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Der Orionnebel: Immer noch für Überraschungen gut

19.01.2011
Der Orionnebel ist eines der bekanntesten Himmelsobjekte überhaupt. Doch viel wichtiger als sein unverwechselbares Erscheinungsbild ist für die Astronomen, dass der Nebel ihnen die Gelegenheit bietet, ein großes Sternentstehungsgebiet aus der Nähe zu betrachten, an dem sich vieles über die Geburt und die Entwicklung von Sternen lernen lässt.
Diese Aufnahme des Orionnebels wurde aus Einzelbildern erstellt, die mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla Observatorium in Chile aufgenommen und von Igor Chekalin aus Russland für den Fotowettbewerb “ESO’s Hidden Treasures 2010” zusammen gestellt wurden.

Der Orionnebel mit dem Wide Field Imager
Bild: ESO und Igor Chekalin

ESO - Bildveröffentlichung

Der Orionnebel, auch bekannt unter der Bezeichung Messier 42, ist eines der markantesten und am besten untersuchten Himmelsobjekte. Es handelt sich um die der Erde am nächsten gelegene große Ansammlung von Gas und Staub, in der sich massereiche Sterne bilden. Die Gasmassen des Nebels leuchten so hell, dass man sie sogar mit bloßem Auge sehen kann. Schon in einem kleinen Teleskop werden viele Details des Nebels sichtbar. Trotz seiner Nähe und seiner Bekanntheit gibt es noch viel über die Sternkinderstube Orionnebel zu lernen. Erst 2007 hat sich beispielsweise herausgestellt, dass er lediglich 1350 Lichtjahre entfernt ist, anstelle der zuvor angenommenen Entfernung von 1500 Lichtjahren.

Mithilfe des Wide Field Imager am MPG/ESO-2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile haben Astronomen die Sterne in Messier 42 näher untersucht. Sie haben herausgefunden, dass die roten Zwergsterne des Sternhaufens, der zu der Gaswolke gehört, merklich mehr Licht abstrahlen als zuvor gedacht. Daraus lassen sich neue Informationen über den Nebel selbst und über die Sterne gewinnen, die er enthält. Die Daten für dieses Forschungsprojekt wurden aufgenommen, ohne dass die Forscher daran gedacht hätten, dass sich daraus auch ein beeindruckendes und detailreiches Farbbild machen ließe. Diesen Schritt hat die ESO jetzt nachgeholt.

Das Bild ist aus mehreren Einzelaufnahmen zusammengesetzt, die durch insgesamt fünf verschiedene Farbfiltern gewonnen wurden. Aufnahmen, die durch einen Rotfilter belichtet wurden oder die nur das charakteristische Licht von leuchtendem Wasserstoffgas zeigen, wurden farblich rot kodiert, Aufnahmen aus dem gelb-grünen Bereich des Spektrums grün, Aufnahmen im blauen Licht blau und Aufnahmen im ultravioletten Licht in lila. Mit jedem Farbfilter wurde insgesamt 52 Minuten lang belichtet.

Dieses Bild wurde von der ESO anhand des Datensatzes aufbereitet, den Igor Chekalin aus Russland für den Fotowettbewerb “Hidden Treasures 2010” zusammengestellt hat. Diesen Wettbewerb hatte die ESO von Oktober bis November 2010 für all diejenigen ausgerufen, die Freude daran haben, aus echten astronomischen Daten ästhetische Bilder des Nachhimmels zu gewinnen.

Chekalin durchsuchte das Archiv der ESO und fand Datensätze, aus denen er ein Bild von Messier 42 generierte, das unter den fast 100 Einsendungen den 7. Platz errang. Sein Originalarbeit ist unter http://www.flickr.com/photos/igorfp/5216868239/in/pool-1562202@N22/ zugänglich. Für sein Bild von Messier 78 gewann Igor Chekalin dann auch noch den ersten Preis des Wettbewerbs; seine Aufnahme der Galaxien NGC3169 und NGC3166 mit der Supernova SN 2003cg kam auf Platz 2.

Der Wettbewerb “ESO’s Hidden Treasures 2010” bot Amateurastronomen die Möglichkeit, das große Archiv astronomischer Daten der ESO nach einem sprichwörtlichen Rohdiamanten zu durchsuchen, der zu einem Schmuckstück geschliffen werden musste. Die Teilnehmer reichten nahezu 100 Bilder bei der ESO ein. Die zehn talentiertesten Bildkünstler gewannen wertvolle Preise. Hauptgewinn war eine Reise zum Very Large Telescope (VLT) der ESO auf dem Cerro Paranal in Chile. Die insgesamt zehn Gewinner reichten bei dem Wettbewerb die 20 höchstbewerteten Bilder ein.

Zusatzinformationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson@mpia.de
Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT and Survey Telescopes Public Information Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Cell: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org

Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org/public/germany/news/eso1103/ -
http://www.eso.org/public/images/archive/category/lasilla/

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