Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Max-Planck fliegt zum Mond

21.10.2008
Die indische Sonde Chandrayaan-1 trägt auch ein Infrarot-Spektrometer aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung an Bord

Wenn die unbemannte indische Mondsonde Chandrayaan-1 am kommenden Mittwoch um 3 Uhr (MESZ) vom Weltraumbahnhof Satish Dhawan zum Mond startet, ist an Bord auch Technik aus Deutschland: ein Infrarot-Spektrometer aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystem- forschung im niedersächsischen Katlenburg-Lindau. Das Instrument ist der einzige deutsche Beitrag zur Mission und wird dabei helfen, die erste flächendeckende, mineralogische Karte der Mondoberfläche zu erstellen.


Der Mond ist für das Verständnis der Erdgeschichte von großer Bedeutung. Denn obwohl beide Himmelskörper vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstanden sind, haben Plattentektonik, Wetter und nicht zuletzt das Leben die Zeugnisse dieser frühen Phase auf der Erde zum größten Teil ausgelöscht. In der geologischen und mineralogischen Zusammensetzung des Mondes dagegen haben sich diese Hinweise wie in einem Fossil erhalten.

Trotzdem konnten Raumsonden bisher nur einen kleinen Teil der Mondoberfläche erforschen: Die Missionen waren oft auf wenige Monate begrenzt oder mit einer beschränkten Anzahl von Instrumenten ausgestattet. Zudem zeigte sich der Mond den Geräten wegen der stark elliptischen Umlaufbahnen der Sonden aus ständig variierenden Entfernungen.

Chandrayaan-1 wird den Mond nun zwei Jahre lang begleiten. Eine kreisförmige Umlaufbahn in 100 Kilometern Höhe und das Zusammenspiel von mehreren wissenschaftlichen Instrumenten erlauben der Mission einen besonders genauen Blick auf den Erdtrabanten. Das Infrarot-Spektrometer SIR-2 aus dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung etwa soll zusammen mit fünf weiteren Instrumenten erkunden, welche Mineralien und Gesteinsarten sich wo auf dem Mond befinden. Auf diese Weise soll die erste hochaufgelöste, mineralogische Karte des gesamten Himmelskörpers entstehen.

SIR-2 nutzt dazu die optischen Eigenschaften der Mineralien im Mondboden aus. Wie die Blätter eines Baumes, die alle Lichtfarben außer Grün verschlucken, absorbiert jedes Mineral das Licht bestimmter Wellenlängen; diese Anteile des Lichts kann das Material nicht ins All zurückwerfen. Um die charakteristischen Lücken im reflektierten Licht zu entdecken, spaltet das Spektrometer die Strahlung, die es vom Mond erreicht, wie ein Prisma in eine Art Regenbogen auf. Aus den fehlenden Wellenlängenbereichen lässt sich so auf die Zusammensetzung der Mondoberfläche schließen.

Da die charakteristischen Farben der Mineralien, die im Sonnensystem am häufigsten vorkommen, jenseits des roten Spektralbereichs im langwelligen Infraroten liegen, ist SIR-2 speziell an diese Wellenlängenbereiche angepasst. Das Instrument ist das Nachfolgemodell eines Infrarot-Spektrometers, das sich bereits im Jahr 2004 bei der europäischen Mondmission SMART-1 bewährt hat. Die Max-Planck-Forscher entwickeln diesen Instrumenten-Typ, der im sichtbaren bis nahen Infraroten operiert, auch für künftige Missionen weiter.

Insgesamt befinden sich elf wissenschaftliche Instrumente an Bord von Chandrayaan-1. Fünf von ihnen stammen aus Indien, die anderen wurden von internationalen Gruppen entwickelt. Einige dieser Geräte sollen etwa eine dreidimensionale, topographische Karte der Mondoberfläche erstellen. Ein weiteres Ziel der Mission ist die Suche nach gefrorenem Wasser. Frühere Missionen hatten Hinweise dafür geliefert, dass es an den Polen des Mondes - an den Rändern einiger Krater - Eis geben könnte.

Die Max-Planck-Gesellschaft und die europäische Raumfahrtagentur ESA haben die Entwicklung und den Bau von SIR-2 maßgeblich finanziell unterstützt. Das Instrument steht somit auch für die wachsende Zusammenarbeit zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und Indien. Als Zeichen der Wertschätzung durften die Max-Planck-Forscher als einzige ausländische Wissenschaftler ihr Instrument in Indien kalibrieren.

Dr. Christina Beck | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht 3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind
24.05.2017 | Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

nachricht Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft
24.05.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten