Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tiefer Blick in Molekülorbitale

28.10.2014

Der Physiker Dr. Achim Schöll, Privatdozent am Lehrstuhl für Experimentelle Physik VII der Universität Würzburg, hat von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Heisenberg-Stipendium erhalten. Schölls besonderes Interesse gilt den Bahnen, auf denen sich Elektronen in organischen Molekülen bewegen.

Das Verhalten von Molekülen – und damit den aus ihnen aufgebauten Materialen – zu verstehen und im Idealfall gezielt zu beeinflussen, ist ein Traum vieler Wissenschaftler und Entwickler. Verantwortlich für die strukturellen, chemischen und physikalischen Eigenschaften solcher Materialien sind die Elektronen. Laienhaft formuliert, bewegen sie sich auf bestimmten Bahnen um die Atomkerne in Molekülen und lassen sich durch sogenannte Molekülorbitale beschreiben.


Achim Schöll im Labor am Physikalischen Institut der Uni Würzburg.

(Foto: Gunnar Bartsch)

Der Physiker Achim Schöll interessiert sich seit Langem für diese Molekülorbitale. „Ich beschäftige mich mit dünnen Schichten aus organischen Molekülen und mit deren Grenzflächen, beispielsweise zu Metallkontakten“, sagt er. Derartige Materialien haben ein großes Anwendungspotenzial; sie kommen etwa als neuartige Halbleiter in optoelektronischen Bauelementen zum Einsatz.

Das Heisenberg-Stipendium

Jetzt hat Achim Schöll von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein Heisenberg-Stipendium zugesagt bekommen. Das Stipendium bildet den ersten Teil des Heisenberg-Programms, an dessen Ende im Idealfall die Berufung auf eine unbefristete Heisenberg-Professur steht.

Ziel des Programms ist es, „herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die alle Voraussetzungen für die Berufung auf eine Langzeit-Professur erfüllen, zu ermöglichen, sich auf eine wissenschaftliche Leitungsposition vorzubereiten und in dieser Zeit weiterführende Forschungsthemen zu bearbeiten“, wie es auf der Homepage der DFG heißt. Voraussetzung für die Aufnahme in das Programm sind „hohe wissenschaftliche Qualität und Originalität des Forschungsvorhabens auf internationalem Niveau sowie Eignung zur weiteren Qualifikation als Hochschullehrer“.

Neue Einsichten in das Verhalten von Elektronen

Um neue Einblicke in das Verhalten von Elektronen in organischen Molekülen zu gewinnen, nutzt Achim Schöll die sogenannte „winkelaufgelöste Photoelektronenspektroskopie“. Diese Technik habe in den vergangenen Jahren faszinierende Einblicke in die Eigenschaften molekularer Materialien gebracht und in der Folge ein reges Forschungsfeld entstehen lassen, sagt der Physiker.

Dabei konnte Schöll wichtige Beiträge leisten, insbesondere durch methodische Weiterentwicklungen, wie etwa den Einsatz eines Photoelektronenemissionsmikroskops in Kombination mit Synchrotronstrahlung. Mit Hilfe des Heisenberg-Stipendiums will Schöll nun die Möglichkeiten und die Grenzen der sogenannten Molekülorbitaltomographie ausloten.

Freude in der Fakultät

Professor Vladimir Dyakonov, Dekan der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Würzburg, begrüßt die Entscheidung der DFG: „Achim Schöll hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Arbeiten in renommierten Fachzeitschriften wie Science, Nature Communications und den Physical Review Letters veröffentlicht. Das beweist die Qualität seiner Forschung“, sagt Dyakonov. Die Fakultät werde „ihren Heisenbergianer“ in seiner entscheidender Karrierephase mit allen Kräften unterstützen.

Zur Person

Achim Schöll (43) stammt aus Kirchheim/Teck. Von 1990 bis 1997 studierte er Physik an der Universität Würzburg; im Oktober 2003 schloss er hier seine Doktorarbeit mit Auszeichnung ab. 2010 habilitierte er sich mit einer Arbeit aus dem Gebiet der experimentellen Physik.

Seit Dezember 2010 lehrt und forscht er als Privatdozent am Lehrstuhl für Experimentelle Physik VII. Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit führte ihn in der Vergangenheit wiederholt ins Ausland, unter anderem an die University of Chiba (Japan), die Princeton University (USA) und die Federal University of Rio de Janeiro (Brasilien).

Kontakt

PD Dr. Achim Schöll, T: (0931) 31-85127, achim.schoell@physik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie