Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verdampfende Felsbrocken und Schneebälle mit Schleppe

08.03.2013
Himmelskörper, die die Erdbahn kreuzen, rufen stets eine Mischung aus Faszination und Furcht hervor. Wann Sterngucker sich sorglos der Bewunderung hingeben dürfen und wie es heute um den Schutz vor Meteoriteneinschlägen steht, erklärt Prof. Dr. Ulrich Heber vom Astronomischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Am 15. Februar 2013 wurde es eng im erdnahen Raum. Die Explosion eines Kleinstplaneten über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk richtete verheerende Schäden an und beherrschte die Medienberichte.

Wenige Stunden später flog ein zehn- bis 20-mal so schwerer Asteroid in nur 28.000 Kilometern Abstand an der Erde vorbei, verfehlte sie also, für astronomische Verhältnisse, um Haaresbreite. Er tauchte noch unter die Umlaufbahnen derjenigen Satelliten, die aus unserer Sicht fest am Himmel stehen. Trotz seiner bedrohlichen Masse rief dieser Passant viel weniger Medienecho hervor, weil er nichts zerstörte. Die beiden Himmelskörper kamen aus völlig verschiedenen Richtungen und hatten nichts miteinander zu tun. Dass sie innerhalb so kurzer Zeit eintrafen, war Zufall.

Mit schätzungsweise 17 Metern entsprach der Durchmesser des Kleinstplaneten über Russland der Länge eines Lastwagens mit Anhänger. Nicht die Ausmaße, sondern die rasante Geschwindigkeit von 65.000 Kilometern pro Stunde verlieh ihm seine Wucht. Die Gebäudeschäden und Verletzungen in Tscheljabinsk sind fast ausschließlich auf die enorme Druckwelle zurückzuführen, die entstand, als der Ausreißer aus dem Asteroidengürtel in etwa 20 km Höhe über dem Ural explodierte. Er raste unter einem flachen Winkel in die Erdatmosphäre, lud sich mit Reibungshitze auf und zersprang in einem weißen Lichtblitz. Von seinen 10.000 Tonnen Masse verdampfte das meiste. Ein relativ kleiner Teil erreichte als Meteoritenschauer den Erdboden, weshalb nur wenige Dutzend Bruchstücke gefunden wurden. Unglücklicherweise ging er über dicht besiedeltem Gebiet nieder. Die Erde bietet überwiegend Wasserlandeplätze, deshalb ist der Sturz eines Meteors in den Ozean erheblich wahrscheinlicher.

Wir kennen um die 60.000 Asteroiden im Sonnensystem; die meisten davon kreisen zwischen Mars- und Jupiterbahn. Tatsächlich dürften es mehrere Millionen sein. Etwa alle einhundert Jahre ist damit zu rechnen, dass die Erde mit einem gefährlich großen Objekt kollidiert. Können wir ein solches Ereignis voraussehen und uns davor schützen? Wenn der Asteroid, wie in Russland, vergleichsweise klein und sehr schnell ist, bleibt das höchst unwahrscheinlich. Auch die besten Teleskope der Welt hätten einen solchen Körper frühestens zwei Stunden vor dem Auftreffen sichten können - im vorliegenden Fall nicht einmal das, denn der Körper kam fast direkt aus der Richtung der Sonne. Dennoch hätte eine kurzfristige Warnung in Tscheljabinsk vielleicht etwas bewirken können. Viele Menschen wurden durch die Splitter zerberstender Glasscheiben verletzt, weil sie nahe am Fenster standen, um das Schauspiel zu beobachten – darauf hätten sie, wären sie vorbereitet gewesen, wohl verzichtet.

Obwohl seit Menschengedenken noch nie ein so folgenschwerer Einschlag verzeichnet wurde, war der Schaden vergleichsweise gering. Wirklich gefährlich wird es, wenn Himmelskörper von der Klasse des Asteroiden, der im Februar mit einer Stundengeschwindigkeit von 28.600 Kilometer an uns vorbeizog, auf dem Erdboden auftreffen. Der 45 Meter breite und 130.000 Tonnen schwere Gesteinsbrocken hätte einen Krater von 1 km Breite hinterlassen, mit katastrophalen Folgen für das Leben in weitem Umkreis. Gegenwehr hätten wir leider nicht leisten können, wenn die Flugbahn des Objekts auch im Voraus recht genau berechnet war. Dasselbe würde für einen Asteroiden wie denjenigen gelten, der beim Einschlag im Nördlinger Ries vor 15 Millionen Jahren einen Krater mit 20 km Durchmesser hinterließ. Dass wir seine Annäherung über lange Zeit beobachten könnten, wäre uns keine Hilfe.

Zwei andere, seit langem erwartete Himmelserscheinungen dieses Jahres sind bedenkenlos und ganz in Ruhe zu betrachten. Der Komet PANSTARRS zieht eben jetzt an der Erde vorbei. Bei klarem Wetter könnte der Schweifstern ab dem 11. März kurz vor 19 Uhr im Westen, knapp links vom Sonnenuntergangspunkt, mit bloßem Auge zu sehen sein. Am darauffolgenden Abend steht er neben dem Mond, und weitere 24 Stunden später ist sein Schweif auf die schmale Sichel ausgerichtet. Bis Ende März durchläuft PANSTARRS die Sternbilder Fische und Andromeda, erscheint uns aber weniger hell und muss zudem ab 19. 3. mit dem zunehmenden Mond konkurrieren. Von Ende November bis Anfang 2014 zeigt sich dann der Komet ISON. Er ist als außergewöhnlich hell angekündigt. ISON hat also Aussichten, der Weihnachtsstern des 21. Jahrhunderts zu werden: ein prachtvoller Schweif, der sich in den Dezemberabenden über den Himmel zieht – vorausgesetzt, dass sein eisiger Kern nicht vorher zerbricht.

Ansprechpartner für die Medien:

Prof. Dr. Ulrich Heber
Tel.: 0951/95222-14
Ulrich.Heber@sternwarte.uni-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Biophysik - Blitzlicht aus der Nanowelt
24.04.2018 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Moleküle brillant beleuchtet
23.04.2018 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics