Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ansichten des Bleistiftnebels - ein kosmischer Hexenbesen?

12.09.2012
Bildveröffentlichung der Europäischen Südsternwarte (Garching) - Dieses neue Bild, entstanden am La Silla-Observatorium der ESO in Chile, zeigt den Bleistiftnebel, eine ungewöhnliche Wolke aus leuchtendem Gas.
Der Nebel ist Teil eines ringförmigen Überrests einer Supernovaexplosion, die vor etwa 11.000 Jahren stattfand. Die äußerst detailreiche Aufnahme stammt vom Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop.

Trotz der stillen und scheinbar unveränderlichen Schönheit, die der Sternhimmel ausstrahlt, ist das Universum alles andere als ein unbelebter Ort: In einem endlosen Kreislauf werden Sterne geboren und sterben schließlich wieder. Bisweilen kreiert der Tod eines Sterns dabei wunderschöne Beobachtungsobjekte, wenn Materie in seltsam geformten Strukturen in den Weltraum geschleudert wird.

Diese neue Aufnahme mit dem Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO in Chile zeigt den Bleistiftnebel [1] vor einem dichten Sternhintergrund. Diese seltsam geformte Wolke, die auch die Katalogbezeichnung NGC 2736 trägt, ist ein kleiner Teil eines Supernovaüberrestes [2] im südlichen Sternbild Vela (das Segel). Erzeugt wurden diese leuchtenden Filamente durch den gewaltsamen Tod eines Sterns vor etwa 11.000 Jahren. Der hellste Teil des Nebels ähnelt in der Tat einem Bleistift. Die gesamte Struktur sieht dagegen vielmehr wie ein kosmischer Hexenbesen aus.

Der Vela-Supernovaüberrest ist die sich ausdehnende Hülle einer Supernovaexplosion. Ursprünglich bewegte sich dabei eine Stoßwelle mit mehreren Millionen Kilometern pro Stunde durch den Raum, die dann auf das Gas, das den Raum zwischen den Sternen ausfüllt. Dadurch wurde sie stark abgebremst und es bildete sich eine Schockfront, in der seltsam geformte Nebelfetzen entstanden. Der Bleistiftnebel ist der hellste Teil des Supernovaüberrests.

Das neue Bild zeigt nicht nur lange, bogenförmige Filamente, sondern auch kleine, helle Knötchen und Flecken aus diffusem Gas. Sein hell leuchtendes Erscheinungsbild verdankt der Nebel dichteren Gasregionen, die von der Schockwelle der Supernova überrollt wurden. Wo diese auf das interstellare Gas traf, heizte sie es auf mehrere Millionen Grad auf; während das Gas langsam wieder abkühlt, kann man das schwache Leuchten wie in diesem Bild einfangen.

Die unterschiedlichen Farben helfen den Astronomen, die Temperatur des Gases innerhalb des Nebels zu kartieren. Einige Bereiche sind nach wie vor so heiß, dass ihr Leuchten – in diesem Bild in Blau dargestellt – vornehmlich von ionisierten Sauerstoffatomen stammt. Kühlere Regionen lassen sich anhand ihres rötlich schimmernden Wasserstoffgases identifizieren.

Der Bleistiftnebel hat einen Durchmesser von etwa 0,75 Lichtjahren und bewegt sich mit rund 650.000 Kilometern pro Stunde durch das interstellare Medium. Selbst bei seiner Entfernung von etwa 800 Lichtjahren von der Erde bedeutet diese beachtliche Geschwindigkeit, dass sich die Position des Nebels am Himmel im Vergleich zu den Hintergrundsternen während eines Menschenlebens wahrnehmbar verschiebt. Auch nach 11.000 Jahren verändert diese Supernovaexplosion demnach noch das Antlitz des Nachthimmels.

