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NGC 300: Portrait einer beispielhaften Spiralgalaxie

08.09.2010
Die Europäische Südsternwarte ESO veröffentlicht heute eine spektakuläre neue Aufnahme der Spiralgalaxie NGC 300, die der Milchstraße sehr ähnlich ist. Die Galaxie befindet sich in der nahegelegenen Sculptor-Galaxiengruppe in einer Entfernung von etwa sechs Millionen Lichtjahren. Sie hat am Himmel eine scheinbare Größe von zwei Dritteln des Vollmondes. Um die Struktur der Galaxie bis ins kleinste Detail abzubilden, wurden am Wide Field Imager (WFI) am La Silla Observatorium der ESO in Chile Aufnahmen mit insgesamt 50 Stunden Belichtungszeit erstellt.

NGC 300 wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Australien aus von dem schottischen Astronomen James Dunlop entdeckt. Sie ist eine der auffälligsten – und uns nächsten – Spiralgalaxien am Südhimmel und bereits mit einem Fernglas leicht zu entdecken.

NGC 300 befindet sich im unscheinbaren Sternbild Sculptor (der Bildhauer), das zwar nur wenige helle Sterne umfasst, dafür aber eine beachtliche Ansammlung naher Galaxien beherbergt, die Sculptor-Galaxiengruppe [1]. ESO-Teleskope haben aus dieser Gruppe bereits NGC 55 (eso0914), NGC 253 (eso1025, eso0902) und NGC 7793 (eso0914) abgelichtet. Während viele Galaxien zumindest Andeutungen einer irregulären Form zeigen, scheint NGC 300 bemerkenswert “normal” zu sein. Für die Astronomen ist sie daher ein ideales Beispiel, um den Aufbau und die Zusammensetzung von Spiralgalaxien ähnlich unserer Milchstraße zu studieren.

Das Bild von NGC 300 wurde aus vielen Einzelaufnahmen mit verschiedenen Farbfiltern erstellt, die im Laufe zahlreicher Beobachtungsnächte über mehrere Jahre hinweg mit dem Wide Field Imager (WFI) am La Silla-Observatorium der ESO in Chile gewonnen wurden. Die Gesamtbelichtungszeit betrug nahezu 50 Stunden. Zweck der ausgedehnten Beobachtungskampagne war das sorgfältige Kartografieren der Sterne in dieser Galaxie. Dabei wurden aber nicht nur die Sterne gezählt und in Kategorien einsortiert, sondern auch Gebiete oder einzelne Sterne identifiziert, die einer näheren Untersuchung wert sind. Aufnahmen der Galaxie mit Filtern, die nur das Licht von Wasserstoff oder Sauerstoff durchlassen, machen die unzähligen Sternentstehungsgebiete entlang der Spiralarme von NGC 300 deutlich sichtbar: Im Bild erscheinen sie als rötliche Flecken. Mit seinem großen Gesichtsfeld von 34 mal 34 Bogenminuten (das entspricht in etwa der Fläche, die der Vollmond am Himmel einnimmt) ist der Wide Field Imager für die Astronomen das ideale Instrument, um ausgedehnte Objekte wie NGC 300 zu untersuchen. Aus den bei diesen Beobachtungen gesammelten Daten werden sich in Zukunft mit Sicherheit noch weitere Untersuchungsmöglichkeiten ergeben.

NGC 300 hat eine Reihe weiterer interessanter astronomischer Phänomene zu bieten, die mit anderen ESO-Teleskopen näher untersucht worden sind. Kürzlich haben ESO-Astronomen dort in das am weitesten entfernte bekannte stellare Schwarze Loch entdeckt - eines der massereichsten stellaren Schwarzen Löcher überhaupt (eso1004) – das zusammen mit einem heißen und hellen so genannten Wolf-Rayet-Stern ein Doppelsternsystem bildet. NGC 300 und die oben bereits erwähnte Galaxie NGC 55 umkreisen sich gegenseitig sehr langsam und kommen sich dabei näher. Die beiden Galaxien stehen am Anfang eines langwierigen Verschmelzungsprozesses (eso0914). Die derzeit beste Abschätzung der Entfernung von NGC 300 haben Astronomen aus Beobachtungen am Very Large Telescope auf dem Paranal-Observatorium der ESO abgeleitet (eso0524)

Endnote

[1] Üblicherweise wird angenommen, dass NGC 300 ein Mitglied der Sculptor-Gruppe ist. Die neuesten Entfernungsmessungen haben allerdings gezeigt, dass die Galaxie wesentlich näher an der Milchstraße liegt als die meisten anderen Galaxien dieser Gruppe. Sie hängt daher eventuell nur sehr locker mit der Gruppe zusammen.

Weitere Informationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 14 Mitgliedsländer: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts, sowie VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO das European Extremely Large Telescope (E-ELT) für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, mit 42 Metern Spiegeldurchmesser ein Großteleskop der Extraklasse.

Die Übersetzungen von englischsprachigen ESO-Pressemitteilungen sind ein Service des ESO Science Outreach Network (ESON), eines internationalen Netzwerks für astronomische Öffentlichkeitsarbeit, in dem Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren aus allen ESO-Mitgliedsstaaten (und einigen weiteren Ländern) vertreten sind. Deutscher Knoten des Netzwerks ist das Haus der Astronomie am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg.

Kontaktinformationen

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ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
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Garching bei München, Germany
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Carolin Liefke | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
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