Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Unverhüllte Blicke auf Spiralgalaxien

27.10.2010
Mit der leistungsstarken Kamera HAWK-I am Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem Paranal-Observatorium in Chile haben Astronomen besonders scharfe Infrarot-Aufnahmen von sechs Spiralgalaxien gewonnen. Die Bilder zeigen die Galaxien in einem völlig neuen Licht und sollen verstehen helfen, wie die auffälligen Spiralmuster in Galaxien entstehen und sich im Laufe der Zeit verändern.

HAWK-I [1] ist eine der neuesten Kameras am Very Large Telescope (VLT) der ESO und arbeitet im infraroten Wellenlängenbereich. Im Vergleich zu der älteren, aber nach wie vor häufig genutzten VLT-Infrarotkamera ISAAC hat HAWK-I die sechzehnfache Pixelzahl und deckt außerdem mit einer einzigen Aufnahme einen weit größeren Himmelsausschnitt ab. Dank moderner Technologie ist HAWK-I außerdem deutlich empfindlicher für Infrarotlicht als ISAAC [2].


Eine Galerie von Spiralgalaxien, aufgenommen im Infraroten mit HAWK-I. Bilder: ESO/P. Grosbøl

Im Infrarotlicht werden hell leuchtende Gaswolken und dunkler Staub, wie sie zum Beispiel in den Spiralarmen von Galaxien zu finden sind, durchsichtig. HAWK-I ist daher ideal dafür geeignet, zu untersuchen, was sich sonst hinter diesen Gas- und Staubwolken verbirgt: die Unmengen an älteren Sternen in den Spiralarmen der Galaxie.

Die sechs gezeigten Galaxien wurden im Rahmen einer Studie über die Spiralstruktur von Galaxien beobachtet, die von Preben Grosbøl von der ESO geleitet wird. Die Aufnahmen sollen dazu dienen, die komplexen und subtilen Vorgänge zu verstehen, durch die sich Sterne in solchen Galaxien zu makellosen Spiralmustern anordnen.

Das erste Bild zeigt NGC 5247, eine Spiralgalaxie, die von zwei mächtigen Spiralarmen dominiert wird. Sie ist 60–70 Millionen Lichtjahre von uns entfernt und befindet sich im Tierkreissternbild der Jungfrau (lateinisch Virgo). Von der Erde aus schaut man direkt von oben auf ihre Feuerradstruktur.

Die Galaxie auf der zweiten Aufnahme ist Messier 100 oder NGC 4321, ein Paradebeispiel für eine sogenannte “Grand Design”-Spiralgalaxie mit deutlich sichtbaren, wohldefinierten Spiralarmen. Sie wurde im 18. Jahrhundert entdeckt und ist rund 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Messier 100 ist ein Mitglied des Virgohaufens von Galaxien und liegt im Sternbild Coma Berenices (lateinisch für “Haar der Berenike”, benannt nach der ägyptischen Königin Berenike II).

Auf dem dritten Bild sieht man NGC 1300, eine Spiralgalaxie, deren Arme von den Enden eines auffälligen zentralen Balkens ausgehen. NGC 1300, ein typisches Beispiel einer Balkenspiralgalaxie, liegt in rund 65 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Eridanus (Fluss Eridanus).

NGC 4030, die Spiralgalaxie auf der vierten Aufnahme, ist etwa 75 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und befindet sich (wie NGC 5247) im Sternbild Jungfrau. 2007 entdeckte der japanische Astronaut und Amateurastronom Takao Doi eine Supernova in dieser Galaxie. Supernovae sind die Explosionen, mit denen massereiche Sterne ihr Leben beenden, und leuchten kurzzeitig so hell auf wie die gesamte Galaxie, in der sie stattfinden.

Bild Nr. 5 zeigt NGC 2997, eine Spiralgalaxie in etwa 30 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Antlia (die Luftpumpe). NGC 2997 ist das hellste Mitglied der Antlia-Galaxiengruppe, die zum so genannten Lokalen Superhaufen gehört. Die Lokale Gruppe, zu der auch unsere Milchstraße gehört, ist ebenfalls Teil des Lokalen Superhaufens.

Die letzte Aufnahme zeigt NGC 1232, eine weitere Galaxie in rund 65 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Eridanus. Sie ist als intermediäre Spiralgalaxie klassifiziert – also irgendwo zwischen einer normalen Spiralgalaxie und einer Balkenspirale. Diese Galaxie und ihr kleiner Begleiter NGC 1232A waren Ziel einer der ersten, allerdings im sichtbaren Licht aufgenommenen Aufnahmen, die mit dem VLT gemacht wurden (eso9845). Mehr als zehn Jahre später zeigt uns die Aufnahme von HAWK-I NGC 1232 im Infrarotlicht von einer ganz anderen Seite.

Diese Galerie von Galaxien illustriert, wie gut HAWK-I die Spiralstruktur der sechs Galaxien bis ins kleinste Detail und mit einer Deutlichkeit sichtbar machen kann, die nur durch Infrarotbeobachtungen möglich wird.

Notizen

[1] Das Akronym HAWK-I steht für High-Acuity Wide-field K-band Imager (etwa “Kamera für das [infrarote] K-Band mit großem Gesichtsfeld und hoher Schärfeleistung”), Technische Details der Kamera sind in einer früheren Pressemitteilung dargestellt (eso0736, auf Englisch).

[2] Weitere Informationen über die Instrumente des VLT unter http://www.eso.org/public/teles-instr/vlt/vlt-instr.html (auf Englisch)

Weitere Informationen

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528226
E-Mail: eson@mpia.de
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey telescopes Public Information Officer
Garching, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1042/
http://www.eso.org/public/teles-instr/vlt/vlt-instr.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Die Sonne: Motor des Erdklimas
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

nachricht Entfesselte Magnetkraft
23.08.2017 | Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft, München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie