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Merkur vor der Sonne - Transit am 9. Mai 2016

02.05.2016

Am 9. Mai 2016 um 13:12 Uhr zieht Merkur von der Erde aus gesehen vor die Sonnenscheibe und überquert diese im Laufe der folgenden Stunden, bis schließlich um 20:40 Uhr wieder der komplette Austritt des Planeten erfolgt.

Zwei Gruppen des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) wollen dieses Transit-Ereignis wissenschaftlich nutzen, um Natrium in der Exosphäre von Merkur zu detektieren und um die Messgenauigkeit von Instrumenten zu testen.


Merkurtransit am 09.05.2016.

AIP/J. Wendt

Dazu wird die Sonne während des Vorbeizugs von Merkur mit Teleskopen auf Teneriffa, in den USA und am Sonnenobservatorium Einsteinturm auf dem Potsdamer Telegrafenberg beobachtet. In Babelsberg lädt das AIP von 13:00-15:00 Uhr zur öffentlichen Beobachtung und zu Vorträgen rund um den Merkurtransit auf seinen Forschungscampus ein.

Wissenschaftliche Beobachtung

... mehr zu:
»AIP »Einsteinturm »Exosphäre »Merkur »Natrium

Merkur ist der kleinste und sonnennächste Planet unseres Sonnensystems. Mit einem Durchmesser von nur 4.878 Kilometern ist die Schwerkraft von Merkur recht gering, so dass keine stabile Atmosphäre um den Planeten entstehen kann: Nur eine extrem dünnes Gasgemisch, auch Exosphäre genannt, umhüllt Merkur.

Die Merkur-Exosphäre besteht vor allem aus Sauerstoff, Natrium und Wasserstoff. Sie ist so dünn, dass ihr Nachweis extrem schwierig und nur während eines der seltenen Transits oder durch Weltraumsonden möglich ist. Der letzte in Mitteleuropa sichtbare Merkurtransit fand 2003 statt, der nächste fällt ins Jahr 2019. Das AIP nutzt daher die Gelegenheit am 9. Mai, um den Transit gleich mit mehreren Teleskopen und verschiedenen Instrumenten von drei Standorten aus zu beobachten.
In Arizona: Generalprobe für Exoplaneten

AIP-Forscher Matthias Mallonn plant, mit Hilfe des PEPSI-Spektrographen am Solar-Disk Integrated Telescope (SDI) auf dem 3.200 Meter hohen Mt. Graham in Arizona das Signal der Exosphäre von Merkur zu detektieren. Dabei vergleicht er Messungen der Natriumabsorption vor, während und nach dem Vorbeizug des Planeten.

Diese Beobachtungstechnik entspricht der derzeit erfolgreichsten Methode, Atmosphären von extrasolaren Planeten zu untersuchen, der sogenannten Transmissionsspektroskopie von Exoplaneten. Merkurs Exosphäre schwächt das Sonnenlicht bei der Wellenlänge von Natrium während des Transits nur um etwa ein Hunderttausendstel ab. Dieser Effekt lässt sich nur mit einem extrem präzisen Spektrographen nachweisen.

„Wir nehmen die gesamte Sonnenscheibe auf, dadurch ist das Signal der Exosphäre Merkurs winzig. Mit der Messung will ich herausfinden, welche Genauigkeiten ich erzielen kann, um diese Erfahrung später auf Exoplaneten anzuwenden”, so der Forscher.
Auf Teneriffa und in Potsdam: Form der Exosphäre

Den Sonnenphysikern des AIP um Carsten Denker geht es um die Beobachtung des Merkurtransits im Detail. So wurde die Ausdehnung und Form der Exosphäre von Merkur anhand von Natrium-Absorptionslinien erstmals während des Merkurtransits 2003 vermessen. Denker möchte diese Messungen nun gemeinsam mit einem Team aus Freiburg und Spanien mit einem 2D-Spektrographen am europäischen Sonnenteleskop GREGOR auf Teneriffa wiederholen - möglicherweise sogar mit größerer Genauigkeit. Für Bildaufnahmen sollen zudem eine sehr schnelle Kamera und adaptive Optik eingesetzt werden, mit deren Hilfe die Forscher auf gestochen scharfe Bilder des Ereignisses hoffen.

„Der Merkurtransit bietet uns eine einzigartige Möglichkeit unsere Messmethodik zu kalibrieren” erläutert Denker: „Wie scharf wir den harten Übergang zwischen dem Planetenrand und der Sonne beobachten können, ermöglicht uns einzuschätzen, wie sehr Streulicht die Beobachtung mit GREGOR tatsächlich beeinflusst.” Wenn das Wetter es zulässt, wird am 9. Mai zusätzlich auch der Spiegel im Potsdamer Sonnenobservatorium Einsteinturm auf Merkur gerichtet, um seinen Vorbeizug an der Sonne zu studieren und zu dokumentieren.

Öffentliche Beobachtung in Potsdam-Babelsberg

Das AIP bietet allen Interessierten die Möglichkeit, sich am 9. Mai über Merkur und den Transit zu informieren sowie die erste Phase des Transits vor Ort in Babelsberg zu beobachten. Bitte beachten Sie, dass die Beobachtung des Merkurtransits nur bei klarer Sicht erfolgen kann.

Von 13:00-15:00 Uhr lädt das AIP auf seinen Forschungscampus in Babelsberg ein:

13:00 Uhr: Beobachtung des Eintritts
13:30 Uhr: Vortrag von Dr. Axel Schwope „Der Planet Merkur im Portrait“
14:00 Uhr: Vortrag von Dr. Matthias Mallonn „Der Merkurtransit als Generalprobe für die Erforschung erdähnlicher Planeten“
14:30 - 15:00 Uhr: Beobachtung des Transits am 50cm-Spiegelteleskop

Pressekontakt und Informationen zur Veranstaltung:
Kerstin Mork , 0 331 7499-803, presse@aip.de

Wissenschaftliche Kontakte:
Dr. Matthias Mallonn, 0331 7499-539, mmallonn@aip.de
Apl. Prof. Dr. Carsten Denker, 0331-7499-297, cdenker@aip.de


Das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) widmet sich astrophysikalischen Fragen, die von der Untersuchung unserer Sonne bis zur Entwicklung des Kosmos reichen. Forschungsschwerpunkte sind dabei kosmische Magnetfelder und extragalaktische Astrophysik sowie die Entwicklung von Forschungstechnologien in den Bereichen Spektroskopie, robotische Teleskope und E-Science. Seinen Forschungsauftrag führt das AIP im Rahmen zahlreicher nationaler, europäischer und internationaler Kooperationen aus. Das Institut ist Nachfolger der 1700 gegründeten Berliner Sternwarte und des 1874 gegründeten Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, das sich als erstes Institut weltweit ausdrücklich der Astrophysik widmete. Seit 1992 ist das AIP Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Kerstin Mork | Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam
Weitere Informationen:
http://www.aip.de

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