Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sterne jung und alt?

31.10.2012
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Diese farbenfrohe Ansicht des Kugelsternhaufens NGC 6362 wurde mit dem Wide Field Imager am ESO/MPG 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen.

Zusammen mit einer neuen Aufnahme des Zentralbereichs des Haufens, die das Hubble-Weltraumteleskop von NASA und ESA geliefert hat, vermittelt dieses Bild die bis dato beste Ansicht dieses wenig bekannten Kugelsternhaufens. Der Großteil der Sterne in Kugelsternhaufen ist sehr alt. In diesem Haufen gibt es allerdings auch einige Sterne, die ungewöhnlich jung wirken.


Der Kugelsternhaufen NGC 6362
Bild: ESO

Kugelsternhaufen gehören zu den ältesten Objekten im Universum. Auch NGC 6362 kann auf dieser Aufnahme sein Alter nicht verbergen: Die vielen gelblich aussehenden Sterne haben den größten Teil ihres Lebens bereits hinter sich und sind zu sogenannten Roten Riesen geworden. Dennoch sind Kugelsternhaufen keine greisen Relikte einer fernen Vergangenheit. Nach wie vor spielen sich dort unter den Sternen außergewöhnliche Vorgänge ab.

So beherbergt NGC 6362 zum Beispiel viele sogenannte blaue Nachzügler (engl. Blue Stragglers): Sterne, die viel jünger aussehen als sie in Wirklichkeit sind. Der Hintergrund ist dabei der folgende: Alle Sterne eines Kugelsternhaufens haben sich zu ungefähr derselben Zeit aus derselben Molekülwolke gebildet. Das typische Alter eines Kugelsternhaufens ist etwa zehn Milliarden Jahre. Die blauen Nachzügler sind allerdings viel heißer, leuchtkräftiger und massereicher, als man es für zehn Milliarden Jahre alte Sterne erwarten würde, denn blaue Sterne verbrauchen ihren Brennstoffvorrat typischerweise sehr schnell. Wenn sich die blauen Nachzügler also tatsächlich bereits vor zehn Milliarden Jahren gebildet haben, sollten sie schon längst verloschen sein. Wie konnten sie solange überleben?

Die Astronomen interessieren sich sehr dafür, was hinter dem jugendlichen Aussehen der blauen Nachzügler steckt. Momentan gibt es dafür zwei Erklärungsansätze: Entweder ist der betreffende Stern zwischenzeitlich mit einem anderen Stern kollidiert oder er hat von einem anderen Stern Materie abgezogen. Beiden Erklärungen ist gemeinsam, dass die blauen Nachzügler nicht mit ihrer heutigen Masse entstanden sind. Stattdessen haben sie sozusagen eine Transfusion von Materie erhalten, und damit die Chance auf ein neues Leben.

Obwohl er weniger bekannt ist als die helleren Kugelsternhaufen, ist NGC 6362 doch für die Astronomen von großem Interesse. Entsprechend wurde er in den vergangenen Jahren sehr gründlich untersucht. Beispielsweise wurde er als eines von 160 Feldern für den pre-FLAMES Survey ausgewählt – eine von 1999 bis 2002 mit dem MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop auf La Silla durchgeführte Beobachtungskampagne, mit der geeignete Sterne für eine Untersuchung mit dem FLAMES-Spektrografen am VLT identifiziert werden sollten. Das hier gezeigte Bild wurde aus den Daten dieser Beobachtungen erstellt.

Die Aufnahme zeigt den gesamten Kugelsternhaufen vor dem sternreichen Hintergrund der Milchstraße. Die Zentralregion von NGC 6362 wurde auch mit dem NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskop detailliert untersucht. Die beiden Bilder – eine Übersichtsaufnahme und eine hochaufgelöste Detailansicht – ergänzen sich optimal.

Die helle Kugel aus Sternen befindet sich im südlichen Sternbild Ara (der Altar) und ist bereits in kleinen Teleskopen leicht zu sehen. NGC 6362 wurde im Jahr 1826 vom schottischen Astronomen James Dunlop mit einem 22-Zentimeter-Teleskop von Australien aus entdeckt.

Zusatzinformationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Im Jahr 2012 feiert die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) das 50-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Dr. Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Kleinste Teilchen aus fernen Galaxien!
22.09.2017 | Bergische Universität Wuppertal

nachricht Tanzende Elektronen verlieren das Rennen
22.09.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie