Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mehr als leistungsstark! Deutscher Forschungsrechner QPACE ist der energieeffizienteste Supercomputer der Welt

20.11.2009
Mehr als leistungsstark! Deutscher Forschungsrechner QPACE ist der energieeffizienteste Supercomputer der Welt

Während der Supercomputing-Konferenz 2009 in Portland/Oregon (USA) wurde der Hochleistungsrechner QPACE (QCD Parallel Computing on the Cell) heute als energieeffizientester Supercomputer der Welt ausgezeichnet. QPACE führt damit die Green500-Liste an, die globale Rangliste der energieeffizientesten Hochleistungsrechner.

Entwickelt wurde QPACE von einem akademischen Konsortium aus Universitäten und Forschungszentren sowie dem deutschen IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum in Böblingen im Rahmen eines staatlich geförderten Forschungsverbundes. Innerhalb des Konsortiums haben unter Führung der Universität Regensburg die Forschungszentren DESY und Jülich zentrale Aufgaben übernommen. Weitere Mitglieder waren die Bergische Universität Wuppertal, die Universität Ferrara (Italien), die Universität Milano-Bicocca (Italien) sowie die Firmen Eurotech, Knürr, Zollner und Xilinx. Das QPACE-Kernteam besteht aus etwa 20 Forschern und Entwicklern.

QPACE wurde Mitte 2009 mit jeweils vier Racks am Forschungszentrum Jülich und an der Bergischen Universität Wuppertal in Betrieb genommen und wird für die Simulation fundamentaler Naturkräfte in der Elementarteilchenphysik eingesetzt, insbesondere für Simulationen im Forschungsbereich der Quantenchromodynamik (QCD). Die QCD beschreibt zum Beispiel, wie sich ein Proton aus Quarks und Gluonen aufbaut. Genutzt wird QPACE von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sonderforschungsbereichs/Transregio 55 "Hadronenphysik mit Gitter-QCD", der an den Universitäten Regensburg und Wuppertal angesiedelt ist und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt wird. Sprecher des Forschungsverbundes ist Prof. Dr. Andreas Schäfer; Leiter des QPACE-Projekts ist Prof. Dr. Tilo Wettig. Beide Physiker lehren und forschen an der Universität Regensburg.

In der Welt der Supercomputer wurde Leistung oder "performance" lange Zeit ausschließlich mit Schnelligkeit und Geschwindigkeit in Verbindung gebracht. Diese Zielrichtung hat dazu geführt, dass vermehrt Rechner entwickelt wurden, die eine enorme Menge an Energie verbrauchen. Die Energieeffizienz blieb als maßgeblicher Faktor zumeist außen vor. Erst mit dem verstärkten Aufkommen von Diskussionen um Rohstoff- und Energieknappheit in den letzten Jahren gewannen auch diese Aspekte für die Entwicklung von Supercomputern an Bedeutung. Neben der Top500-Liste der schnellsten Rechner entwickelte sich die Green500-Liste der Supercomputer mit dem geringsten Energieverbrauch als Kriterium zur Bewertung und Einordnung der Rechnerleistungen. Zweimal pro Jahr werden beide aktualisierten Listen im Rahmen der internationalen Konferenz "Supercomputing" vorgestellt. In der TOP500-Liste belegt QPACE Platz 110 mit einer Rechenleistung von 55,71 TeraFlops.

Herzstück von QPACE ist der IBM PowerXCell 8i-Prozessor, eine Weiterentwicklung des Cell/B.E.-Prozessors, der ursprünglich von Sony, Toshiba und IBM für die Sony Playstation 3 entwickelt wurde. Der Chip mit seinen neun Prozessorkernen zeichnet sich dadurch aus, dass er eine sehr große Zahl von Berechnungen parallel und in hoher Geschwindigkeit durchführen kann.

Das neuartige Konzept von QPACE besteht darin, die Prozessoren mit einem Netzwerk von programmierbaren Bauteilen, sogenannten Field Programmable Gate Arrays (FPGA), zu einem leistungsstarken, skalierbaren Rechner zu verbinden. Jede der beiden QPACE-Installationen in Jülich und Wuppertal kann eine maximale Leistung von 100 TeraFlops (double precision) erreichen. Das entspricht 100 Billionen (100.000.000.000.000) Rechenoperationen pro Sekunde. Aufgrund der Skalierbarkeit des Netzwerks ist es prinzipiell möglich, die Leistung in den PetaFlop-Bereich (eine Billiarde Operationen pro Sekunde) zu steigern. Die für das QPACE-Projekt entwickelten Technologiekonzepte sind richtungsweisend für künftige Hochleistungsrechner. Ein Beispiel dafür ist das neuartige, im IBM Forschungs- und Entwicklungszentrum Böblingen entwickelte Kühlkonzept, das wesentlich zur Energieeffizienz zukünftiger Supercomputing-Installationen beitragen kann.

Die Kosten für QPACE in Höhe von etwa drei Millionen Euro werden von der DFG sowie von den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen getragen. Die Entwicklungskosten teilen sich das Konsortium und IBM. Zusätzliche Fördermittel im Rahmen des eQPACE-Projekts der europäischen Forschungsinitiative PRACE (Partnerschip for Advanced Computing in Europe) dienen dazu, allgemeine Kommunikationsstrukturen für das FPGA-Netzwerk zu entwickeln und QPACE dadurch für ein breiteres Anwendungsspektrum zu öffnen. Prof. Dr. Dr. Thomas Lippert, Leiter des Jülich Supercomputing Centers und gleichzeitig Inhaber einer Professur für computergestützte theoretische Physik an der Bergischen Universität Wuppertal, erklärt in diesem Zusammenhang: "Die Entwicklung energieeffizienter Hochleistungscomputer für alle Anwendungsbereiche ist eine zentrale Zukunftsaufgabe und ein Schwerpunkt der Jülicher Forschungsaktivitäten."

Weitere Informationen zu QPACE unter:
http://arxiv.org/pdf/0911.2174
Nähere Angaben zum Green500-Ranking:
http://www.green500.org
Supercomputing im Forschungszentrum Jülich:
http://www.fz-juelich.de/supercomputer
Technische Daten von QPACE:
Typ: Massiv paralleler Supercomputer
Leistung: 26 TFlops pro Rack (double precision)
Prozessoren: 256 pro Rack
Prozessortyp: PowerXCell 8i
Hauptspeicher: 1 Terabyte pro Rack
Racks: 8 (4 in Jülich, 4 in Wuppertal)
Netzwerklatenz: 3 Mikrosekunden
Netzwerkbandbreite: 6 Gigabyte/s pro Knoten
Leistungsaufnahme: ca. 30 Kilowatt pro Rack
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Tilo Wettig
Universität Regensburg
Institut für Theoretische Physik
Tel.: 0941 943-2004
Tilo.Wettig@physik.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/supercomputer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit
26.06.2017 | Universität Bremen

nachricht NAWI Graz-Forschende vermessen Lichtfelder erstmals in 3D
26.06.2017 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie