Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Urknall-Test: Startschuss für Teilchenbeschleuniger

10.09.2008
CERN will in Genf den "Big Bang" im Miniformat zünden

Heute, Mittwoch, hat die Europäische Organisation für Kernforschung (CERN) in Genf den leistungsstärksten Teilchenbeschleuniger der Welt in Betrieb genommen und den ersten Protonenstrahl eine komplette Runde hindurch geschickt.

Doch dies war nur der Anfang einer Reihe von Tests. In den kommenden Monaten soll dann der Urknall im Miniformat gezündet und im 27 Kilometer langen unterirdischen Tunnel 600 Mio. Mal pro Sekunde Milliarden von Protonen mit Lichtgeschwindigkeit aufeinander geschossen werden.

Der von Kritikern prophezeite Weltuntergang blieb vorerst aus. Im Vorfeld äußerten Forscher Befürchtungen, dass bei diesem sechs Mrd. Dollar teuren Kernforschungsprojekt schwarze Löcher entstehen könnten, die in Folge die Welt verschlängen. Bis die Resultate des ersten Versuchs vorliegen, wird es allerdings auch nach dem Test noch Monate dauern. Die enorme Datenmenge, die beim Atlas-Projekt anfallen, würden täglich rund 2.000 CDs füllen. Daher sind weltweit dutzende von Supercomputer zusammengeschaltet. Dieses "Grid-Computing" wurde ebenfalls am CERN entwickelt.

Der Large Hadron Collidier (LHC) ist nicht nur die grösste je von Menschenhand gebaute wissenschaftliche Maschine, das gigantische Projekt ist auch eine logistische Herausforderung für die über 1.800 Wissenschaftler und hunderte von Zulieferern aus der ganzen Welt. In jedem Bauelement des LHC stecken enorme technologische Innovationen. Der im Hochvakuum arbeitende 27 Kilometer lange Speicherring und die riesigen Detektoren zum Nachweis der Materieteilchen setzten neue Massstäbe.

Bei der Protonen-Kollision schiessen Hunderte von Teilchen durch den Detektor und mittels Silizium-Tracker kann deren Spur weiterverfolgt werden. Doch dazu braucht es ein Magnetfeld, das 100.000 Mal stärker als die Erdanziehungskraft ist. Die Energie der schweren Teilchen, Hadronen genannt, werden von dem gigantischen Hadronen-Kalorienmeter gespeichert und danach ausgewertet. Jedes Materieteilchen hinterlässt eine charakteristische Spur von Zerfallsprodukten. Auf diese Weise hofft man am CERN, dem Higgs-Teilchen auf die Spur zu kommen. Dazu ist das Atlas-Projekt bestimmt.

Das "Higgs"-Teilchen soll den Test für die Gültigkeit der seit 30 Jahren bestehenden Theorie liefern oder diese Theorie ad absurdum führen und zu neuen Erkenntnissen über die Entstehung der Erde und des Sonnensystems verhelfen, welche die physischen Erscheinungsformen der Materie definiert. Damit diese Testreihe funktioniert, mussten supraleitende Hochleistungsmagnete konstruiert werden. Diese werden mit flüssigem Helium auf minus 270 Grad gekühlt. Für den LHC haben die Wissenschaftler das grösste und leistungsfähigste Kühlsystem entwickelt.

Gerd Müller | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.cern.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert
09.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Elektronenautobahn im Kristall
09.12.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie