Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schneller speichern auf runden Oberflächen

09.09.2008
Professur Oberflächen- und Grenzflächenphysik der TU Chemnitz forscht in einem bilateralen Projekt gemeinsam mit der University of California, Santa Cruz

Bis zu zehnmal schneller könnten magnetische Datenspeicher schalten, wenn sie aus einer Grundsubstanz aufgebaut werden, die nicht wie bisher aus flachen, sondern aus runden Bauteilen besteht - das zumindest hoffen Wissenschaftler um Prof. Dr. Manfred Albrecht, Inhaber der Professur Oberflächen- und Grenzflächenphysik an der TU Chemnitz.

In einem bilateralen Projekt forschen sie gemeinsam mit Physikern der US-amerikanischen University of California Santa Cruz. "Die Kollegen aus Santa Cruz bringen die Expertise für die Analytik mit und wir steuern das Know-how bei, um die zu untersuchenden Systeme zu produzieren", erklärt Albrecht die Synergie. Erforscht werden Systeme, die aus winzigen Glaskugeln aufgebaut sind, welche mit einer Eisen-Platin-Legierung beschichtet sind. "Legierungen aus Eisen und Platin werden mit großer Sicherheit in kommenden Generationen von Speichermedien eine entscheidende Rolle spielen", schätzt Albrecht ein und erklärt: "Sie besitzen eine hohe thermische Stabilität, die dafür sorgt, dass die Daten lange erhalten bleiben können."

Vor allem geht es in dem Projekt mit dem Titel "Dynamic Properties of Curved Multilayer Nanomagnets" um die Untersuchung der so genannten Spindynamik, der Drehbewegungen kleinster magnetischer Bereiche. Geforscht wird auf der Nanometer-Skala, also mit Teilchen im Größenbereich eines Millionstel eines Millimeters. Ein Nanometer entspricht in einem Stück Metall ungefähr einer Strecke von vier benachbarten Atomen und ist etwa 20.000-mal dünner als ein menschliches Haar.

"Unsere Kollegen in Santa Cruz, die Forschergruppe rund um Prof. Dr. Holger Schmidt, sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der Spindynamik", sagt Albrecht. Mit Hilfe von ultrakurzen Laserpulsen werden die US-amerikanischen Wissenschaftler die Systeme untersuchen, die in den Laboren der TU Chemnitz entwickelt und produziert werden. "Es wäre schon ein kleiner Durchbruch, wenn wir tatsächlich eine Beschleunigung um den Faktor zehn bei der Datenspeicherung nachweisen könnten", schätzt Albrecht ein. Erreicht werden könnte diese Beschleunigung dadurch, dass die Nord-Südpol-Achsen von Magneten auf gewölbten Oberflächen in unterschiedlichen Winkeln stehen und dadurch schneller ummagnetisiert werden können, als wenn sie ausschließlich senkrecht stehen - wie es bei den bisher verwendeten flachen Oberflächen einer Festplatte der Fall ist.

Ein Datenspeicher, der sich aus Kugeln zusammensetzt, hätte auch Vorteile in der Produktion. "In der Herstellung positionieren sich die kugelförmigen Partikel in optimaler Weise - das macht die Natur ganz von alleine, was natürlich eine preiswerte Möglichkeit ist", so Albrecht.

Wie schnell können die Materialien tatsächlich ummagnetisiert werden, wie schnell schalten sie also zwischen den für die Datenspeicherung wichtigen Signalen "Null" und "Eins"? Welchen Einfluss hat die Partikelgröße? Und welche Rolle spielen die Nachbarn - schließlich kommt es zwischen den Partikeln auch zu magnetischen Anziehungs- und Abstoßungskräften? Diesen Fragen gehen die Forscher nach.

Das Gemeinschaftsprojekt wird für drei Jahre mit 310.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der National Science Foundation (NSF) der USA im Rahmen des Programms "Materials World Network" gefördert. Neben der Forschung ist ein verstärkter Austausch zwischen der TU Chemnitz und der University of California Santa Cruz Ziel des Projektes. "Es ist beispielsweise ein Workshop in Chemnitz geplant und es wird einen intensiven Studentenaustausch geben. Ein guter Teil der Fördermittel ist für Forschungsaufenthalte vorgesehen", so Albrecht.

Weitere Informationen erteilt:
Prof. Dr. Manfred Albrecht,
Telefon 0371 531-36831,
E-Mail manfred.albrecht@physik.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos | TU Chemnitz
Weitere Informationen:
http://www.tu-chemnitz.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Schnell wachsende Galaxien könnten kosmisches Rätsel lösen – zeigen früheste Verschmelzung
26.05.2017 | Max-Planck-Institut für Astronomie

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften