Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Präzise Bilder vom Mond

10.03.2009
Höchst genaue, erste topographische "Mondkarte" in "Science" veröffentlicht / TU-Forscher in japanische Weltraummission involviert

Der Mond ist zwischen 363.200 und 405.500 Kilometer von der Erde entfernt und damit so "nah", dass der Erdtrabant, der ja schon von Menschen betreten wurde, als recht gut erforscht gilt.

Über seine Entstehung und verschiedene Geländeformen wissen die Forscher jedoch noch relativ wenig. An einer spannenden aktuellen Mondmission sind auch Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin beteiligt.

Die japanische Mondsonde Kaguya (Selene), die seit September 2007 auf ihrer Mission den Mond umkreist, sammelt mit 15 Instrumenten Daten, um die Geheimnisse des Ursprungs, der Entstehung und der Entwicklung des Himmelskörpers zu enträtseln. Bei der Auswertung der Daten des Laser-Höhenmessgerätes an Bord der Sonde ist das Know-how von Prof. Dr. Jürgen Oberst gefragt. Der Wissenschaftler forscht am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und ist Professor am Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik an der TU Berlin. Sein Fachgebiet dort umfasst die Planetengeodäsie.

Eine höchst genaue, erste topographische Mondkarte ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des Berliner Spezialisten mit der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Am 13. Februar wurden die Artikel, Bilder und Daten der Karte in der angesehenen amerikanischen Wissenschaftsfachzeitschrift "Science" veröffentlicht.

"Das Besondere an den neuen Bildern ist ihre hohe Auflösung", berichtet Professor Oberst. Der Laser-Altimeter (LALT) liefere Bilder mit einer Genauigkeit von fünf Metern bis zu einem Meter - bisherige Messungen dieser Art waren nur auf 100 Meter präzise. Das Höhenmessgerät sei so konzipiert worden, dass es aus einer Höhe von 100 Kilometern zur Mondoberfläche Laserimpulse senkrecht nach unten sendet. Mit Hilfe eines Teleskopes werden ihre Reflektionen wieder "eingefangen". Anhand der Zeit, die das Licht vom Aussenden bis zur Rückkehr zur Sonde benötigt, können die Wissenschaftler Höhenprofile der Mondlandschaft errechnen und die Oberfläche plastisch darstellen. Die Aufgabe von Jürgen Oberst besteht darin, die Daten-Kolonnen in eine bildliche Darstellung zu übersetzen. "Kaguya konnte auch erstmals Details der Pole des Mondes abbilden", berichtet Oberst.

Bei Kaguya handele es sich um den wissenschaftlich anspruchsvollsten Flug zum Mond seit den Apollo-Missionen in den Jahren 1969 bis 1972. Spannende Videos der Mission, etwa vom Aufgang der Erde aus Mondsicht, gibt es inzwischen sogar auf dem Videoportal Youtube: Ein japanischer Fernsehsender hatte die erste HDTV-Kamera mit auf die Reise geschickt, die spektakuläre Bilder einer Halbschattenfinsternis des Mondes, die von der Erde aus nicht zu beobachten ist, geliefert hat.

Seine Erfahrungen bei der Analyse physikalischer Eigenschaften und der Kartierung von Planeten machen Jürgen Oberst zum gefragten Spezialisten vieler internationaler Projekte. So ist er auch an der "Mars Express Mission" der europäischen Raumfahrtbehörde ESA beteiligt, wertet Daten der "High Resolution Stereo Kamera" aus und analysiert den Output der Merkur-Mission MESSENGER der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA.

Doch die nächste Mondmission steht unmittelbar bevor: Bereits im Mai wird die NASA ihren "Lunar Reconnaissance Orbiter" ins All schicken. Mit hochauflösenden Kameras und einem Laser-Altimeter sollen alte Landeplätze fotografiert und vermessen werden. "Die Amerikaner wollen neue Landeplätze für künftige bemannte Mondmissionen finden", erläutert Oberst, der auch an diesem Projekt beteiligt ist.

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. phil. nat. Jürgen Oberst, Technische Universität Berlin, Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik, Tel.: 030/314-79701 / -23205, Fax: 030/314-21973, E-Mail: oberst@igg.tu-berlin.de, juergen.oberst@dlr.de, Homepage: www.igg.tu-berlin.de.

Weiterführende Links:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Berlin-Adlershof:
www.dlr.de/desktopdefault.aspx/
Japanische Raumfahrtagentur:
http://www.jaxa.jp/index_e.html
Halbschattenfinsternis des Mondes:
http://space.jaxa.jp/movie/20090218_kaguya_movie01_e.html
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=54931
http://www.igg.tu-berlin.de
http://www.dlr.de/desktopdefault.aspx/
http://www.jaxa.jp/index_e.html
http://space.jaxa.jp/movie/20090218_kaguya_movie01_e.html
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=54931

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Heiß & kalt – Gegensätze ziehen sich an
25.04.2017 | Universität Wien

nachricht Astronomen-Team findet Himmelskörper mit „Schmauchspuren“
25.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Im Focus: Making lightweight construction suitable for series production

More and more automobile companies are focusing on body parts made of carbon fiber reinforced plastics (CFRP). However, manufacturing and repair costs must be further reduced in order to make CFRP more economical in use. Together with the Volkswagen AG and five other partners in the project HolQueSt 3D, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) has developed laser processes for the automatic trimming, drilling and repair of three-dimensional components.

Automated manufacturing processes are the basis for ultimately establishing the series production of CFRP components. In the project HolQueSt 3D, the LZH has...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

200 Weltneuheiten beim Innovationstag Mittelstand in Berlin

26.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Wie digitale Technik die Patientenversorgung verändert

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Akute Myeloische Leukämie: Ulmer erforschen bisher unbekannten Mechanismus der Blutkrebsentstehung

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Naturkatastrophen kosten Winzer jährlich Milliarden

26.04.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Zusammenhang zwischen Immunsystem, Hirnstruktur und Gedächtnis entdeckt

26.04.2017 | Biowissenschaften Chemie