Endnoten

[1] Der Bleistiftnebel oder NGC 2736 wird im Englischen manchmal auch als „Herschel’s Ray“, also „Herschels Strahl“ bezeichnet. Er wurde 1835 von dem Britischen Astronomen John Herschel von Südafrika aus entdeckt. Herschel beschrieb ihn als „einen außergewöhnlich langen und schmalen, aber äußerst schwachen Strahl von Licht“

[2] Mit dem Begriff „Supernova“ bezeichnet man die gewaltige Explosion am Ende des Lebens entweder eines massereichen Einzelsterns oder eines Weißen Zwergs in einem Doppelsternsystem. Das dabei ausgestoßene Material, das überschallschnell in das umgebende interstellare Medium hinein expandiert, bildet den Supernovaüberrest. Supernovae sind die Hauptquellen der schwereren chemischen Elemente im interstellaren Medium. Daraus wiederum entstehen neue Generationen von Sternen und Planeten, in denen sich die schwereren Elemente dann ebenfalls finden.

Zusatzinformationen

Das MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop wurde 1984 in Betrieb genommen und ist eine Leihgabe der Max-Planck-Gesellschaft an die ESO. Sein Wide Field Imager, eine astronomische Kamera mit besonders großem Blickfeld und einem Detektor mit 67 Millionen Pixeln, liefert Bilder, die nicht nur von wissenschaftlichem, sondern auch von ästhetischem Wert sind.

Im Jahr 2012 feiert die Europäische Südsternwarte ESO (European Southern Observatory) das 50-jährige Jubiläum ihrer Gründung. Die ESO ist die führende europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt. Getragen wird die Organisation durch ihre 15 Mitgliedsländer: Belgien, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, die Schweiz, die Tschechische Republik und das Vereinigte Königreich. Die ESO ermöglicht astronomische Spitzenforschung, indem sie leistungsfähige bodengebundene Teleskope entwirft, konstruiert und betreibt. Auch bei der Förderung internationaler Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Astronomie spielt die Organisation eine maßgebliche Rolle. Die ESO betreibt drei weltweit einzigartige Beobachtungsstandorte in Nordchile: La Silla, Paranal und Chajnantor. Auf dem Paranal betreibt die ESO mit dem Very Large Telescope (VLT) das weltweit leistungsfähigste Observatorium für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren Lichts und zwei Teleskope für Himmelsdurchmusterungen: VISTA, das größte Durchmusterungsteleskop der Welt, arbeitet im Infraroten, während das VLT Survey Telescope (VST) für Himmelsdurchmusterungen ausschließlich im sichtbaren Licht konzipiert ist. Die ESO ist der europäische Partner für den Aufbau des Antennenfelds ALMA, das größte astronomische Projekt überhaupt. Derzeit entwickelt die ESO ein Großteleskop mit 39 Metern Durchmesser für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und Infrarotlichts, das einmal das größte optische Teleskop der Welt werden wird: das European Extremely Large Telescope (E-ELT).

Kontaktinformationen

Carolin Liefke
ESO Science Outreach Network - Haus der Astronomie
Heidelberg, Deutschland
Tel: 06221 528 226
E-Mail: eson-germany@eso.org

Richard Hook
ESO, La Silla, Paranal, E-ELT & Survey Telescopes Press Officer
Garching bei München, Germany
Tel: +49 89 3200 6655
Handy: +49 151 1537 3591
E-Mail: rhook@eso.org
Weitere Informationen:

http://www.eso.org/public/germany/news/eso1236/
- Webversion der Bildveröffentlichung mit weiteren Bildern (auch in hochaufgelösten Versionen) und Videos. Zugang vor Ablauf der Sperrfrist bitte bei Richard Hook (rhook@eso.org) erfragen.

http://www.eso.org/public/images/archive/search/?adv=&subject_name=mpg
- Fotos vom MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop

http://www.eso.org/public/images/archive/search/?adv=&facility=15
- Andere Aufnahmen, die mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop entstanden sind

ESO Science Outreach Network | ESO Science Outreach Network
Weitere Informationen:
http://www.eso.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung
28.06.2017 | Universität Stuttgart

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive