Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Planetares „Fliegengewicht“

09.07.2010
Astrophysiker der Universität Jena entdecken neuen Exo-Planeten mit eigenem Teleskop

Ein internationales Team von Astrophysikern hat einen neuen Exoplanten entdeckt: WASP-3c heißt der Himmelskörper, der mit „nur“ rund 15 Erdmassen bzw. einer Uranusmasse ein wahres „Fliegengewicht“ ist.

„Außerdem ist dies der erste Planet, der mit der neuen Methode der Transit-Zeit-Variation entdeckt wurde“, freut sich Dr. Gracjan Maciejewski von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der das Forscherteam leitet. WASP-3c umkreist den Stern WASP-3, rund 700 Lichtjahre entfernt im Sternbild Leier. Ihre Ergebnisse haben die Forscher der Universität Jena, der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften in Sofia und der Universität Torun (Polen) soeben im Fachblatt „Monthly Notices“ publiziert (http://xxx.lanl.gov/abs/1006.1348).

Bereits vor einigen Jahren hatte ein anderes internationales Team bei WASP-3 den Planeten WASP-3b entdeckt. „Dieser Planet spielte jetzt bei der Entdeckung von WASP-3c auch eine entscheidende Rolle“, erläutert Dr. Maciejewski. So wurden die Forscher bei ihren Beobachtungen auf periodische Schwankungen in der Orbitperiode von WASP-3b aufmerksam. „Unsere Rechnungen zeigten, dass diese Schwankungen, die auch Transit-Zeit-Variationen genannt werden, durch einen weiteren Planeten im System verursacht werden müssen“, so der Jenaer Astrophysiker. WASP-3c braucht genau doppelt so lange (3,75 Tage) wie der innere Planet WASP-3b, um den gemeinsamen Stern zu umkreisen.

Für ihre erfolgreichen Beobachtungen nutzten die Forscher die 90 bzw. 60 Zentimeter großen Spiegelteleskope der Universität Jena in Großschwabhausen und des Observatoriums Rozhen in Bulgarien. „Wir begannen im Jahre 2008, WASP-3b zu beobachten, weil seine Bahn leicht exzentrisch zu sein schien”, erinnert sich Prof. Dr. Ralph Neuhäuser. „Dies ist ungewöhnlich und kann auf sehr kleine, doch messbare Schwankungen in den Bahnparametern eines Planeten hinweisen – verursacht von anderen Planeten“, so der Direktor des Astrophysikalischen Instituts und der Sternwarte der Uni Jena weiter. Dank der neuen Methode konnte das Forscherteam nun anhand der Unregelmäßigkeiten im Orbit von WASP-3b den neuen Planeten WASP-3c nachweisen.

Wie andere erfolgreiche Planetensuchmethoden, etwa die sogenannte Transitmethode, ist auch die Transit-Zeit-Variation eine indirekte Methode. „Für eine direkte Beobachtung mit einem Teleskop ist der Planet viel zu klein und leuchtschwach“, so Prof. Neuhäuser. Die neue Technik erlaube es aber, auch Planeten mit noch deutlich geringerer Masse als WASP-3c selbst mit kleinen Teleskopen zu entdecken. „Dennoch“, so betont Dr. Markus Mugrauer vom Astrophysikalischen Institut der Jenaer Uni, „haben wir diese wichtige Entdeckung jetzt nur machen können, weil die Instrumente in der Jenaer Uni-Sternwarte erst jüngst erneuert wurden.“ Besonders wichtig sei die zuletzt eingebaute neue CCD-Kamera, mit der die jetzt gemachten Aufnahmen gewonnen wurden. WASP-3c ist der erste Planet, der mit dem Jenaer Observatorium in Großschwabhausen entdeckt wurde.

Kontakt:
Dr. Gracjan Maciejewski, Prof. Dr. Ralph Neuhäuser, Dr. Markus Mugrauer
Astrophysikalisches Institut und Universitäts-Sternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641 / 947524, 947500, 947514
E-Mail: gm[at]astro.uni-jena.de, rne[at]astro.uni-jena.de, markus[at]astro.uni-jena.de

Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.astro.uni-jena.de/wasp-3 -

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Max-Planck-Princeton-Partnerschaft in der Fusionsforschung bestätigt
23.11.2017 | Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

nachricht Magnetfeld-Sensor Argus „sieht“ Kräfte im Bauteil
23.11.2017 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung