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Mit Plasma auf den Zahn gefühlt

05.07.2010
In Greifswald kooperieren Leibniz-Forscher und Uni im Rahmen von PlasmaDent

Scheinbar harmlose Probleme wie Zahnfleischerkrankungen oder Entzündungen des Zahnfleisches sollten von niemandem auf die leichte Schulter genommen werden.

Bakterien, die in der Mundhöhle leben, können im gesamten Organismus Unheil anrichten. Sie gelangen vom Mund in die Blutbahn und belasten das Immunsystem. Das wehrt sich, und im schlimmsten Fall werden nicht nur die Bakterien getötet, sondern auch der Zahnhalteapparat und der Kieferknochen abgebaut.

Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) und Zahnmediziner der Universität Greifswald untersuchen seit Juli 2008 in einem gemeinschaftlichen Projekt, wie Plasma in der Zahnmedizin, beispielsweise bei Zahnfleischerkrankungen, wirkungsvoll eingesetzt werden kann. PlasmaDent, so der Titel des Leitthemas, läuft im Rahmen des Campus PlasmaMed, einem vom BMBF geförderten Projekt, in dem es um anwendungsorientierte Forschung zum Einsatz von Niedertemperaturplasmen in der Medizin geht.

Die Forscher zeigten in ihren Experimenten die antimikrobielle Wirkung von Plasma auf planktonische Erreger, so bezeichnet man freibewegliche Mikroorganismen, die z. B. in menschlichem Speichel vorkommen. Hierzu strichen sie Testkeime auf kleine Petrischalen mit einem Nährboden für Bakterien aus und behandelten sie mit Plasma. Sie wiesen bakterienfreie Zonen nach. Im Mund leben die Bakterien in Biofilmen, der sogenannten Plaque. Das ist jener Belag, den wir am Morgen von unseren Zähnen bürsten. Die Erreger sind dabei in eine Kohlenhydratmatrix, die sie vor Umwelteinflüssen und antimikrobiellen Substanzen schützt, eingebettet. Dagegen kommen auch die handelsüblichen Antiseptika nicht ohne weiteres an. Plasma könnte diese Probleme lösen.

Mit Plasma Entzündungen vorbeugen

Es gibt so gut wie keinen Bereich, in dem Plasma nicht auf die eine oder andere Weise eingesetzt wird. Seine einzigartigen Eigenschaften sind Grundlagen für viele technische Anwendungen. Wenn es nach den Wissenschaftlern des INP und der Universität Greifswald geht, sollen mit Plasmen auch bald solche Probleme in der Zahnheilkunde gelöst werden, die bisher nur sehr zeitaufwendig und schmerzhaft durchgeführt werden konnten.

Das gilt zum Beispiel für die Parodontitis. Der auf dem Zahn befindliche Biofilm verursacht eine Entzündung, die zu Zahnfleischtaschen und Knochenabbau führen kann. Nach einer konventionellen Parodontalbehandlung, die mit Ultraschallgeräten harte und weiche Beläge entfernt, bleiben häufig mikrobiell besiedelte Resttaschen zurück. In diesem Bereich, der mit konventionellen Methoden nicht erreichbar ist, können sich die Bakterien sehr schnell vermehren. Um Zähne mit Zahnfleischtaschen langfristig zu erhalten, müssen diese Beläge alle drei bis sechs Monate entfernt werden. Die mechanische Entfernung ist für die Patienten oft sehr schmerzhaft. Mittels Plasma könnten Zahnärzte sehr viel sanfter mit ihren Patienten umgehen.

Ebenfalls langwierig und schmerzhaft sind Wurzelbehandlungen der Zähne.
Die Wurzeln eines Zahnes sind nicht immer gerade, sondern mitunter gekrümmt und sehr verzweigt. Zudem weisen sie viele Ramifikationen (Nebenverästelungen des Hauptwurzelkanals) auf. Das erschwert die Behandlung, denn für eine erfolgreiche Desinfektion des Wurzelkanalsystems ist ein Biofilmabtrag in den schwer zugänglichen Bereichen, besonders in der Nähe der Wurzelspitze mit ihren vielen Ramifikationen, nötig.

Spülungen mit Desinfektionsmitteln erreichen diese Stellen nur unzureichend. Ist jedoch die Desinfektion nicht erfolgreich, können sich die Bakterien weiter vermehren und der Zahn bleibt schmerzhaft. Teure und aufwendige Untersuchungen oder operative Eingriffe wie z. B. eine Wurzelspitzenresektion bis hin bis zur Zahnentfernung können die Folge sein.

Mit einem am INP Greifswald eigens dafür entwickelten dünnen Plasma ist es möglich, auch schwer zugängliche Hohlräume wie Wurzelkanalsysteme und Zahnfleischtaschen, gründlicher bzw. ohne operativen Eingriff zu behandeln.

Plasma könnte ebenfalls vielen Patienten bei der Behandlung von Periimplantitis helfen, einer Erkrankung, die bei Implantatträgern auftreten kann. Sie ähnelt der Parodontitis des natürlichen Zahnes und gilt als ein ungelöstes Problem in der Zahnheilkunde. Dabei verursacht der auf der Implantatoberfläche befindliche Biofilm eine Entzündung des umgebenden Gewebes und es kommt auch hier zum Knochenabbau. Das gefährdet die Langlebigkeit eines Implantats.

Bei Prothesenträgern wiederum kann es häufig zu einer Entzündung der Mundschleimhaut kommen, die durch eine Besiedlung der Prothese mit Hefepilzen hervorgerufen wird. Die Entfernung des Pilzes auf der Prothese allein mit Bürsten bzw. chemischen Prothesenreinigern ist schwierig und reicht oft nicht aus. Die antimikrobielle Wirkung von Plasma ermöglicht es, Biofilme auf Titan-, Zahn- und Prothesenoberflächen zu inaktivieren. Spezielle flächig wirkende Plasmen könnten Prothesen zudem desinfizieren und der Prothesenstomatits vorbeugen.

Der Einsatz von Plasmen bietet somit vielversprechende und effektivere Alternativen zu den herkömmlichen Methoden in der Zahnmedizin.

Liane Glawe | idw
Weitere Informationen:
http://www.inp-greifswald.de/

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