Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

R Coronae Australis malt ein kosmisches Gemälde

30.06.2010
Die Europäische Südsternwarte veröffentlicht heute ein prachtvolles Bild der Umgebung des Sterns R Coronae Australis, das auf Aufnahmen des Wide Field Imager (WFI) am La Silla-Observatorium der ESO in Chile basiert.

R Coronae Australis befindet sich im Herzen eines nahegelegenen Sternentstehungsgebietes und ist eingehüllt in einem filigranen bläulichen Reflektionsnebel, der wiederum in eine große dunkle Staubwolke eingebettet ist. Die Aufnahme zeigt überraschende neue Einzelheiten in einer hochinteressanten Himmelsregion.


Die Himmelsregion um R Coronae Australis aufgenommen mit dem Wide Field Imager auf La Silla. Bild: ESO

Der Stern R Coronae Australis befindet sich in einem der eindrucksvollsten Sternentstehungsgebiete in unserer kosmischen Nachbarschaft. Dieses Portrait des Nebels – zusammengesetzt aus zwölf Einzelbildern, die mit roten, grünen und blauen Farbfiltern aufgenommen wurden – stammt vom Wide Field Imager (WFI), einer astronomischen Kamera mit besonders großem Blickfeld am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop auf La Silla.

Das Bild deckt am Himmel einen Bereich im Sternbild Corona Australis (südliche Krone) ab, der in etwa der scheinbaren Größe des Vollmonds am Nachthimmel entspricht. Bei der Entfernung des Nebelgebiets von etwa 420 Lichtjahren entspricht das einem wahren Durchmesser von ungefähr vier Lichtjahren. Der Nebel ist nach dem Stern R Coronae Australis benannt, der sich in der Bildmitte befindet: einem von vielen jungen Sternen in dieser Himmelsregion, deren Helligkeit sich nach ihrer Entstehung immer noch unregelmäßig ändert, und die noch von Überresten der Gas- und Staubwolken umgeben sind, in denen sie geboren wurden.

Die Wechselwirkung der starken Strahlung der heißen, jungen Sterne mit Gas und Staub in ihrer Umgebung erzeugt die prächtigen Farben der Nebelgebiete. Das Licht wird dabei, abhängig von der Physik des interstellaren Mediums und den Sterneigenschaften, entweder direkt reflektiert oder absorbiert und bei einer anderen Wellenlänge wieder abgestrahlt. Reflexion des Sternenlichts an kleinen Staubteilchen ist die Hauptursache des bläulichen Leuchtens des Nebels in dem nun veröffentlichten Bild. Die jungen Sterne in der Umgebung von R Coronae Australis sind in etwa so massereich wie die Sonne und senden nicht genug ultraviolettes Licht aus, um einen bedeutenden Teil des Wasserstoffs in ihrer Umgebung zu ionisieren. Daher leuchtet die Wolke nicht in den typischen rötlichen Farbtönen, die man von vielen anderen Sternentstehungsgebieten kennt.

In der riesigen Staubwolke, in die der Reflexionsnebel eingebettet ist, werden auf den neuen Aufnahmen in eindrucksvoller Weise feinste Details sichtbar. Die zarten Farbschattierungen und die verschiedenartigen Strukturen der Staubwolken erinnern an ein impressionistisches Gemälde. Ein auffälliger dunkler Streifen durchzieht das Bild von der Mitte nach unten links: Dort wird das sichtbare Licht, das die im Wolkeninneren frisch neu entstandenen Sterne aussenden, komplett vom dichten Staub absorbiert. Die Sterne selbst lassen sich nur mithilfe einer Kamera nachweisen, die bei längeren Wellenlängen arbeitet und Infrarotstrahlung messen kann.

Der Stern R Coronae Australis selbst ist nicht mit bloßem Auge sichtbar. Sein Heimatsternbild, das die Form eines Diadems hat, läßt sich aber von südlichen Breiten aus an dunklen Standorten leicht finden. Es liegt unterhalb der dichten Sternansammlungen im Sternbild Schütze, in Richtung des Zentrums der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie.

Weitere informationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network
Haus der Astronomie
Tel.: (06221) 528 226
E-Mail: eson(at)mpia.de
Richard Hook
PR-Beauftragter für die ESO-Durchmusterungsteleskope
ESO Garching
Tel.: (089) 3200 6655
E-Mail: rhook(at)eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/news/eso1027/ -
http://www.eso.org/public/news/eso0031/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Empfindlichkeits-Rekord bei der Suche nach Dunkler Materie - XENON1T setzt neue Grenzen für „WIMPs“
28.05.2018 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

nachricht Organische Leuchtdioden werden heller und stabiler
28.05.2018 | Technische Universität Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: CEBIT 2018: DFKI präsentiert innovatives Exoskelett für die robotergestützte Rehabilitation

Robotische Systeme spielen für die medizinische Rehabilitation eine immer größere Rolle. Auf der CEBIT-Expo vom 12. bis 15. Juni 2018 in Hannover‎ stellt das Robotics Innovation Center des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Halle 27, Stand F62, das Projekt Recupera REHA vor. Darin gelang dem von Prof. Dr. Dr. h.c. Frank Kirchner geleiteten DFKI-Forschungsbereich ein Durchbruch auf dem Gebiet der Rehabilitationsrobotik: Gemeinsam mit der rehaworks GmbH entwickelte es ein mobiles Exoskelett für die Oberkörperassistenz speziell zur robotergestützten Therapie nach einem Schlaganfall.

Über drei Jahre arbeitete ein interdisziplinäres Forscherteam des DFKI an einem tragbaren Ganzkörper-Exoskelett, das der äußeren Unterstützung des menschlichen...

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

12. COMPAMED Frühjahrsforum: Innovative Herstellungsverfahren moderner Implantate

28.05.2018 | Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

CEBIT 2018: DFKI präsentiert innovatives Exoskelett für die robotergestützte Rehabilitation

28.05.2018 | CeBIT 2017

IAB-Arbeitsmarktbarometer sinkt zum zweiten Mal in Folge

28.05.2018 | Wirtschaft Finanzen

Elektrifizierendes Bettgeflüster von Messerfischen in freier Wildbahn belauscht

28.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics