Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Spiralgalaxie NGC 6744, ein Ebenbild unserer Milchstraße

01.06.2011
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte ESO - Astronomen der ESO haben mit der Wide Field Imager-Kamera am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop eindrucksvolle Bilder der Spiralgalaxie NGC 6744 aufgenommen. Die Galaxie befindet sich in einer Entfernung von etwa 30 Millionen Lichtjahren im Sternbild Pavo (der Pfau) am Südhimmel. NGC 6744 ist unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, sehr ähnlich. Würde uns ein extragalaktischer Freund eine Postkartenansicht der Milchstraße schicken, dann dürfte diese ziemlich genau so aussehen wie das jetzt veröffentlichte Bild.

Wir schauen nahezu von oben auf die Scheibe von NGC 6744, so dass wir die Struktur der Galaxie wie aus der Vogelperspektive überblicken können. Wäre es uns möglich, die Milchstraße zu verlassen und unsere kosmische Heimat aus der Ferne zu betrachten, würde sich uns ein sehr ähnlicher Anblick bieten: markante Spiralarme, die sich um einen dichten, etwas langgestreckten Kernbereich herum winden, dazu eine Staubscheibe. NGC 6744 besitzt sogar eine kleine, deformierte Begleitgalaxie mit der Bezeichnung NGC 6744A, die an die beiden Magellanschen Wolken erinnert, die zwei nächsten Begleiter unserer Milchstraße. NGC 6744A ist in dem Bild als kleiner Fleck rechts unterhalb von NGC 6744 zu erkennen.


Das Milchstraßen-Double NGC 6744
Foto: ESO

Es gibt freilich auch Unterschiede zwischen NGC 6744 und der Milchstraße, beispielsweise ihre Größe. Während unsere Heimatgalaxie gewaltige rund 100.000 Lichtjahre durchmisst, ist NGC 6744 doppelt so groß.

NGC 6744 ist eine der größten Spiralgalaxien in unserer weiteren kosmischen Nachbarschaft. Die Galaxie strahlt mit einer Gesamthelligkeit von etwa 60 Milliarden Sonnen; aus der Ferne sehen wir allerdings nur noch einen kleinen Teil dieses Lichtes, das sich zudem über eine Fläche verteilt, die etwa zwei Drittel der Fläche des Vollmondes am Himmel einnimmt. In einem kleinen Teleskop ist daher nur noch ein diffuses Leuchten um ein helles Zentrum herum zu erkennen. Doch auch ohne detaillierte Einblicke in ihre Struktur ist NGC 6744 eines der schönsten Himmelsobjekte am Südsternhimmel, das sich als ovales Gebilde vom sternreichen Hintergrund abhebt.

Mit Profiteleskopen wie dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile, mit dem diese Aufnahme gewonnen wurde, zeigt sich NGC 6744 dann in voller Pracht. Die staubreichen Spiralarme, die der Galaxie ihre milchstraßenähnliche Spiralstruktur verleihen, beherbergen unzählige, rötlich leuchtende Sternentstehungsgebiete.

Die Aufnahme entstand mit der Wide Field Imager-Kamera und wurde aus Einzelaufnahmen zusammengesetzt, die mit vier verschiedenen Filtern für jeweils blaues, gelbgrünes und rotes Licht sowie speziell für leuchtendes Wasserstoffgas gewonnen wurden. Die Beiträge dieser Filter sind in der hier vorliegenden Falschfarbenaufnahme in den Farben Blau, Grün, Orange und Rot wiedergegeben.

Weitere Informationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1118/
- Webversion der Pressemitteilung mit weiteren Bildern und einem Video (auch in höher aufgelösten Versionen).
http://www.eso.org/public/images/archive/category/lasilla/
- Fotos vom La Silla Observatorium
http://www.eso.org/public/images/esopia00046teles/
- Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.mpia.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas
19.09.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern
15.09.2017 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie