Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Teilchen in der Falle

30.06.2009
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Untersuchung grundlegender Quanteneffekte ist Forschern der Universität Erlangen-Nürnberg und des Erlanger Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts gelungen.

Die Physiker um Prof. Dr. Gerd Leuchs, Lehrstuhl für Experimentalphysik (Optik) der Universität, haben in Zusammenarbeit mit dem National Institute of Standards and Technology in Boulder, USA, eine neuartige Ionenfalle gebaut, die ein wichtiges Werkzeug für die Kopplung von Lichtteilchen und Atomen darstellt - eine der Voraussetzungen für den Aufbau von Quantennetzen.

Ihre Forschungsergebnisse haben die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe des Magazins Nature Physics vom 28. Juni 2009 veröffentlicht.

Ionenfallen erlauben es, einzelne geladene Atome einzufangen und diese über einen längeren Zeitraum festzuhalten. Wissenschaftler können die so fixierten Teilchen mit Hilfe schwacher Laserstrahlen auf ihre physikalischen Eigenschaften untersuchen oder auch den Einfluss der Umwelt auf das Ion erforschen. Die Ionenfalle ermöglicht es, einzelne Teilchen als besonders empfindliche Prüfspitze für Licht und andere elektromagnetische Felder einzusetzen.

Freie Sicht nach allen Seiten

Die meisten bisher konstruierten Fallen schränken den Zugriff auf das Ion allerdings stark ein oder umgeben es nahezu vollständig. Den Forschern in Erlangen und Boulder ist es gelungen, die Geometrie der Fallenelektroden so abzuwandeln, das das gefangene Teilchen fast "freie Sicht" nach allen Seiten hat. Nun schwebt das geladene Atom wie über einer Nadelspitze und kann nahezu von allen Seiten - etwa 96 Prozent des Raums - untersucht werden. Durch die schlanke Form der Falle kann das Ion, ähnlich wie ein Tastkopf, an Oberflächen herangeführt werden. So lassen sich extrem kleine elektromagnetische Kräfte messen, die bis zu einer Quadrillion mal kleiner als die Erdanziehung sind.

In Erlangen soll mit der Falle ein Ion im Zentrum eines Parabolspiegels von der Größe einer Geldmünze platziert werden. So wollen die Forscher etwas schaffen, was im Allgemeinen erst nach vielen Anläufen gelingt: Das geladene Atom soll in einem kontrollierten Prozess ein einzelnes Lichtteilchen aufnehmen - und das schon beim ersten Versuch. Das Ion speichert dabei auch die Informationen, die das Lichtteilchen trägt.

Dieser Vorgang gilt als eine der Grundlagen der modernen Quantenoptik. Er konnte bislang von der Forschung im Detail aber noch nicht experimentell untersucht werden. Außerdem ist eine Lichtteilchen-Atom-Kopplung ein wichtiger Baustein für die Realisierung von Quantennetzwerken, einer Art Internet für eine vom Prinzip her absolut sichere Übertragung klassischer Daten und zukünftig auch für die Übertragung von Quanteninformation.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Weitere Informationen für die Medien:

Dr. Sabine König
Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts
Tel.: 09131/6877-500
sabine.koenig@mpl.mpg.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpl.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Maschinelles Lernen im Quantenlabor
19.01.2018 | Universität Innsbruck

nachricht Seltsames Verhalten eines Sterns offenbart Schwarzes Loch, das sich in riesigem Sternhaufen verbirgt
17.01.2018 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinelles Lernen im Quantenlabor

19.01.2018 | Physik Astronomie

Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten

19.01.2018 | Biowissenschaften Chemie