Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Startschuss für ASPIMATT – Deutsch-japanisches Projekt erforscht neue Materialien zur Datenspeicherung

04.05.2010
Bei ASPIMATT arbeiten Wissenschaftler aus Mainz, Kaiserslautern und dem japanischen Sendai an neuen Werkstoffen für die Spintronik

Die deutsch-japanische Forschergruppe ASPIMATT mit Wissenschaftlern aus Mainz und Kaiserslautern hat die Nase vorn: Sie gehört zu den drei ersten deutsch-japanischen Forschergruppen, die eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten.

Ursprünglich waren 19 Konzepte für Kooperationen eingegangen. ASPIMATT erforscht neue Werkstoffe für die Spintronik, eine relativ junge Forschungsrichtung, die den Eigendrehimpuls von Elektronen für die Darstellung von Informationen nutzt. Dies ist nach Mitteilung der DFG ein vielversprechender Ansatz für eine hochleistungsfähige Datenspeicherung.

Sprecherin der Forschergruppe ist auf deutscher Seite Prof. Dr. Claudia Felser vom Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der Universität Mainz, eine renommierte Forscherin auf dem Gebiet magnetischer Materialien für die Spin-Elektronik und Direktorin der Graduiertenschule „Materials Science in Mainz“ der Bundesexzellenzinitiative.

Auf japanischer Seite ist die Tohoku Universität, Sendai beteiligt, die im Rahmen der Forschungskooperation von der japanischen Partnerorganisation JST - Japan Science and Technology Agency gefördert wird. Sprecher ist hier Prof. Dr. Yasuo Ando. „ASPIMATT: Neuartige Materialien und Transportphänomene in der Spin-Elektronik“ – so die vollständige Bezeichnung – ist offiziell am 19. April mit einer Auftaktkonferenz in Sendai gestartet. Wegen des Flugverbots infolge des isländischen Vulkanausbruchs konnte allerdings die deutsche Delegation nicht anreisen und nahm mit einer Videobotschaft an der Eröffnungszeremonie teil.

Die Spin-Elektronik, oder kurz Spintronik, ist eine Zukunftstechnologie, die den Spin anstelle der Ladung der Elektronen für die Verarbeitung und den Transport von Informationen nutzt. Elektronen besitzen nämlich neben der Ladung einen kleinen Magneten, den Spin, der in zwei verschiedene Richtungen ausgerichtet sein kann und so als Informationsträger dient. Auf der Basis von Spin-Effekten können höchst empfindliche magnetische Sensoren gebaut werden. Diese werden z.B. in Leseköpfen von Festplatten, als Magnetsensoren in der Automobilbranche oder in neuen Computerspeicherbausteinen eingesetzt.

Die deutsch-japanische Forschergruppe hat sich zum Ziel gesetzt, für diese Einsatzzwecke neue Materialien zu entwickeln und auch neue Transportphänomene für den Spin zu erkunden. Die besten Elektroden-Materialien in Bauelementen der Spintronik sind sogenannte halbmetallische Ferromagnete, Materialien in denen nur Elektronen einer Spinrichtung am Stromtransport teilnehmen. Weltweit führend forschen Mainzer Wissenschaftler über die Heusler-Verbindungen, eine Materialklasse mit mehr als 800 Verbindungen, von denen über 50 halbmetallisch und gleichzeitig ferromagnetisch sind. Einige dieser Materialien sind sogar bei Temperaturen über 700°C noch magnetisch. Sie können in weiten Eigenschaftsbereichen entworfen und hergestellt werden und so für spezifische Aufgaben in der Sensortechnologie und der Datenspeicherung optimiert werden. Die Forschungsarbeiten zielen auf neue Materialien mit angepassten Eigenschaften wie zum Beispiel hohe Grenztemperaturen für Ferromagnetismus, niedrige oder hohe Spindämpfung, hohes oder niedriges magnetisches Moment und hohe magnetische Anisotropie, aber auch auf neue Halbleitermaterialien mit großen Spindiffusionslängen.

Die in Mainz entwickelten Materialien werden in Kaiserlautern mit aufwendigen magnetischen Analyseverfahren untersucht. Schnelle Schaltzeiten, hohe thermische und magnetische Stabilität, geringes Rauschen und hohe Speicherdichten sind die gegenwärtigen Herausforderungen. Die japanischen Forscher bringen technologisches Know-how ein und schließen so in einem gemeinsamen Vorgehen den Bogen von der Grundlagenforschung hin zur Anwendung.

Schon seit zehn Jahren arbeiten Chemiker und Physiker aus Mainz und Kaiserslautern mit Physikern und Elektroingenieuren aus Sendai informell zusammen. Diese informelle Kooperation wurde nun durch die DFG und das JST in der Forschergruppe ASPIMATT institutionalisiert. In ASPIMATT entwickeltes Know-how kommt später auch Unternehmen in Deutschland zugute. Das Land Rheinland-Pfalz fördert eine Technologieplattform „Spintronik“, welche deutsche und insbesondere rheinland-pfälzische Firmen bei der Umsetzung der Ergebnisse in Produkte unterstützt.

Kontakt und Informationen:
Univ.-Prof. Dr. Claudia Felser
Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 6131 39-26266 oder 39-21284
Fax +49 6131 39-26267
E-Mail: felser@mail.uni-mainz.de
Prof. Dr. Burkard Hillebrands
Fachbereich Physik, AG Magnetismus
Technische Universität Kaiserslautern
Tel.: 0631 205-2202 oder 205-2396 (Sekretariat)
Fax: 0631 205-3535
E-Mail: vphillebrands@uni-kl.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.superconductivity.de/
http://www.magnetoresistance.de
http://www.physik.uni-kl.de/hillebrands

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Proteintransport - Stau in der Zelle
24.03.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Neuartige Halbleiter-Membran-Laser
22.03.2017 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise