Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Bonn an Teleskopbau in Chile beteiligt

09.12.2010
In Chile entsteht bald das höchst gelegene astronomische Messgerät der Welt: das Cerro Chajnantor Atacama Telescope (CCAT). An der Konstruktion des Observatoriums sind auch Astrophysiker der Universität Bonn beteiligt. Heute haben sie zusammen mit Kölner Kollegen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Die chilenische Atacama-Wüste gilt als trockenster Ort der Welt: In einem Jahr fällt hier im Schnitt gerade einmal soviel Niederschlag wie im Nordamerikanischen Death Valley in einer einzigen Woche. Das Gebiet erstreckt sich bis in Höhen von mehr als 6.000 Metern.


So soll das CCAT bei seiner Fertigstellung im Jahr 2016 aussehen. © Cornell-Universität & Caltech

Die dünne, trockene Luft lässt Strahlung aus dem All im wichtigen Wellenlängenbereich 0,2 bis 2 mm nahezu ungehindert passieren. Dank der niedrigen Temperaturen gibt es zudem kaum thermisch bedingte Verwirbelungen in der Atmosphäre, die den Blick auf den Nachthimmel verzerren würden.

Diese beiden Punkte machen die Atacama-Wüste zu einem idealen Standort für Observatorien. Eines davon ist das geplante CCAT, ein Spiegelteleskop mit 25 Metern Durchmesser, das bis spätestens 2016 in einer Höhe von 5.600 Metern errichtet werden soll. Damit wäre es das höchst gelegene astronomische Messgerät der Welt.

Geleitet wird das Projekt von der US-amerikanischen Cornell-Universität sowie dem California Institute of Technology (Caltech). Doch auch Forscher der Universität Bonn beteiligen sich an der Rekordkonstruktion: Der Bonner Rektor Professor Dr. Jürgen Fohrmann hat heute zusammen mit seinem Kölner Kollegen Professor Dr. Axel Freimuth eine entsprechende Vereinbarung mit der Cornell-Universität unterzeichnet. Darin stellen die beiden rheinischen Universitäten in Aussicht, zehn Prozent der Bau- und Betriebskosten zu übernehmen.

„Wir werden aber auch unser Know-how einbringen“, erklärt Professor Dr. Frank Bertoldi vom Bonner Argelander-Institut für Astronomie. „Gemeinsam mit unseren Kölner Kollegen sind wir beispielsweise an der Entwicklung der hochpräzisen Spiegelflächen beteiligt.“ Keine leichte Aufgabe: Die hochreflektiven Paneele müssen extrem genau gefertigt und gleichzeitig vergleichweise leicht sein. Die Bonner und Kölner Forscher führen dazu mit der Duisburger Firma Vertex Antennentechnik gerade eine Designstudie durch. „Wir setzen auf Aluminum mit modernen Kohlefaser-Verbundstoffen, die praktisch keiner thermischen Ausdehnung unterliegen“, erläutert Bertoldi. „Damit lassen sich Fertigungsgenauigkeiten realisieren, wie sie bei einem solch großen Teleskop noch nie erreicht wurden.“

Für ihr finanzielles und personelles Engagement erhalten die Wissenschaftler am CCAT Beobachtungszeit – die wichtigste Währung der empirischen Astrophysik. Sie können so ihre eigenen Fragestellungen verfolgen und beispielsweise genauer erforschen, welche Prozesse bei der Geburt von Sternen und der Entstehung von Galaxien ablaufen.

Das CCAT Teleskop spielt in der mittel- und langfristigen Perspektive eine wichtige Rolle in dem neuen SFB 956 „Conditions and Impact of Star Formation – Astrophysics, Instrumentation and Laboratory Research“, an dem Forscher der Kölner Universität, der Universität Bonn und des MPI für Radioastronomie in Bonn beteiligt sind.

Weitere Informationen zum CCAT finden sich unter
http://www.submm.org/
Kontakt:
Professor Dr. Frank Bertoldi
Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-6789, Mobil: 0176-20114268
E-Mail: bertoldi@astro.uni-bonn.de

Frank Luerweg | Uni Bonn
Weitere Informationen:
http://www.submm.org/
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Astronomie Astrophysik Atacama-Wüste CCAT Chile Messgerät Teleskop Teleskopbau

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die Kieler Förde – ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskop im Kugelschreiberformat: Auf dem Weg zur endoskopischen Krebsdiagnose

28.04.2017 | Medizintechnik

Leipziger Forscher kreieren borhaltiges künstliches Vitamin

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie