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Neue Welten im All

20.08.2009
Astrophysiker der Universität Jena beschreiben fremdes Planetensystem

Menschliches Leben auf der Erde: Ob das purer Zufall ist oder unser Sonnensystem damit eines von vielen ist, kann niemand genau sagen.

"Dafür kennen wir einfach noch zu wenige andere Planetensysteme", sagt Prof. Dr. Alexander Krivov von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Obwohl in den letzten 15 Jahren immer wieder neue Planeten entdeckt wurden, sind nur wenige Fälle bekannt, in denen mehrere Planeten zusammen einen Stern umkreisen", so Krivov weiter.

Seinem Team ist es nun gelungen, eines der wenigen solcher Planetensysteme erstmals ausführlich zu beschreiben. Die Ergebnisse ihrer Analyse haben die Jenaer Wissenschaftler jetzt in dem international referierten Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" veröffentlicht.

"Unser eigenes Sonnensystem ist relativ gut erforscht", weiß Krivov. "Wir haben jedoch kaum Vergleichsmöglichkeiten." Um das zu ändern, wollen die Jenaer Astronomen zukünftig fremde Planetensysteme genau unter die Lupe nehmen. Das System des Sterns HR 8799 haben sie jetzt als eines der ersten Systeme überhaupt derartig untersucht. Dafür haben die Wissenschaftler alle vorhandenen Daten und Informationen zu dem Stern und den drei ihn umkreisenden Planeten zusammengetragen. Auch die Beobachtungsdaten zweier Gürtel aus Asteroiden, Kometen und Staub im gleichen System flossen in die Jenaer Untersuchungen ein.

"Sämtliche Daten sind zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten und mit verschiedenen Methoden erhoben worden", berichtet Martin Reidemeister. Zusammen mit seinen Kollegen hat der Doktorand alle diese Informationen ausführlich analysiert. "Mit einem Computermodell haben wir simuliert, ob die Daten überhaupt plausibel sind", so der Physiker. "Dadurch konnten wir viele Parameter recht genau bestimmen." Eine dieser Größen ist das Alter des Systems. "Die Angaben in der Literatur schwanken zwischen 30 Millionen und einer Milliarde Jahre", sagt Prof. Krivov. "Eine enorme Zeitspanne, die wir mit unserer Analyse deutlich auf 30 bis 50 Millionen Jahre einschränken konnten." Auch die Masse der Planeten und die Ausrichtung ihrer Bahnen konnten die Wissenschaftler vom Astrophysikalischen Institut der Universität Jena durch ihre Simulationsanalysen relativ sicher bestimmen. "Wir haben viele Ähnlichkeiten, aber auch eine ganze Reihe Unterschiede zu unserem Sonnensystem festgestellt", berichtet der Professor für Astronomie.

"Unsere Analysen sollen helfen, besser zu verstehen, wie andere Planetensysteme insgesamt organisiert sind", nennt Krivov das Ziel seiner Forschungsarbeit. Vielleicht werden dadurch irgendwann andere Planetensysteme entdeckt, auf denen Leben möglich ist.

Originalpublikation:
Reidemeister, M., Krivov, A. V., Schmidt, T. O. B., Fiedler, S., Müller, S., Löhne, T., Neuhäuser, R.: A possible architecture of the planetary system HR 8799. Astronomy & Astrophysics 503, 247-258 (2009)
Kontakt:
Prof. Dr. Alexander Krivov / Dipl.-Phys. Martin Reidemeister
Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Schillergässchen 2-3
07745 Jena
Tel.: 03641 / 947530
E-Mail: krivov[at]astro.uni-jena.de

Manuela Heberer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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