Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mars-Oberfläche deutet auf Plattentektonik

13.08.2012
Satellitenfotos liefern Hinweise auf Grabenbrüche

Der Mars besitzt tektonische Platten, die sich in der Vergangenheit gegeneinander verschoben haben könnten. Das behauptet der Planetenforscher An Yin von der University of California in Los Angeles im Fachjournal "Lithosphere". "Die primitive Plattentektonik des Mars zeigt uns, wie die Erde früher ausgesehen haben mag. Vielleicht bebt es sogar noch auf dem Mars", so der Forscher. Seine These ist kühn, geht doch die Wissenschaft bisher davon aus, dass Plattentektonik nirgendwo anders im Sonnensystem existiert als auf der Erde.


Valles Marineris: Möglicher Hinweis auf frühere Beben (Foto: Google Mars/MOLA)

Nord- und Südplatte

Yin verglich über 100 Satellitenbilder des NASA-Programms THEMIS sowie von der Kamera HIRISE auf der Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter". Viele der beobachteten Merkmale ähneln stark dem Bruchsystem, das man im Himalaja, am Toten Meer oder in Kalifonien findet, bis hin zur Geomorphologie, sagt der Forscher. Dazu gehören etwa Mauern von Gräben oder steile Klippen, die Ergebnisse von Bruchlinien seien. Als "typisch für Plattentektonik" bezeichnet Yin auch die linear angeordnete Vulkanzone.

Besonderes Augemerk widmete Yin dem Grabensystem Valles Marineris, das das tiefste und mit 4.000 Kilometern Gesamtlänge auch längste seiner Art im Sonnensystem ist. Dessen Entstehung, die bisher als Rätsel galt, führt Yin auf Plattenverschiebung zurück: 150 Kilometer könnten sich die zwei Platten - die er bereits als "nördliches" und "südliches" Valles Marineris bezeichnet - horizontal verschoben haben. Das ist nur halb so weit wie beim kalifornischen St.-Andreas-Graben, doch ist die Erde auch zweimal größer als der Mars.

Viele Fragen ungeklärt

Freilich ist die "Eierschale" der Erde weitaus zersplitterter und besitzt folglich mehr Platten. "Zerbrochen ist der Mars bisher noch kaum, doch könnte ihm das in Zukunft bevorstehen. Die antreibende thermale Energie ist jedoch viel geringer, und deshalb vielleicht auch die Geschwindigkeit dieses Vorgangs. Gut möglich, dass der Mars nur einmal alle paar Millionen Jahre erwacht." Viele Fragen bleiben aber ungeklärt - etwa, wie tief die Platten liegen, warum oder wie schnell sie sich bewegen - und ob die Tektonik jener der Erde ähnelt.

"Die Studie stellt fest, dass es auf dem Mars eine sinistrale Blattverschiebung gab, die man auf der Erde auf Plattentektonik zurückführen könnte", beurteilt Walter Götz vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung http://www.mps.mpg.de die Ergebnisse. Globale und länger andauernde Plattentektonik habe es auf dem Mars wohl nie gegeben - "oder es wird zumindest sehr schwer fallen, eine derartige Hypothese wissenschaftlich plausibel zu machen", so der Planetenphysiker.

Abstract der Studie unter http://bit.ly/MGQNtl

Johannes Pernsteiner | pressetext.redaktion
Weitere Informationen:
http://www.ucla.edu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall
22.08.2017 | Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe

nachricht Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten
21.08.2017 | Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen