Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rosetta: Noch 100 Kilometer bis zum «Touchdown»

06.08.2014

Die Raumsonde Rosetta nähert sich heute auf 100 Kilometer ihrem Zielkometen «Chury» an. Nach zehn Jahren Reise kann sie mit dem Instrument ROSINA der Universität Bern bald die ersten Moleküle aus dem Gasschweif des Kometen «riechen».

«Wir haben die Umlaufbahn des Kometen Chury um die Sonne erreicht», sagt Kathrin Altwegg vom Center for Space and Habitability (CSH) der Universität Bern. Altwegg ist Projektleiterin des Instruments ROSINA, das am CSH entwickelt wurde und die Gase des Kometen untersuchen soll.


Der Komet, der aussieht wie eine Gummiente: Churyumov-Gerasimenko aus einer Distanz von 1'000 km, von OSIRIS fotografiert.

Bild: ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA


Eines der ROSINA-Zwillingsinstrumente am Berner Center for Space and Habitability (CSH). Es dient dazu, Messungen mit ROSINA im All vorher 1:1 zu testen.

Bild: Universität Bern

ROSINA besteht aus zwei Massenspektrometern und einem Drucksensor und soll unter anderem die Frage beantworten, ob Kometen Wasser und organische Moleküle auf die Erde gebracht haben. Organische Moleküle dienten als Grundbausteine für die Entwicklung von Leben auf der Erde.

Auf der Umlaufbahn des Kometen Churyumov-Gerasimenko wird Rosetta abgebremst, da sie sonst an ihrem Ziel vorbeischiessen würde. Ihre Relativgeschwindigkeit zum Kometen beträgt nun weniger als einen Meter pro Sekunde.

«Das sind unter drei Kilometer pro Stunde, sie ist also langsamer unterwegs als ein Fussgänger», sagt Annette Jäckel, wissenschaftliche Mitarbeiterin im ROSINA-Projekt. Rosetta wird nun für längere Zeit über dem Kometen auf der Sonnenseite fliegen.

«Für die nächsten zwei Wochen schauen wir uns den Kometen aus einer Distanz von 100 Kilometern an», sagt Jäckel. «Das entspricht dem Alpenmassiv Eiger, Mönch und Jungfrau von Zürich aus gesehen.» Dann nähert sich Rosetta auf eine Distanz von 50 Kilometern – was einer Distanz von Bern aus entspricht – bis sie Anfang September in eine gebundene Umlaufbahn um den Kometen einbiegen wird, was einer Distanz von 30 Kilometern oder Thun entspricht.

Auf der Suche nach einem Landeplatz

Rosettas erstes Ziel in dieser Phase ist es, den Kometen dreidimensional zu vermessen und einen Landeplatz für das Landemodul «Philae» zu finden, das im November auf dem Kometen aufsetzen wird.

Für die Vermessung kommt Rosettas hochauflösende Kamera OSIRIS zum Einsatz. Ebenfalls mit Berner Beteiligung: OSIRIS wurde von Nicolas Thomas vom CSH mitentwickelt. «Die Bilder zeigten bereits, dass der Komet eine aussergewöhnliche, zweigeteilte Form hat. Ausserdem sehen wir Hinweise auf einzelne Eisflächen und auf ein Ausgasen der Oberfläche», sagt Thomas.

Der Landeplatz soll auf der Sommerhalbkugel des Kometen liegen, damit das Landemodul seine Batterien aufladen kann, sodann darf es nicht zu viele Löcher und Steine geben, ebenso keine Krater. «Auch nicht zu viel Gas, damit das Landemodul nicht weggeblasen wird – und das zu prüfen, ist wiederum eine Aufgabe für ROSINA», sagt Jäckel.

ROSINA hat bereits während der Reise zum Kometen Messungen vorgenommen und funktioniert laut ihrem «Betreuer-Team» gut. «Mit grosser Wahrscheinlichkeit können wir spätestens Mitte August bereits die ersten kometären Moleküle messen», freut sich Jäckel. «Jetzt geht es definitiv los!»

Das Berner Team hat viel zu tun: Es gilt in den nächsten Wochen und Monaten die Messungen von ROSINA gemäss den wissenschaftlichen Vorgaben vorzubereiten und zu testen, sowie die bereits erhaltenen Messdaten auszuwerten.

Die Untersuchungen des Berner Teams

ROSINA (das Rosetta Orbiter Spektrometer für Ionen- und Neutralgas-Analyse) ist eines der Schlüsselexperimente der Rosetta-Mission. Die beiden Massenspektrometer und der Drucksensor bestimmen unter anderem die molekulare Zusammensetzung der Koma, der Gasschicht um den Kometenkern, sowie die Temperatur und Geschwindigkeit des Gases. Dies gibt Aufschlüsse über den Ursprung von Kometen und damit auch auf den Ursprung unseres Sonnensystems.

OSIRIS ist das wichtigste bildgebende System von Rosetta und besteht aus einer Weitwinkel- und einer Engwinkelkamera mit gemeinsamer Steuerung. Es ermöglicht hochauflösende Bilder vom Kometenkern und der Koma, die vom CSH gemeinsam mit einem internationalen Team ausgewertet werden.

Weitere Informationen:

http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/index_ger.ht...

Nathalie Matter | Universität Bern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Vorstoß ins Innere der Atome
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für Quantenoptik

nachricht Quanten-Wiederkehr: Alles wird wieder wie früher
23.02.2018 | Technische Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics