Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Meilenstein auf dem Weg zum Merkur

06.07.2010
Planetologen erreichen nächste Etappe beim Bau des Infrarotspektrometers MERTIS

Planetologen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Merkur erreicht: Ein erstes sogenanntes Qualifikationsmodell des Infrarotspektrometers MERTIS ist fertiggestellt.

Der Bau wurde von den münsterschen Wissenschaftlern für eine Raumfahrt-Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in Auftrag gegeben: Mit dem Projekt MERTIS an Bord der ESA-Raumsonde BepiColombo wollen die Planetologen den Planeten Merkur entschlüsseln, gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin. MERTIS ist ein miniaturisiertes Infrarotspektrometer, das detaillierte mineralogische Informationen über die Oberfläche des Himmelskörpers liefern wird. Die Raumfahrtagentur des DLR fördert das Projekt von 2009 bis 2013 mit 11,4 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

"Nach umfangreichen Machbarkeitsstudien befinden wir uns nun mitten in der heißen Entwurfsphase - die Modelle, die wir bauen, sind Vorstufen der Produktionsphase, in die wir bald eintreten möchten", beschreibt Prof. Dr. Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie (IfP) der WWU die Bedeutung des erreichten Meilensteins. "Fünf Jahre wissenschaftlich-technischer Entwicklungsarbeit unserer Partner aus Industrie und Forschung waren erforderlich, um an diesen Punkt zu gelangen." Harald Hiesinger leitet das Projekt MERTIS ("Mercury Radiometer & Thermal Infrared Spectrometer") gemeinsam mit Dr. Jörn Helbert vom DLR.

Das im Jargon der Raumfahrtingenieure als Struktur-Thermal-Modell (STM) bezeichnete Werkstück durchlief zunächst eine Reihe von ersten Tests in den Laboren der Kayser-Threde GmbH in München. Ende Juni fand eine genaue Prüfung durch die ESA statt, die erfolgreich abgeschlossen wurde. Eine letzte planmäßige Inspektion erfolgt unmittelbar vor der Übergabe des Modells für ein umfassendes Testprogramm an die ESA. Diese Übergabe soll noch im Sommer 2010 erfolgen. Trotz der Freude im Team über das Erreichte sieht Instrumenten-Manager Gisbert Peter vom DLR die Lage sachlich: "Bis 2012 gibt es noch sehr viel zu tun", gibt er zu bedenken. 2012 soll das endgültige Flugmodell von MERTIS fertig sein. Vorher müssen noch weitere Modellstufen gefertigt und erprobt werden.

Das STM wurde von Raumfahrtingenieuren so gebaut, dass es hinsichtlich seiner physikalischen Eigenschaften dem späteren Instrument genauestens entspricht. Auch Wärmequellen im Gerät wurden detailgetreu nachempfunden. Mit Hilfe von sogenannten Vibrations- und Thermaltests können nun dank des STM theoretische Vorhersagen über das mechanische und thermale Verhalten von MERTIS auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Während solcher Tests werden die Umgebungsbedingungen simuliert, denen das Flugmodell auf seiner Reise zum innersten Planeten des Sonnensystems ausgesetzt ist. Sie zeigen, ob die mechanische Struktur des Instruments und sein Wärmehaushalt den Anforderungen entsprechen. "Das ist eine essenzielle Voraussetzung für den Erfolg der Mission. So muss zum Beispiel sichergestellt sein, dass MERTIS den Vibrationen und Belastungen während des Starts mit einer Ariane-V-Rakete standhält", erläutert Dr. Kai Multhaup vom IfP, der für die WWU die ESA-Prüfung begleitete.

Nicht nur für MERTIS und für weitere zehn wissenschaftliche Instrumente, die bei der BepiColombo eingesetzt werden sollen, wird ein Struktur-Thermal-Modell gebaut. Auch für die Sonde "Mercury Planetary Orbiter" - also für die Komponente der BepiColombo-Mission zum Planeten Merkur, auf der MERTIS an den Start gehen wird - werden solche Modelle entwickelt. Bei der italienischen Firma "Thales-Alenia Spazio Italy S.p.A." in Turin wird ein Referenzmodell des kompletten Satelliten aufgebaut und später im "European Space Research and Technology Centre" der ESA im niederländischen Noordwijk getestet.

Pressestelle der Universität Münster
Christina Heimken
Schlossplatz 2, 48149 Münster
christina.heimken@uni-muenster.de
+49 251 83-22115

Christina Heimken | Uni Münster
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de
http://www.uni-muenster.de/Planetology/en/homepage/homepage.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt
22.05.2017 | Universität Basel

nachricht Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert
22.05.2017 | Max-Planck-Institut für Kernphysik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie