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Eine Spiralgalaxie im Löwen

10.08.2011
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Diese neue Aufnahme vom Very Large Telescope der ESO zeigt die Spiralgalaxie NGC 3521, die sich in 35 Millionen Lichtjahren Entfernung von der Erde im Sternbild Leo (der Löwe) befindet.

Sie hat einen Durchmesser von etwa 50.000 Lichtjahren und besteht aus einem hellen, kompakten Kern und einer detailreichen Spiralstruktur.


NGC 3521, eine Spiralgalaxie im Löwen
Bild: ESO/O. Maliy

Die markantesten Strukturen der hellen Galaxie NGC 3521 sind ihre langen Spiralarme, die mit Sternentstehungsgebieten gespickt und von Staubbändern durchzogen sind. Die Spiralarme sind eher unregelmäßig und weisen zum Teil sogar Lücken auf. Dies macht NGC 3521 zu einem typischen Beispiel für eine so genannte flockige Spiralgalaxie. Solche Galaxien haben zerfaserte Spiralarme, ganz anders als die ausgeprägten Arme der so genannten Grand-Design-Spiralgalaxien, wie zum Beispiel der bekannten Whirlpoolgalaxie M 51, die bereits im 18. Jahrhundert von Charles Messier entdeckt wurde.

NGC 3521 ist eine vergleichsweise helle und nahegelegene Galaxie. Man kann sie leicht mit einem kleinen Teleskop beobachten, wie es Messier verwendete, um seinen berühmten Katalog von kometenähnlichen, diffusen Objekten zu erstellen. Im Sternbild Löwe entdeckte er mehrere Galaxien. NGC 3521 scheint dem französischen Astronomen allerdings entgangen zu sein, obwohl sie ähnlich hell ist.

1784 – im selben Jahr, in dem Messier die endgültige Version seines Kataloges veröffentlichte – entdeckte William Herschel, ein anderer berühmter Astronom seiner Zeit, NGC 3521 in der Anfangsphase seiner ausführlichen Durchmusterung des Nordhimmels. Mit seinem Teleskop mit 47 cm Durchmesser sah Herschel laut seinen Notizen einen “hellen Zentralbereich, umgeben von einem diffusem Nebel”.

Auf der neuen Aufnahme vom VLT ersetzen farbenfrohe, wenn auch nicht sehr scharf abgegrenzte Spiralarme den „diffusen Nebel“ Herschels. Im rötlichen Bereich im Zentrum geht das Licht dabei vor allem auf ältere Sterne zurück, während in den Spiralarmen in größerer Entfernung vom Kern vor allem heiße – und daher bläulich scheinende – junge Sterne vorkommen.

Oleg Maliy [1], wählte die Daten des FORS1-Instruments am Very Large Telescope der ESO am Paranal-Observatorium in Chile, aus denen dieses Bild erzeugt wurde, für seine Teilnahme am Astrofotografie-Wettbewerg „ESO’s Hidden Treasures 2010“ aus. Das Bild ist aus Einzelbelichtungen zusammengesetzt, die mit verschiedenen Filtern aufgenommmen wurden und folgendermaßen farbkodiert sind: Aufnahmen mit einem Blaufilter sind blau eingefärbt, Aufnahmen mit Gelbgrünfilter grün und Aufnahmen im Nahhinfraroten in rot. Jedes der drei Farbbänder wurde 300 Sekunden lang belichtet. Olegs Version des Bildes von NGC 3521 erreichte einen der vorderen Plätze bei dem Wettbewerb, zu dem fast 100 Aufnahmen eingereicht worden waren.

Endnote

[1] Der ESO-Wettbewerb „Hidden Treasures 2010“ eröffnete Amateurastronomen die Gelegenheit, die riesigen Datenarchive der ESO nach versteckten Schätzen zu durchforsten und diese zu heben. Mehr zum „Hidden Treasures“-Wettbewerb unter http://www.eso.org/public/outreach/hiddentreasures/.

Weitere Informationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (kurz FORS, wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop der 40-Meter-Klasse für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird, das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

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Tel: 06221 528226
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Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
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Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
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