Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startschuss für Errichtung des Teilchenbeschleunigers FAIR

12.06.2012
Die hessische Umweltministerin Lucia Puttrich hat heute die erste strahlenschutzrechtliche Teilerrichtungsgenehmigung für eines der größten Forschungsprojekte weltweit überreicht.

Gemeinsam mit Professor Günther Rosner, Forschungsdirektor und administrativer Geschäftsführer von FAIR, gab sie damit den Startschuss für den Bau des neuen Teilchenbeschleunigers FAIR in Darmstadt.

„Mit der Genehmigung bekennt sich die Landesregierung zu ihrer Verantwortung für den Innovations- und Forschungsstandort Hessen“, so die Ministerin. Außerdem informierte sich die Ministerin über die umfangreichen Umwelt-Kompensationsmaßnahmen, die parallel zu den Bauarbeiten bereits umgesetzt werden.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt entsteht derzeit auf rund 20 Hektar die neue internationale Teilchenbeschleunigeranlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research in Europe) für die physikalische Grundlagen- und Anwendungsforschung. FAIR wird die bereits bestehenden Beschleuniger der GSI als Vorbeschleuniger nutzen. Von 2018 an werden an FAIR mehr als 3.000 Wissenschaftler aus mehr als 50 Ländern die Grundbausteine der Materie erforschen und die Entwicklung des Universums nachzeichnen.

Dazu können an FAIR besonders intensive Präzisionsstrahlen von Antiprotonen und Ionen der ganzen Element-Palette erzeugt werden, mit denen die Wissenschaftler höchst seltene Teilchen-Kollisionsprodukte erforschen können. Weitere Forschungsthemen sind die Atom- und Plasmaphysik, die Antimaterieforschung und die Weiterentwicklung von Krebstherapien mit Ionenstrahlen und die Materialforschung zum Beispiel für Weltraummissionen.

„An FAIR wird eine nie dagewesene Vielfalt an Experimenten möglich sein, durch die Physiker aus aller Welt neue Einblicke in den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums, vom Urknall bis heute, erwarten“, sagte Puttrich bei ihrem Besuch auf dem Baufeld des Teilchenbeschleunigers. Aufgrund der im Betrieb auftretenden Strahlungsfelder sei das Umweltministerium als für den Strahlenschutz zuständige Behörde im Genehmigungsverfahren beteiligt.

Professor Günther Rosner, Forschungsdirektor und administrativer Geschäftsführer von FAIR, sagte: "Viele Wissenschaftler aus der ganzen Welt warten schon ungeduldig darauf, drängende Forschungsfragen mit FAIR angehen zu können. Wir freuen uns daher sehr darüber, dass wir jetzt die erste Errichtungsgenehmigung vom hessischen Umweltministerium erhalten. Die Berücksichtigung von Umwelt und Natur ist uns bei diesem großen Bauvorhaben ein besonders Anliegen."

Der Bau von FAIR hat ein Gesamtvolumen von 1,6 Milliarden Euro (Preisniveau 2018) und wird vom Bund und dem Land Hessen sowie von derzeit acht europäischen und außereuropäischen Partnerstaaten getragen.

Parallel zum Bauvorhaben gibt es umfangreiche Umwelt-Kompensationsmaßnahmen. So verhindert ein Amphibienzaun, der gerade gebaut wird, dass Frösche und Kröten auf Baustraße und Baufeld gelangen können. Neben umfangreichen Aufforstungen in Darmstadt und Umgebung wurde zum Beispiel ein Eidechsenlebensraum eingerichtet, für das Naturdenkmal Stahlberge ein langfristiger Pflegeplan entwickelt und nördlich der neuen Anlage 130 Fledermauskästen als Ausweichquartiere aufgehängt.

Durch die strahlenschutzrechtlichen Genehmigungen der Gebäude wird sichergestellt, dass die Gebäude bereits in ihrer Planung den Sicherheitsbestimmungen für die hier arbeitenden Wissenschaftler und Techniker und die Umgebung entsprechen.

