomie Cloud ESO Haus der Astronomie Magellanschen Outreach SMC Teleskope VMC Wolke

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Belle II misst die ersten Teilchenkollisionen
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Physik

nachricht Geheimnisse des Urknalls und der Dunklen Materie
26.04.2018 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IFAT 2018: Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen

26.04.2018 | Messenachrichten

Der Mensch im Zentrum: wandlungsfähige Produktion in der Industrie 4.0

26.04.2018 | Informationstechnologie

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics