Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Möglicher Lesekopf für Quantencomputer: Graphenschicht liest optische Information aus Nanodiamanten

01.12.2014

Aus Stickstoff-Fehlstellen-Zentren in Diamanten ließen sich wichtige Komponenten eines Quantencomputers bauen. Doch bisher war es nicht möglich, die optisch ins System „geschriebene“ Information elektronisch wieder auszulesen. Mit Hilfe von Graphenschichten hat ein Wissenschaftlerteam um Professor Alexander Holleitner von der Technischen Universität München (TUM) nun eine solche Leseeinheit realisiert.

Idealer Weise besteht ein Diamant aus reinem Kohlenstoff. Doch in der Natur sind immer auch kleine Verunreinigungen darin zu finden. Am besten untersucht sind Doppelfehlstellen, die aus einem Stickstoffatom und einer Leerstelle bestehen. Sie könnten als hochempfindliche Sensoren oder als Registerbausteine für Quantencomputer eingesetzt werden – doch bisher gab es keinen Weg, die optisch hinein gesteckte Information elektrisch wieder auszulesen.


Zukunftsvision Quantencomputer mit Chips aus Diamant und Graphen

Grafik: Christian Hohmann / Nanosystems Initiative Munich (NIM)


Laboraufbau zum Vermessen der Wechselwirkungen zwischen Graphen und Nanodiamanten mit eingebauten Stickstoff-Fehlstellen-Zentren

Bild: Astrid Eckert / TUM

Ein Team unter Leitung von Professor Alexander Holleitner, Physiker an der TU München und Frank Koppens, Physikprofessor am Institut de Ciencies Fotoniques nahe Barcelona, hat nun eine solche Auslesemöglichkeit geschaffen. Basis ist eine direkte Energieübertragung von Fehlstellen in Nanodiamanten auf eine unmittelbar benachbarte Graphenschicht.

Strahlungsloser Energietransfer

Bestrahlt man einen solchen Nanodiamanten mit Laserlicht, so hebt ein Licht-Photon im Stickstoff-Fehlstellen-Zentrum ein Elektron von seinem Normalzustand in einen angeregten Zustand. „Das System aus dem angeregten Elektron und dem verlassenen Grundzustand kann man als Dipol auffassen“, sagt Professor Alexander Holleitner. „Dieser Dipol erzeugt in der nahegelegenen Graphenschicht wieder einen Dipol aus einem Elektron und einer Leerstelle“.

Doch während in den rund 100 Nanometer großen Diamanten die einzelnen Fehlstellen-Zentren voneinander isoliert sind, ist die Graphenschicht elektrisch leitend. Zwei Goldelektroden erfassen die erzeugte Ladung und machen sie elektronisch messbar.

Elektronische Detektion im Pikosekundenbereich

Wesentlich für diesen Versuchsaufbau ist, dass die Messung extrem schnell geschieht.
Denn nach wenigen Milliardstel Sekunden würde sonst das erzeugte Elektron-Loch-Paar wieder verschwinden. Doch die in Holleitners Labor entwickelte Technik erlaubt Messungen im Pikosekundenbereich (Billionstel Sekunden). Damit können die Wissenschaftler die Vorgänge genau verfolgen.

„Prinzipiell müsste unsere Technik auch mit Farbstoffmolekülen funktionieren“, sagt Doktorand Andreas Brenneis, der zusammen mit Louis Gaudreau die Messungen durchgeführt hat. „Ein Diamant enthält rund 500 solcher Fehlstellen, aber die Methode
ist so empfindlich, dass wir auch einzelne Farbstoffmoleküle messen könnten“.

Aufgrund der extrem schnellen Schaltgeschwindigkeit der von den Wissenschaftlern entwickelten Nanoschaltkreise könnten mit dieser Technik aufgebaute Sensoren nicht nur extrem schnelle Vorgänge messen sondern würden, eingebaut in einem zukünftigen Quantencomputer auch extrem hohe Taktraten bis in den Terahertz-Bereich ermöglichen.

Die Arbeit wurde unterstützt aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Exzellenzcluster Nanosystems Initiative Munich, NIM und SFB 631), des European Research Councils (ERC Grant NanoREAL, CarbonLight), der Fundacio Cellex Barcelona, des Marie-Curie International Fellowship COFUND sowie des ICFOnest Programms und des Center for NanoScience (CeNS) München. An der Publikation wirkten Physiker der TU München, der Universität Augsburg, des Walther-Meißner-Instituts der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des ICFO-Institut de Ciencies Fotoniques in Castelldefels nahe Barcelona mit.

Publikation:

Ultrafast electronic readout of diamond nitrogen-vacancy centres coupled to graphene,
Andreas Brenneis, Louis Gaudreau, Max Seifert, Helmut Karl, Martin S. Brandt, Hans Huebl, Jose A. Garrido, Frank H. L. Koppens and Alexander W. Holleitner
Nature Nanotechnology, Advanced online publication, 1. Dezember 2014 – DOI: 10.1038/nnano.2014.276

Kontakt:

Prof. Dr. Alexander W. Holleitner
Technische Universität München
Walter Schottky Institut – Zentrum für Nanotechnologie und Nanomaterialien
Am Coulombwall 4a, 85748 Garching, Germany
Tel.: +49 89 289 11575 – E-Mail: holleitner@wsi.tum.de


Weitere Informationen:

http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1038/nnano.2014.276  Originalpublikation
http://www.wsi.tum.de/Research/HolleitnergroupE24/tabid/166/Default.aspx  Website der Arbeitsgruppe

Dr. Ulrich Marsch | Technische Universität München

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen
17.02.2017 | Universität Konstanz

nachricht Zukunftsmusik: Neues Funktionsprinzip zur Erzeugung der „Dritten Harmonischen“
17.02.2017 | Laser Zentrum Hannover e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie