Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der schnellste Stern im Universum

20.12.2011
Astronomen entdecken ersten rasenden Stern außerhalb der Milchstraße
Supernova lässt Rückschlüsse aufs Tempo zu

Auf der Suche nach ihrer Spezialität – bisher unbekannten „Geistergalaxien“ – haben RUB-Astronomen einen Sensationsfund gemacht: Sie entdeckten einen rasend schnellen massereichen Stern, den ersten außerhalb unserer eigenen Galaxie. Und er ist auch noch der schnellste, den man bisher nachweisen konnte.

850 Kilometer pro Sekunde muss er mindestens zurückgelegt haben, bevor er in einer Supernova explodiert ist. Über ihren Fund berichten Peter-Christian Zinn und PD Dr. Dominik Bomans im Fachmagazin „Astronomy & Astrophysics“.

Einen ausführlichen allgemeinverständlichen Beitrag mit Bildern finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität.

... mehr zu:
»Galaxie »LSB-Galaxie »Supernova »Universum

Beitrag mit Bildern im Internet

Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie online unter: http://www.rub.de/rubin

Detektivarbeit: Die Suche nach der Heimat toter Sterne

Um sog. Low Surface Brightness (LSB) Galaxien zu finden, suchten sich die Forscher Supernovae – Explosionen massereicher Sterne mit extremer Helligkeit – aus einem internationalen Katalog heraus, die scheinbar im Nichts stattgefunden haben. Denn Sterne entstehen nicht im Nichts, sie brauchen Materie. „Eine mögliche Lösung für die rätselhaften Supernovae im scheinbaren Nichts ist daher, dass die Sterne zuvor Teil einer LSB-Galaxie waren, der wir so auf die Spur kommen können“, erklärt Dr. Bomans. In keinem der fünf untersuchten Fälle fanden die Forscher aber eine solche LSB-Galaxie. Sie gingen weiter detektivisch vor und beobachteten die entsprechenden Himmelsregionen im Bereich von UV- und Radiowellen. So kann man feststellen, ob Galaxien vielleicht jenseits des sichtbaren Lichts viel größer sind als bisher angenommen, so dass eine scheinbar entfernt von der Supernova liegende Galaxie sich aufgrund ihrer Ausdehnung doch noch als Heimat des explodierten Sterns entpuppen kann. Einige Fälle konnten sie so aufklären.

Medaille um den Grabstein

Doch ein Fall, die Supernova 2006bx, blieb weiter ungelöst. „Der zugrunde liegende Stern war mit hoher Wahrscheinlichkeit superschnell, ein so genannter Hyper Velocity Star“, folgert Peter-Christian Zinn. Solche Sterne nehmen vermutlich eine extrem hohe Geschwindigkeit auf, wenn sie besonders nah am zentralen Schwarzen Loch einer Galaxie vorbei fliegen. Anhand der Supernova berechneten die Forscher die Masse der Sterns – etwa acht bis 20 Sonnenmassen. Solche massereichen Sterne sind mit „nur“ ca. 30 Millionen Jahren Lebensdauer vergleichsweise kurzlebig. Setzt man nun die wahrscheinliche Lebensdauer des Sterns in Relation mit der Entfernung von seiner Ursprungsgalaxie, kann man auf sein Tempo zurückschließen: 850 Kilometer pro Sekunde muss der Stern zurückgelegt haben – mindestens. Denn je nachdem, in welchem Winkel er sich zum beobachteten Ort seiner Supernova bewegt hat, könnte die Strecke, die er in seinem Leben zurückgelegt hat, sogar noch länger sein. „Damit ist er der schnellste bisher bekannte Stern überhaupt“, sagt Peter-Christian Zinn, und sinniert: „Das ist jetzt so, als würden wir einem Sprinter die Medaille um den Grabstein hängen.“

Titelaufnahme

Peter-Christian Zinn, Philipp Grunden, Dominik J. Bomans: Supernovae without host galaxy? - Hypervelocity stars in foreign galaxies. In: Astronomy & Astrophysics, November 11, 2011, http://arxiv.org/abs/1109.4717v2

Weitere Informationen

Peter-Christian Zinn, Astronomisches Institut der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26085, E-Mail: zinn@astro.rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin
http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin-winter-2011/beitraege/beitrag6.html

Weitere Berichte zu: Galaxie LSB-Galaxie Supernova Universum

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

nachricht Quantenreibung: Jenseits der Näherung des lokalen Gleichgewichts
01.12.2016 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie