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Ein Röntgenstroboskop für Moleküle

06.08.2013
Knapp zwei Millionen Euro erhalten Frankfurter Physiker vom BMBF für die Entwicklung eines Reaktionsmikroskops. An der stärksten europäischen Röntgenquelle XFEL bei Hamburg wollen sie damit extrem schnelle, bisher nicht beobachtbare Prozesse in Molekülen „filmen“.

Für die stärkste Röntgenquelle der Welt, die zur Zeit für über eine Milliarde Euro am Forschungszentrum DESY in Hamburg entsteht, entwickeln Frankfurter Physiker ein Reaktionsmikroskop, mit dem sie extrem schnelle Prozesse in Molekülen „filmen“ können.

Ausgangspunkt ist die in Frankfurt entwickelte spektroskopische COLTRIMS-Methode (Cold Target Recoil Ion Momentum Spectroscopy), die für diese Zwecke weiterentwickelt wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit insgesamt knapp zwei Millionen Euro.

Einzelne Atome, Moleküle oder Cluster sollen mit den sehr intensiven Laserpulsen der Röntgenquelle XFEL angeregt werden. Mit dem Reaktionsmikropskop werden dann die Richtung und Energie aller geladenen Fragmente rekonstruiert. Das Besondere ist: die Detektoren, Elektronik und Datenaufnahme sind bereits jetzt in der Lage, mehrere Teilchen gleichzeitig nachzuweisen. Durch die Kombination von COLTRIMS mit den am European XFEL zu Verfügung stehenden Lichtpulsen mit einzigartigen Intensitäten, Wiederholraten und Photonenenergien wird es erstmals möglich sein, Mehrteilchensysteme wie etwa Moleküle oder Cluster extrem effizient und kontrolliert in Teilprozesse zu zerlegen, die sich auf extrem kurzen Zeitskalen von Femtosekunden abspielen. Eine Femtosekunde ist der millionste Teil einer milliardstel Sekunde.

„Eine der großen Herausforderungen in fast allen aktuellen Forschungsgebieten der Physik und Chemie ist es, die korrelierte Dynamik von Vielteilchensystemen zu untersuchen“, erklärt Projektleiter Prof. Reinhard Dörner vom Institut für Kernphysik der Goethe-Universität. Er vergleicht die Situation mit einem Fußballspiel, von dem man mit bisherigen Methoden nur ein einziges Standbild eines einzigen Spielers aufnehmen konnte. Will man aber den Verlauf des Spiels beobachten oder gar vorhersagen, in welche Richtung ein Pass gehen wird, muss man die Positionen und Geschwindigkeiten aller beteiligten Spieler kennen. Ebenso verhält es sich, wenn man viele der grundlegenden Mechanismen in der Physik und Chemie verstehen will, sei es die Dynamik chemischer Reaktionen oder die Wechselwirkung zwischen Licht und Materie.

Informationen: Prof. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-47003; doerner@atom.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
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Redaktion: Dr. Dirk Frank, Pressereferent / stv. Leiter, Abteilung Marketing und Kommunikation, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon (069) 798 – 13753, Telefax (069) 798 – 76312531, E-Mail frank@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
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