Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwarze Löcher und Sternhaufen: Göttinger Astrophysiker an Entwicklung von modernem 3D-Spektrographen beteiligt

01.03.2010
Eine neue optische Technologie, an deren Entwicklung auch Astrophysiker der Universität Göttingen beteiligt sind, soll zukünftig aufschlussreiche Blicke in weit entfernte Galaxien ermöglichen.

Der moderne 3D-Spektrograph MUSE (Multi Unit Spectroscopic Explorer) verbindet 24 einzelne Spektrographen zu einem komplexen Gesamtsystem und ermöglicht so Aufnahmen in bislang unerreichter Farbe und Qualität.

Die Wissenschaftler hoffen, damit Galaxien erforschen zu können, die hundert Millionen Mal schwächer leuchten als der schwächste Stern, den das menschliche Auge noch erkennen kann. Nachdem die Testphase erfolgreich abgeschlossen wurde, geht die Technologie nun in Serienproduktion.

Die Göttinger sind dabei vor allem für die komplexe mechanische Struktur und Teile der Optik zuständig. Die Herausforderung für die mechanische Konstruktion liegt in der sehr genauen Einstellung der 24 einzelnen Elemente zueinander und zur Lichtquelle: Die Justierung der gesamten Struktur muss Temperaturschwankungen, Vibrationen durch eigene Bewegung und sogar Erdbeben standhalten. "Mit Hilfe von MUSE können wir nun eine Vielzahl spannender astrophysikalischer Probleme angehen. Dazu gehört die Untersuchung von Sternen in Sternhaufen, im zentralen Bereich unserer Milchstraße und in Nachbargalaxien sowie von supermassiven schwarzen Löchern im Zentrum von Galaxien", so Prof. Dr. Stefan Dreizler, verantwortlicher Wissenschaftler für das Projekt an der Universität Göttingen.

MUSE soll ab 2012 erstmals am Paranal-Observatorium der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile zum Einsatz kommen. Dort betreiben Wissenschaftler und Ingenieure der ESO das modernste optische Instrument der Welt, das Very Large Telescope. Eine Kombination aus vier Haupt- und vier beweglichen Hilfsteleskopen ermöglicht es den Forschern dort, Details am Sternenhimmel bis zu 25 Mal genauer zu erkennen als mit einem einzelnen Teleskop.

Aufgrund seiner Konstruktion ist MUSE in der Lage, zeitgleich mosaikartig Spektren von vielen benachbarten Regionen am Himmel aufzuzeichnen. Damit können noch Galaxien am Rande des beobachtbaren Universums entdeckt werden, die viel zu schwach sind, um auf zweidimensionalen Bildaufnahmen zu erscheinen. Die Kombination der 24 Subsysteme ermöglicht ein Sichtfeld, das deutlich größer ist als das eines einzelnen Spektrographen. Außerdem lassen sich die Aufnahmen erstmals zu Bildern in mehreren Farben kombinieren. Jeder der 24 Spektrographen ist mit neu entwickelten, empfindlichen CCD-Detektoren von 4.000 mal 4.000 Pixel ausgestattet.

An der Entwicklung von MUSE arbeiten mehr als 100 Wissenschaftler und Ingenieure. Geleitet wird das Projekt vom Centre de Recherche Astrophysique in Lyon (Frankreich), neben ESO und der Universität Göttingen sind außerdem wissenschaftliche Einrichtungen in Toulouse, Zürich, Leiden und Potsdam beteiligt.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Stefan Dreizler und Dr. Harald Nicklas (Projektmanager)
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Physik, Institut für Astrophysik
Friedrich-Hund-Platz 1, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-5041 und 39-5039
E-Mail: dreizler@astro.physik.uni-goettingen.de
und
nicklas@astro.physik.uni-goettingen.de

Dr. Bernd Ebeling | idw
Weitere Informationen:
http://www.astro.physik.uni-goettingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor
23.02.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie