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Das rosarote Glimmen der Sterngeburt

30.03.2011
Bildveröffentlichtung der Europäischen Südsternwarte - Eine neue Aufnahme des Very Large Telescope der ESO zeigt eine lebhaft rötlich leuchtende Wolke aus glühendem Wasserstoff in der Umgebung des Sternhaufens NGC 371, einer Sternkinderstube in einer unserer Nachbargalaxien, der Kleinen Magellanschen Wolke.

Auf den ersten Blick erinnert das hier gezeigte Objekt fast an eine Blutlache. Doch tatsächlich geht es bei solchen Nebeln aus ionisiertem Wasserstoff – die Astronomen nennen sie „HII-Regionen“ – nicht um den Tod, sondern um die Geburt von Sternen, denn das Leuchten dieser Nebel ist sicheres Zeichen, dass dort gerade eine gehörige Anzahl neuer Sterne entsteht. Typischer Weise entstammen Sterne eines offenen Sternhaufens alle der gleichen HII-Region.


Der in einen Nebel eingebettete Sternhaufen NGC 371. Bild: ESO/Manu Mejias

Mit der Zeit wird bei der Sternentstehung der größte Teil des Wasserstoffgases verbraucht, bis nur noch eine diffuse Gasschicht in den Außenregionen des Haufens übrig bleibt. Genau dies sehen wir bei NGC 371: einen offenen Sternhaufen mit einer HII-Region, die bereits bis auf eine diffuse, schalenartige Struktur verbraucht ist.

Die Heimatgalaxie von NGC 371 ist die Kleine Magellansche Wolke. Diese Zwerggalaxie ist nur rund 200.000 Lichtjahre von uns entfernt, und damit einer der nächsten Nachbarn unserer Milchstraße. Die Kleine Magellansche Wolke enthält Sterne fast aller Altersklassen, von den jungen, sehr leuchtkräftigen Sternen in NGC 371 und bis hin zu Sternleichen in Supernovaüberresten. Leuchtkräftige Sterne geben in ihrer Jugend große Mengen an ultravioletter Strahlung ab. Die wiederum regt Gas in der Umgebung der Sterne, etwa das nicht bei der Sternentstehung verbrauchte Material, über Entfernungen von mehreren hundert Lichtjahren zu einem farbenfrohen Leuchten an. Genau dieses Leuchten verleiht dem hier gezeigten Bild, das mit dem Instrument FORS1 am ESO Very Large Telescope (VLT) aufgenommen wurde, seinen besonderen ästhetischen Reiz.

Offene Sternhaufen sind keineswegs seltene Objekte, und auch in unserer Milchstraße finden sich mehrere eindrucksvolle Exemplare. NGC 371 ist jedoch ein besonders interessantes Beispiel, da er eine große Zahl von veränderlichen Sternen enthält, also von Sternen, deren Helligkeit im Verlauf der Zeit schwankt. Ein spezieller Typ von veränderlichen Sternen, die Astrophysiker als „langsam pulsierende B-Sterne“ bezeichnen, kann mittels Asteroseismologie [1] für die Untersuchung des inneren Aufbaus solcher Sterne herangezogen werden. In NGC 371 finden sich gleich mehrere Sterne dieses Typs. Auch andere Arten veränderlicher Sterne spielen eine Schlüsselrolle in der Astronomie: Sie ermöglichen beispielsweise die Vermessung der Entfernungen zu anderen Galaxien und helfen so bei der Bestimmung des Alters des Universums.

Die Rohdaten für das hier gezeigte Bild wurden von Manu Mejias im Rahmen des “Hidden Treasures”-Wettbewerbes [2] aus dem ESO-Archiv ausgewählt. Drei von Manus Bildern erreichten Platzierungen unter den ersten 20, und sein Bild von NGC 371 erreichte sogar den sechsten Platz im Wettbewerb.

Endnoten

[1] Die Asteroseismologie ermöglicht durch die Untersuchung der Oberflächenschwingungen der Sterne Rückschlüsse auf ihren inneren Aufbau. Dieses Vorgehen ähnelt der Untersuchung des Erdinneren durch die Beobachtung der Ausbreitung von Erdbebenwellen.

[2] Der Wettbewerb “ESO’s Hidden Treasures 2010” bot Amateurastronomen die Möglichkeit, das große Archiv astronomischer Daten der ESO nach einem sprichwörtlichen Rohdiamanten zu durchsuchen, der zu einem Schmuckstück geschliffen werden musste. Die Teilnehmer reichten nahezu 100 Bilder bei der ESO ein. Die zehn talentiertesten Bildkünstler gewannen wertvolle Preise. Hauptgewinn war eine Reise zum Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile. Die insgesamt zehn Gewinner reichten bei dem Wettbewerb die 20 höchstbewerteten Bilder ein.

Zusatzinformationen

Der FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph (wörtlich "Brennweitenreduzierer und niedrigauflösender Spektrograf") ist das vielseitigste Instrument des Very Large Telescope. Die Kombination aus astronomischer Kamera und Spektrograf wurde gemeinsam von den Universitätssternwarten in Heidelberg, Göttingen und München und der ESO entwickelt und gebaut. FORS war eines der ersten Instrumente, das am Very Large Telescope installiert wurde.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson@mpia.de
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1111/

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