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Stratosphärenballon dient der Mars-Simulation

09.10.2008
Vergleichbare Umweltbedingungen für Technologie-Tests wichtig

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) hat einen erfolgreichen Testflug des Stratosphärenballons "Passepartout II" absolviert. Die Forschungssonde hat dabei über 30 Kilometer Flughöhe erreicht und meteorologische Daten sowie Aufnahmen aus großer Höhe gewonnen.

Der eigentliche Hintergrund des Fluges waren aber Tests, die der zukünftigen Erforschung des Mars zugute kommen könnten. "Bei 30 bis 35 Kilometern Höhe herrschen Umweltbedingungen ähnlich jenen auf dem Mars, was Temperatur und Druck betrifft", erklärt ÖWF-Obmann Gernot Grömer im Gespräch mit pressetext. Das ermöglicht technologische Tests für eine simulierte Mars-Mission, die der Vorbereitung einer realen Erkundung des roten Planeten dienen soll.

"Wir haben uns unter anderem die Möglichkeit angesehen, die Elektronik temperaturstabil zu halten", erklärt Grömer. Denn im Rahmen des rund zweistündigen Fluges von Graz in die Nähe des slowenischen Salovci hat der Stratosphärenballon eine maximale Höhe von 31,4 Kilometern erreicht. Dort herrschen Temperaturen von etwa minus 60 Grad. Sowohl die eisigen Temperaturen als auch der schnelle Wechsel gegenüber den Bedingungen Start und Landung simulieren marsähnliche Bedingungen. Auf der Oberfläche des roten Planeten kann die Temperatur auf rund minus 110 Grad fallen und sich binnen weniger Stunden auf ein Maximum rund um den Gefrierpunkt steigern, so der Astronom. Technologien, um Elektronik beim Stratosphärenflug vor der Kälte zu bewahren, sind daher auch für Mars-Missionen interessant.

Der Luftdruck beträgt in der von Passepartout erreichten Höhe nur knapp ein Prozent des Werts auf Meereshöhe und ähnelt somit ebenfalls den Bedingungen auf dem Mars. Bei rund 35 Kilometern Höhe entspricht auch das Ausmaß harter ultravioletter (UV) Strahlung etwa der Marsoberfläche. Dass Passepartout diese Höhe nicht ganz erreicht hat und daher noch stärker durch die irdische Ozonschicht abgeschirmt wurde, macht aber wenig. "UV-Strahlung kann für Technik relativ leicht abgeschirmt werden", begründet Grömer. Sie sei für biologische Experimente relevanter, während der Ballonflug primär technologischen Tests diente. Ein großer Erfolg war Grömer zufolge, dass eine Video-Funkverbindung über mehr als 20 Kilometer Flugstrecke durchgehend aufrecht erhalten werden konnte. Dabei wurden eindrucksvolle Aufnahmen gewonnen, auf denen die Erdkrümmung ersichtlich wird. Gerade die Erkenntnisse im Bereich Kommunikationstechnologien könnten nicht nur für simulierte Mars-Missionen wertvoll sein, so der ÖWF-Obmann.

Eine simulierte Mars-Mission war der Hauptgrund für den Flug, der in Kooperation mit dem Österreichischen Versuchssenderverband, dem Österreichischen Bundesheer und der Technischen Universität Graz durchgeführt wurde. Passepartout ist ein Teil des Raumfahrt-Forschungsprogramms "PolAres".

Die Tests aus dem aktuellen und weiteren geplanten Ballonflügen dienen auch dazu, Technologien für Raumanzüge und den Rover "Phileas" für eine simulierte Mars-Mission in arktischen Gefilden zu perfektionieren. Zwar werden weder die Anzüge noch der Rover der Simulation tatsächlich den Mars erreichen, so Grömer.

Allerdings sollen am Ende des Forschungsprogramms Technologien bereit stehen, die von den großen Raumfahrtorganisationen NASA oder ESA auch in realen Mars-Missionen genutzt werden könnten.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.oewf.org
http://www.polares.org

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