Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schweizer Kamera macht sich auf den Weg zum Mars

09.11.2015

In Rekordzeit haben Forschende der Universität Bern eine hochpräzise Weltraum-Kamera entwickelt und gebaut. Das Gerät soll an Bord einer ESA-Raumsonde im März 2016 in Richtung Mars starten.

Am Montag, 9. November, verlässt die Berner Kamera namens CaSSIS (Colour and Stereo Surface Imaging System) die Schweiz in Richtung Frankreich, wo sie auf dem Gelände von Thales-Alenia Space in Cannes auf die Sonde ExoMars Trace Gas Orbiter (TGO) der Europäischen Raumfahrtagentur ESA montiert wird. Am 12. März 2016 soll die TGO-Sonde dann vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All starten und den Planeten Mars im Oktober desselben Jahres erreichen.


Die Steuereinheit links kontrolliert das Teleskop von CaSSIS (rechts). In der Mitte der schwarzen Teleskopstruktur ist der Hauptspiegel sichtbar.

Nicolas Thomas, Universität Bern


CaSSIS wird für den Test in der Vakuumkammer vorbereitet. Diese simuliert die Kälte des Weltalls und prüft, ob die Kamera auch bei –40°C korrekt funktioniert.

Nicolas Thomas, Universität Bern

CaSSIS wurde so konzipiert, dass sie andere Kameras, die den roten Planeten bereits umkreisen, ergänzt, indem sie hochauflösende Stereobilder spezieller Ziele liefert. Ausserdem wird sie anderen Instrumenten auf der TGO-Sonde helfen, auf der Mars-Oberfläche nach den Quellen von Gasen wie Methan zu suchen.

«CaSSIS ist das beste System, das wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln bauen konnten», sagt der Leiter des Berner CaSSIS-Teams, Nicolas Thomas vom Center for Space and Habitability (CSH) und Physikalischen Institut der Universität Bern. «Aus rund 100 Kilometern Entfernung könnten wir mit dieser Kamera ein Auto präzise abbilden – in Farbe und stereo.»

... mehr zu:
»ESA »ExoMars »Gas »Kamera »Mars »Raumfahrtagentur »Wasser

Eines der Ziele des Projekts ist es, Veränderungen auf dem Mars zu beobachten, wie Thomas erläutert: «Wir wissen inzwischen, dass sich die Marsoberfläche ständig verändert und nun haben wir das Werkzeug, um diese Veränderungen verfolgen zu können.»

In nur 27 statt 38 Monaten gebaut

Ursprünglich war das Team um Prof. Thomas von der NASA ausgewählt worden, ein Schweizer Teleskop für eine amerikanische Kamera zu liefern, die auf die TGO-Sonde montiert werden sollte. Die Sonde ist Teil des ExoMars-Programms der ESA.

«Leider waren unsere amerikanischen Partner gezwungen, aus dem Projekt auszusteigen», sagt Thomas, «aber ExoMars ist so wichtig für Europa, dass das Projekt trotzdem fortgesetzt wurde. Die ESA hat uns gebeten, die Führung bei der Entwicklung der Kamera zu übernehmen und das gesamte System zu bauen.»

CaSSIS-Projektmanagerin Ruth Ziethe, ebenfalls vom Physikalischen Institut der Universität Bern, ergänzt: «Es war eine grosse Herausforderung, die Kamera rechtzeitig fertig zu stellen. Wir hatten nur 27 Monate Zeit – normalerweise rechnet man mit 38 Monaten für ein derart kompliziertes Instrument. Das Team der Universität Bern und unsere Partner haben unglaublich hart gearbeitet, um rechtzeitig zum Starttermin fertig zu werden.»

CaSSIS wurde in Zusammenarbeit mit der italienischen Raumfahrtagentur und dem Space Research Center in Warschau sowie mit Unterstützung aus der Schweizer (RUAG Space Zurich), der italienischen und der ungarischen Industrie entwickelt.

Wenn die Sonde die Umlaufbahn des Mars erreicht, wird sie abgebremst und in einen tiefen Orbit etwa 400 Kilometer über der Oberfläche gelenkt. «Dieser Prozess wird etwa ein Jahr dauern, so dass wir die besten Daten ab Mitte 2017 erwarten», erklärt Thomas. CaSSIS wird dann beginnen, nach Hinweisen auf flüssiges Wasser auf der Marsoberfläche zu suchen sowie nach Quellen von sogenannten Spurengasen, die sowohl für die geologische als auch die biologische Erforschung des Mars von Bedeutung sein könnten.

Weitere Informationen:

http://www.unibe.ch/aktuell/medien/media_relations/medienmitteilungen/2015/medie...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Berichte zu: ESA ExoMars Gas Kamera Mars Raumfahrtagentur Wasser

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Sternenmusik aus fernen Galaxien
21.02.2017 | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

nachricht Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen
17.02.2017 | Universität Konstanz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Baukasten-System für die Linienfertigung: Die VL-Baureihe von EMAG

21.02.2017 | Maschinenbau

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort

21.02.2017 | Wirtschaft Finanzen