Hintergrund:
Die Teilchenbeschleunigeranlage FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research in Europe GmbH) ist eine weltweit einzigartige, von Deutschland, Hessen und acht internationalen Partnern getragene Großforschungsanlage. FAIR wird derzeit in Darmstadt in unmittelbarer Nachbarschaft des GSII Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung gebaut. Sie wird 3,5 Kilometer Strahlführung und acht Kreisbeschleuniger mit bis zu 1.100 Metern Umfang haben. Die bestehenden GSI-Beschleuniger werden als Vorbeschleuniger dienen. An FAIR werden Wissenschaftler untersuchen, wie Materie mikroskopisch beschaffen ist und wie sich das Universum seit dem Urknall entwickelt hat. Die Anlage dient hauptsächlich der Grundlagenforschung, die ergänzt wird durch anwendungsnahe Forschung, zum Beispiel für Tumortherapien oder neue Materialien. FAIR wird voraussichtlich 2018 den Forschungsbetrieb aufnehmen und dann Anziehungspunkt für mehr als 3.000 Wissenschaftler aus aller Welt sein. Schon heute sind 3.000 Wissenschaftler aus mehr als 50 Ländern an der Planung von FAIR beteiligt.

Dr. Markus Bernards | idw
Weitere Informationen:
http://www.fair-center.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Laser-Metronom ermöglicht Rekord-Synchronisation
12.01.2017 | Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY

nachricht VLT auf der Suche nach Planeten im Sternsystem Alpha Centauri
10.01.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Im Focus: Designing Architecture with Solar Building Envelopes

Among the general public, solar thermal energy is currently associated with dark blue, rectangular collectors on building roofs. Technologies are needed for aesthetically high quality architecture which offer the architect more room for manoeuvre when it comes to low- and plus-energy buildings. With the “ArKol” project, researchers at Fraunhofer ISE together with partners are currently developing two façade collectors for solar thermal energy generation, which permit a high degree of design flexibility: a strip collector for opaque façade sections and a solar thermal blind for transparent sections. The current state of the two developments will be presented at the BAU 2017 trade fair.

As part of the “ArKol – development of architecturally highly integrated façade collectors with heat pipes” project, Fraunhofer ISE together with its partners...

Im Focus: Mit Bindfaden und Schere - die Chromosomenverteilung in der Meiose

Was einmal fest verbunden war sollte nicht getrennt werden? Nicht so in der Meiose, der Zellteilung in der Gameten, Spermien und Eizellen entstehen. Am Anfang der Meiose hält der ringförmige Proteinkomplex Kohäsin die Chromosomenstränge, auf denen die Bauanleitung des Körpers gespeichert ist, zusammen wie ein Bindfaden. Damit am Ende jede Eizelle und jedes Spermium nur einen Chromosomensatz erhält, müssen die Bindfäden aufgeschnitten werden. Forscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie zeigen in der Bäckerhefe wie ein auch im Menschen vorkommendes Kinase-Enzym das Aufschneiden der Kohäsinringe kontrolliert und mit dem Austritt aus der Meiose und der Gametenbildung koordiniert.

Warum sehen Kinder eigentlich ihren Eltern ähnlich? Die meisten Zellen unseres Körpers sind diploid, d.h. sie besitzen zwei Kopien von jedem Chromosom – eine...

Im Focus: Der Klang des Ozeans

Umfassende Langzeitstudie zur Geräuschkulisse im Südpolarmeer veröffentlicht

Fast drei Jahre lang haben AWI-Wissenschaftler mit Unterwasser-Mikrofonen in das Südpolarmeer hineingehorcht und einen „Chor“ aus Walen und Robben vernommen....

Im Focus: Wie man eine 80t schwere Betonschale aufbläst

An der TU Wien wurde eine Alternative zu teuren und aufwendigen Schalungen für Kuppelbauten entwickelt, die nun in einem Testbauwerk für die ÖBB-Infrastruktur umgesetzt wird.

Die Schalung für Kuppelbauten aus Beton ist normalerweise aufwändig und teuer. Eine mögliche kostengünstige und ressourcenschonende Alternative bietet die an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

14. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

12.01.2017 | Veranstaltungen

Leipziger Biogas-Fachgespräch lädt zum "Branchengespräch Biogas2020+" nach Nossen

11.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

16.01.2017 | Architektur Bauwesen

Herzforschung - Neue Katheterklappe in Tübingen entwickelt

16.01.2017 | Medizintechnik