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Rohr frei! Elektromagnetische Felder schützen vor Kalk

09.11.2012
Fast zwei Jahre lang haben sie gemeinsam im Feld der physikalischen Wasserbehandlung geforscht und entwickelt:

Das Labor für Leistungselektronik und Elektrische Antriebe (LLA) der Hochschule OWL in Lemgo und das Wassertechnologie-Unternehmen aqua-fair GmbH aus Bad Wünnenberg. Herausgekommen ist eine neue Technologiekonzeption und leistungsfähige Gerätegeneration, die große industrielle und gewerbliche Anlagen zuverlässig vor harten Ablagerungen schützen kann.

Auf Basis der Nanokristallbildung durch elektromagnetische Induktion, rein ökologisch, ganz ohne Chemie. Möglich gemacht hat dies das mittelständische Innovationsprogramm ZIM des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Es ist bekannt, dass harte Ablagerungen wie Kalk an Anlagen und Geräten jährlich hohe Schäden und Kosten verursachen. Häufig müssen ganze Systeme saniert werden oder hohe Summen in Salze, Reinigungsmittel, Wartungszeiten und ähnliches investiert werden. Besonders industrielle und gewerbliche Anlagen, wie beispielsweise Kühltürme, Waschanlagen oder Wärmetauscher sind in einem hohen Maße betroffen. Diesen Markt hat aqua-fair bereits seit langem im Visier.

Die großen Wassermengen und Rohrdurchmesser haben jedoch bisher einige Probleme bereitet. Gemeinsam ist es Wissenschaftlern der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und aqua-fair nun gelungen, die geforderten Parameter (Elektronik- und Spulenkonzeption, Induktivität) so zu entwickeln, dass für die verschiedenen Behandlungsdimensionen ein brandneues modulares System zur Verfügung steht, bereit, den Markt der physikalischen Wasserbehandlung zu erobern. Ein echtes Erfolgsbeispiel aus dem Förderprogramm ZIM.

„Wir erhoffen uns den Durchbruch für unsere Technologie“, so Hans-Jörg Rother, Geschäftsführer der aqua-fair GmbH. „Die physikalische Wasserbehandlung ist seit Jahren kontrovers diskutiert, besonders das Verfahren der elektromagnetischen Induktion. Vielfach wurde es in den Bereich der Esoterik und Scharlatanerie gerückt und damit war es äußerst schwer, im Markt Fuß zu fassen. Professor Holger Borcherding und sein Team sind jedoch unvoreingenommen an die gestellte Forschungsaufgabe herangegangen. Nur so kann Neues entstehen.“

„Wir nutzen ein einfach erscheinendes, jedoch komplex ablaufendes physikalisches Wirkprinzip“, so Hans-Jörg Rother weiter. „Es gibt einen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und mineralogischen Kristallisationsphänomenen, d.h. elektromagnetische Impulse beeinflussen die kristalline Struktur der im Wasser vorkommenden Mineralien, wie beispielsweise Calciumcarbonat, Magnesium.“ Dies bewirkt unter bestimmten Voraussetzungen, dass sich Nanokristalle, sogenannte Kristallkeime, bilden, eine Art „unausweichliche Konkurrenz“ zu den umgebenden Rohren und Systemen:

Kalk lagert sich nun an den Kristallkeimen an. Wichtig ist, dass ausreichend viele solcher Kleinstkristalle gebildet werden. Diese Kristallisationszentren liegen im Nanometerbereich, sind also Millionstel Millimeter klein, werden schwebend im Wasser mitgeführt und richten keinen Schaden an. Das Prinzip ist noch nicht in jeder Weise wissenschaftlich entschlüsselt worden, jedoch gibt es in den letzten Jahren reichlich fundierte Untersuchungen und Forschungsliteratur dazu.

„Die Möglichkeiten der Technologie gehen jedoch noch weiter“, so Heinrich Loer, Prokurist bei aqua-fair. „Mit diesem Prinzip kann man auch die Steinbildung in der Klärschlammentwässerung, die sogenannten Struvite, erfolgreich behandeln. Feldtests im Rahmen der Forschungskooperation haben hier eindeutige Ergebnisse geliefert.“ Die Referenzliste liest sich schon jetzt gut. Namhafte Hersteller haben ihre Anlagen bereits mit den aqua-fair-Geräten ausgerüstet oder ihr Interesse bekundet.

Julia Wunderlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.hs-owl.de

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