Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rosetta-Landung auf Kometenkern: Spurensuche nach dem Ursprung des Lebens

11.11.2014

Bremer Wissenschaftler sind an einem zentralen Experiment der Kometensonde zur Suche nach den molekularen Bausteinen des Lebens auf dem Kometenkern beteiligt.

Vor mehr als zehn Jahren ist die Rosetta-Sonde der europäischen Weltraumorganisation ESA auf Kometenmission geschickt worden. Der Auftrag: Die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems erforschen und der Frage nach dem Ursprung des Lebens nachgehen. Nun steht der spannendste Moment der Rosetta-Mission unmittelbar bevor.

Am 12. November 2014 wird das Landegerät Philae der Rosetta gegen 17 Uhr auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aufsetzen. Wenn alles klappt, wird dies die erste kontrollierte Landung auf dem Kern eines Kometen sein.

Auch Wissenschaftler der Uni Bremen fiebern diesem Moment entgegen. Die Chemiker Professor Wolfram Thiemann (Uni Bremen), Professor Uwe Meierhenrich (früher Uni Bremen, heute Uni Nizza) und Dr. Jan Hendrik Bredehöft (Uni Bremen) sind an dem zentralen Experiment des Landegerätes zur Suche nach den molekularen Bausteinen des Lebens auf dem Kometenkern beteiligt.

Ihr besonderes Interesse richtet sich auf ein Instrument namens COSAC (Cometary Sampling and Composition Experiment) an Bord der Rosetta-Landeeinheit, welches organische Moleküle in dem Kometeneis suchen und untersuchen wird.

Dieses Gerät wurde an der Universität Bremen von den drei Bremer Forschern unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen mitentwickelt. Die Bremer Wissenschaftler zeichnen für den Chiralitäts-Teil des Experimentes verantwortlich. Thiemann und Meierhenrich werden zur Rosetta-Landung in Köln am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) zugegen sein. Von hier wird die Landung kontrolliert.

COSAC: ein wissenschaftlich einmaliges Gerät

Das COSAC-Gerät ist wissenschaftlich einmalig, indem neben organischen Molekülen auch deren Chiralität bestimmt werden soll. Diese Eigenschaft der „Händigkeit“ lässt zwischen belebter und unbelebter Materie unterscheiden. Sie dient einem genaueren Verständnis der chemischen Evolution organischer Moleküle, wie sie zum Ursprung des Lebens auf der Erde beigetragen haben.

Die Bremer Wissenschaftler benötigen zur Durchführung ihres Experimentes eine erfolgreiche Landung auf dem Kometenkern sowie eine stabile Verankerung der Landeeinheit auf der Oberfläche des Kometenkerns. Am dritten Kometentag nach der Landung (ein Kometentag dauert 12 Stunden) wird das COSAC Experiment erstmals durchgeführt werden und die Suche nach extraterrestrischen organischen Molekülen und deren Chiralität beginnt.

Was ist Chiralität?

Die Chiralität beschreibt ein von Biomolekülen her gut bekanntes Phänomen. Man weiß, dass sich Biomoleküle aus Bausteinen zusammensetzen, die einheitlich entweder ausschließlich rechts- oder ausschließlich linkshändig sind. Beispielsweise sind Eiweiße (Proteine) ausschließlich aus L-Aminosäuren aufgebaut, wohingegen deren Spiegelbilder, die D-Aminosäuren, in Eiweißen keine Verwendung finden. Auf ähnliche Weise nutzen sowohl die Kohlenhydrate wie auch die DNA ausschließlich D-Zucker und haben keine Verwendung für etwaig vorkommende L-Zucker Einheiten.

Eine zentrale wissenschaftliche Frage ist nun, wie zu Beginn der biologischen Evolution die rechts-/links-Symmetrie gebrochen werden konnte, um die molekularen Bausteine des Lebens einheitlich entweder in rechts- oder in links-Form generieren zu können. Heute sprechen viele Gründe dafür, dass dieser Symmetriebruch nicht erst auf der frühen Erde, sondern bereits im interstellaren Raum stattfand. In solchem Falle sollten diejenigen Moleküle, die wie Aminosäuren oder Zucker das Phänomen der Händigkeit (griechisch: Chiralität) aufweisen, im Kometenmaterial in rechts- oder links-Form in ungleicher Menge nachgewiesen werden.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Fachbereich Biologie / Chemie
Prof. Wolfram Thiemann
Tel.: 0421-218-63211
E-Mail: thiemann@uni-bremen.de

Prof. Uwe Meierhenrich
Universität Nizza
Tel.: +33 (0) 492 076177
E-Mail: uwe.meierhenrich@unice.fr
Twitter: @MhenriU

Dr. Jan Hendrik Bredehöft
Universität Bremen
Fachbereich Biologie / Chemie
Tel.: 0421-218-63201
E-Mail: jhbredehoeft@uni-bremen.de

Eberhard Scholz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bremen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Kühler Zwerg und die sieben Planeten
23.02.2017 | ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie

nachricht Nanoinjektion steigert Überlebensrate von Zellen
22.02.2017 | Universität Bielefeld

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

23.02.2017 | Medizin Gesundheit

Viren unterstützen Fotosynthese bei Bakterien – Vorteil in der Evolution?

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Katalyse in der Maus

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie