Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strahlungsmessung auf dem Mars mit Kieler Instrument

16.11.2012
NASA-Rover „Curiosity“ liefert erste Daten

Die Messungen des NASA-Rovers „Curiosity“ haben jetzt wiederkehrende Muster in Winden und der natürlichen Strahlung ergeben. Dadurch können die Forscherinnen und Forscher die Umweltbedingungen auf dem Mars besser verstehen.


Animation des Mars-Rovers “Curiosity” bei Gesteinsuntersuchungen.
Image credit: NASA/JPL-Caltech


Die „Wetterstation“ des Rovers hat unter anderem Daten des Strahlenmonitors RAD (Radiation Assessment Detector) verglichen und festgestellt, dass regelmäßige Änderungen im Luftdruck unseres Nachbarplaneten mit zwei verschiedenen Strahlungstypen zusammenhängen. Die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) gebaute Sensoreinheit des RAD ist seit rund einem Jahr mit der Mars Science Mission unterwegs.

Der vom spanischen Centro de Astrobiologia gebaute Umweltmonitor (eine Art Wetterstation) hat seit der Landung am 6. August eine Zunahme des Luftdrucks festgestellt, die zudem täglichen Schwankungen unterworfen ist. Zwar waren sowohl die Zunahme als auch die Schwankung des Luftdrucks erwartet worden, aber die detaillierten Messungen erlauben es jetzt, die atmosphärischen Zirkulationsmuster auf dem Mars besser zu verstehen.

Erklären lässt sich die Druckzunahme auf dem Mars durch das Freiwerden enormer Mengen an Kohlendioxid (CO2), das im Marswinter in den südlichen Polkappen im Trockeneis eingeschlossen ist. Im Marssommer wird das CO2 an die Atmosphäre abgegeben und erhöht so den Luftdruck.

Die tägliche Schwankung zeigt dagegen einen erhöhten Luftdruck am Marsmorgen und einen niedrigen Druck am Abend. Dieses Phänomen entsteht durch die tägliche Erwärmung der Marsatmosphäre durch die Sonne. Wegen der Drehung des Mars um die eigene Achse bewegt sich dann die erwärmte Atmosphäre als Welle um den Mars.

Diese atmosphärischen „Gezeiten“ sind auch in den Daten des Strahlenmonitors auf Curiosity sichtbar. RAD misst energiereiche Strahlung aus dem All, welche für Astronautinnen und Astronauten ein großes Risiko darstellt. Diese Strahlung ist zudem ein wichtiger Faktor für mögliches mikrobielles Leben auf dem Mars.

„Wir sehen sich wiederholende Muster in unseren Messungen, die mit den atmosphärischen Gezeiten verbunden sind”, sagt Professor Robert Wimmer-Schweingruber, der Kieler Projektleiter von RAD. „Die Partikelstrahlung wird durch die Atmosphäre abgeschirmt und verringert sich bei erhöhtem Luftdruck. Letztlich verringert die Atmosphäre des Mars die Strahlendosis im Vergleich zu den Messungen, die wir auf dem Weg zum Mars im All gemacht haben.“

Der Radiation Assessment Detector (RAD) wurde durch das Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit dem Southwest Research Institute in Boulder, Colorado entwickelt und durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gefördert.

Darstellung der Messungsergebnisse:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-338-messungsergebnisse.pdf
Fotos stehen zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-338-1.jpg
Bildunterschrift: Die Topographie des Mars: Die Einfärbung zeigt Höhenunterschiede an. Auf der Abbildung sind alte Flussbette zu sehen, was darauf hinweist, dass flüssiges Wasser einmal eine wichtige Rolle an der Marsoberfläche gespielt hat. Heute ist es selten geworden.

Image Credit: NASA/JPL-Caltech

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-338-2.jpg
Bildunterschrift: Die Abbildung zeigt das Bewegungsmuster flüchtiger Stoffe wie zum Beispiel Kohlendioxid auf dem Mars.

Image credit: NASA/JPL-Caltech

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-338-3.jpg
Bildunterschrift: Animation des Mars-Rovers “Curiosity” bei Gesteinsuntersuchungen.

Image credit: NASA/JPL-Caltech

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Wimmer-Schweingruber
Tel: 0431/880-3964
E-Mail: wimmer@physik.uni-kiel.de

Dr. Boris Pawlowski | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Speicherdauer von Qubits für Quantencomputer weiter verbessert
09.12.2016 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Elektronenautobahn im Kristall
09.12.2016 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie