Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartige Radaranwendungen sollen bei der Beurteilung der Lawinengefahr helfen

25.11.2011
Forschungsprojekt von Heidelberger Wissenschaftlern mit Kollegen aus Österreich und der Schweiz

Mit neuartigen Radaranwendungen wollen Forscher der Universität Heidelberg einen Beitrag zur besseren Vorhersagbarkeit von Lawinen leisten. Damit soll in einem grenzüberschreitenden Forschungsprojekt die Beurteilung der Lawinengefahr auf eine präzisere Grundlage gestellt werden.

Der Geophysiker Dr. Olaf Eisen vom Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg leitet das Projekt, an dem Kollegen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind. Ziel ist es, mit Hilfe von Radarsystemen und damit ohne Gefährdung von Menschen den Schneedeckenaufbau automatisch beobachten zu können, um die lokale Risikoeinschätzung der Sicherheitsverantwortlichen mit zusätzlichen Informationen zu verbessern. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 200.000 Euro geförderte Projekt läuft bis Oktober 2012.

„Um Informationen zum Schneedeckenaufbau zu erhalten, werden üblicherweise Schächte in den Schnee gegraben und Schneeprofile aufgenommen“, erläutert Olaf Eisen. Da dabei aber insbesondere in steilen Hängen oft ein erhöhtes Lawinenrisiko für die Beobachter besteht, sind diese Arbeiten bei instabilen Schneedecken nur selten möglich. „Mit Hilfe unserer Forschungen wollen wir die Anwendung ferngesteuerter, aufwärts schauender Radarsysteme vorantreiben, mit denen man zerstörungsfrei und gefahrlos die lokalen physikalischen Eigenschaften der Schneedecke charakterisieren und abbilden kann“, erklärt Dr. Eisen. Neben ihm arbeitet am Institut für Umweltphysik Dr. Achim Heilig als Postdoktorand an dem Projekt „Snowpack monitoring with upward-looking radar systems towards improves avalanche risk prediction“ (MUSI) mit, das aus seiner Dissertation hervorging.

Die deutschen Forscher stellen ein auch Pulsradar genanntes Bodenradarsystem bereit, das halbautomatisch vor Ort von den Schweizer Kollegen betrieben wird und dessen Daten sie auswerten. Von einer Antenne, die sich an der Grenze zwischen Schnee und Boden befindet, breiten sich die Radarwellen nach oben aus. An Grenzschichten innerhalb der Schneedecke – etwa wenn sich Dichte oder Feuchte ändern – und an der Oberfläche des Schnees wird ein Teil der Wellen nach unten reflektiert, an einer zweiten Antenne empfangen und dann digital aufgezeichnet. „Aus den Laufzeiten der Reflexionen und deren Unterschiede lassen sich die Eigenschaften der Schneedecke ableiten“, sagt Olaf Eisen.

Neben dem Institut für Umweltphysik der Ruperto Carola in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sind an dem Forschungsprojekt Experten des Schweizer WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) und der Fachhochschule JOANNEUM Kapfenberg in Österreich beteiligt. Von österreichischer Seite kommt ein weiteres Radarsystem, das nach dem sogenannten FMCW-Prinzip, dem frequenzmodulierten Dauerstrichradar, arbeitet. Die Schweizer Kollegen am Davoser Messort liefern zusätzlich zum Vergleich manuell aufgenommene Beobachtungsdaten sowie Informationen über die lokalen Witterungsverhältnisse.

Das Projekt wird im Rahmen des Programms D-A-CH von der DFG gefördert. Im D-A-CH-Konsortium unterstützt die DFG zusammen mit ihren Partnerorganisationen, dem Fonds für wissenschaftliche Forschung (FWF) in Österreich und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF), grenzüberschreitende Forschungsvorhaben. Unter der Adresse http://www.awi.de/en/research/young_investigators/emmy_noether_programme/limpics... sind im Internet Informationen zu dem Forschungsprojekt zusammengestellt.

Kontakt:
Dr. Olaf Eisen
Institut für Umweltphysik
Telefon (06221) 54-6393
oeisen@iup.uni-heidelberg.de
Kommunikation und Marketing
Pressestelle, Telefon (06221) 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.awi.de
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Waschen für die Mikrowelt – Potsdamer Physiker entwickeln lichtempfindliche Seife
02.12.2016 | Universität Potsdam

nachricht Quantenreibung: Jenseits der Näherung des lokalen Gleichgewichts
01.12.2016 | Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie